Gottland, schwed. Gotland, die größte Insel der eigentlichen Ostsee, etwa 90 Km von der schwed. Küste entfernt und von der Insel Bland durch ein 60 km hreites, höchstens 100 mutiefes Meer getrennt, bildet mit den kleinen, sie umgebenden Cilanden ein eigenes Stift und Län, Wisby⸗ oder G.⸗Län genannt, welches auf 3115,6 ꝗm (wovon 45,5 auf die Gewässer kommen) 53 293 E. (1. Jan. 1882) zählt. Sie ist ein ebenes, nur 30—50 m, in einzelnen Hügeln etwas höher und meist mit steilen Küsten aus dem Wasserspiegel emporsteigendes Kalkplateau, mit mildem Klima, welches selbst die Walnuß und die Maulbeere gedeihen läßt, mit barem Boden, mit einer Menge der Insel ausschließlich eigentümlichen Pflanzen und ausgedehnten Wäldern, besonders von Fichten, deren Holz wegen seiner Dichtigkeit und Festigkeit berühmt ist. Der Ackerbau hat in neuerer Zeit außerordentliche Fortschritte gemacht durch Einführung einer rationellen Wirtschaft und durch Austrocknung bedeutender Sümpfe. Man gewinnt Getreide, Hülsenfrüchte, viel Kartoffeln; der Gartenbau ist allgemein, die ————2„ außer der allgemein mit Eifer betriebenen afzucht, unbedeutend. Fischerei, Robbenschlag, Jagd auf Seevögel, Steinhauen und Kalkbrennereien sind Erwerbszweige von Wichtigkeit, Handel und Schiffahrt lebhaft, die Industrie und Handwerke auf einer niedrigen Stufe. Die Sitten und Gebräuche der Gottländer sind von denen im übrigen Schweden verschieden; die Volkssprache ist 1400 altertümlich. Edelhöfe fehlen; die Häuser sind selbst auf dem Lande fast alle von Stein, sogar die Bauerhäuser zierlich. G. hat seine eigene Miliz, die nur zur Verteidigung der Insel verwendet werden darf. Der Hauptort ist die an der Westküste gelegene Stadt Wisby (s. d.). Unter den zahlreichen Häfen ist der jetzt befestigte Slitehamn (an der Ostküste) der beste in der ganzen Ostsee. Seit 1878 hat G. eine Eisenbahn, Wisby-Hemse, von 57 km Länge. Die Insel gehörte seit der ältesten Zeit zu Schweden, und zwar zu Götaland, hatte eigenes Landrecht und führte später den Titel einer Grafschaft. Von 1361 bis 1645 war sie mit einigen Unterbrechungen dänisch und wurde dann in Gemäßheie des Friedens zu Brömsebro an Schweden zurückgegeben. Nur noch einmal, 1676 —79, kam sie vorübergehend wieder an Dänemark. Während des Kriegs von 1808 landeten hier die Russen, wurden aber bald wieder von dort vertrieben.