Gottesfreunde werden in mystischen Schriften des 14. Jahrh. bald ganz allgemein Personen von ausgezeichneter Frömmigkeit genannt, bald Männer und Frauen, welche in den Wirren jener Zeit in der persönlichen Gemeinschaft mit Gott Frieden suchten. An manchen Orten bildeten sie eigene Vereine. Priester und Laien predigten unter ihnen und verbreiteten mystische Schriften in deutscher Sprache. Das Rheinthal von Brabant an bis zu den Hochthälern der Schweiz war der eigentliche Schauplatz dieser mystisch-ascetischen Bewegung, Köln, Straßburg und Basel erscheinen als die bedeutendsten Sammelplätze der G. Von bedeutenden Personen aus diesem Kreise seien genannt: Heinrich von Nördlingen, welcher in Basel und an andern Orten als Prediger und Seelsorger thätig war; der berühmte Meister Tauler und der fromme Kaufmann Rulman Merswin in Straßburg, die erleuchteten Frauen Margareta Ebner, Christina Ebner und Elisabeth Langmann. Die merkwürdigste und einflußreichste Persönlichkeit dieser Kreise war oder große Gottesfreund im Oberlando. Wie er hieß und wer er war, ist nicht bekannt. Lange glaubte man, es sei Nikolaus von Basel, der um 1387 zu Wien verbrannt wurde, aber diese Annahme hat sich als Dehmwpiet erwiesen. Neuerdings ist von Denifle behauptet worden, die wichtigste der Schriften, welche unter jenem Namen erhalten sind, das (Buch des Meisterso, sei ein bloßer Roman es sei daher falsch, die in dieser Schrift enthaltenen Andeutungen uber Personen und über Zeit⸗ und Ortsverhältnisse historisch zu deuten. Dieser Behauptung ist jedoch von Jundt mit Recht widersprochen worden. Die Schriften, welche unter dem Namen des «Gottesfreundes» auf uns gekommen sind, sind offenbar aus bestimmten Verhältnissen des Ortes und der Zeit erwachsen und nehmen auf dieselben Bezug, freilich ohne einen Namen zu nennen. Der Verfasser war der Sohn eines reichen Kaufmanns, welcher mit seinem Vater früh weite Reisen machte und sich täglich in die Betrachtung des Leidens Christi versenkte. Später ergab er sich einem ausschweifenden Leben, wurde aber durch eine Vision veranlaßt, der Welt zu entsagen und sich ausschließlich körperlichen Büßungen und mystischen Betrachtungen zu widmen. In enger Berzarer dr stand er zu Rulman Merswin, dem erfasser des Buchs Von den neun Felsenv, und seit 1357 sammelte er gleichgesinnte eunde um sich zu einem Verein. Als Ort seines Wirkens nimmt man nach den Andeutungen der Schriften am wahrscheinlichsten die Gebirgsthäler Graubündens und die Stadt Chur an. Er starb als Einsiedler um 1382. Vgl. C. Schmidt, «Die G.» (Anhang zu Taulers Leben»,‚ Hamb. 1841); derselbe, „(Die G. im 14. Jahrh.» (in den Beiträgen zu den theol. Wissenschafteno, Jena 1854); Denifle, Der Gottesfreund im Oberland und Nikolaus von Basel⸗ (in den 4Histor.⸗polit. Blättern», Münch. 1875); derselbe, Taulers Bekehrung kritisch untersucht⸗ (Straßb. 1879); Jundt, WLes amis de Dieu au quatorzième sièclen (Par. 1879).