FeedGoyaz
ErdkundeBrockhaus 1882

Goyaz, eine der innern Provinzen Brasiliens, im N. an Gräo Parä, im O. an Maranhäo, Bahia und Minas Geraes, im S. an letzteres und Matto Grosso, im W. an Matto Grosso und Graäs Para grenzend, hat ein Areal von 747311 akm, zählt aber (1882) nur 191711 C., darunter 6711 Sklaven. Zu beiden Seiten ihres großen Hauptflusses Tocantins (s.d.) ausgebreitet und westwärts bis zu dessen Nebenfluß Araguay oder Rio Grande, der die Westgrenze bildet, ostwärts bis zur Wasserscheide zwischen dem Tocantinsgebiet einerseits und dem des San-Francisco, Paranahyba und Maranhäo andererseits, im S. aber bis zum Rio Paranahyba ausgedehnt, wird die Provinz teils an der Ostgrenze, teils an ihrem südl. Teile von höhern Bergketten berührt und durchzogen, dort von der Serra das Mangabeiras, Serra do Duro, Serra da Tabatinga, Serra do Paranan, hier von der Serra Cayapo, Serra Divisöes de Rio Claro, Serra de Sentinela, Serra Dourada, Serra dos Pyreneos und andern. Im ganzen aber gehört G. dem Tafellande Brasiliens, den Chapados, an, das meist mit Gras und Buschwerk, den sog. Catingas und Carasquenos, bedeckt ist. Die Bergflächen oder Campos bieten ganz vortreffliche Weideplätze dar, daher auch Viehzucht, besonders Schafzucht, einen Hauptnahrungszweig abgibt. Der Fischreichtum der Ströme ist außerordentlich groß. Schöne Wälder sind vorhanden, aber nicht gleichmäßig über das anze Land verteilt, am ausgedehntesten im Westen. Die Bodenkultur liegt sehr danieder, wenn auch nicht in dem Maße, wie in den noch westlichern Gebieten. In den sehr zahlreichen Thälern, aber auch in andern Landesteilen ist der Boden fruchtbar und dann die Plantage⸗ und übrige Feldarbeit reichlich lohnend. Ungeheuere Strecken des Landes sind völlig menschenleere Wüsten. Die meisten Ansiedler finden sich an den Ufern des Tocantins, und unter ihnen bilden die Vaqueiros oder Viehbesitzer die höchste Schicht der Gesellschaft, die in dem vom Küstenverkehr abgeschlossenen, landwirtschaftlich und industriell vernachlässigten Lande ohne Straßen, Kanäle, bedeutendere Städte u. s. w. geistig außerordentlich niedrig — Erst jetzt versucht man, durch Dampfschiffahrt auf dem Araguay (s. d.) den Verkehr der Provinz zu heben. Bis 1748 ein Distrikt der Provinz Säo-Paulo, ist G. berühmt, aber eben deshalb landwirtschaftlich vernachlässigt worden durch seine freilich größtenteils erschöpften Gold—⸗ minen und durch die Diamanten, die hauptsächlich in den aus den Itakolumitgebirgen strömenden Flüssen vorkommen. Den Namen hat das Land von einem jetzt erloschenen Indianerstamm, den Guayazes. Die Zahl der noch vorhandenen Indianer beträgt kaum 20000. Die Hauptstadt Goyaz, früher Villa Boa Luna er und erst 1739 an Stelle des Dorfes St.: nna erbaut, nördlich von der Serra Dourada, am goldführenden Araguayzufluß Vermelho, unweit vom pder Hend Quellfluß des Tocantins gelegen, ist Sitz der Regierung, eines Appellationstribunals, eines Bischofs und einer Fakultät der Theologie. Der Ort ist eine der freundlichsten Städte Brasiliens, mit hübschen Kirchen, großen Plätzen, gutgebauten einstöckigen Häusern und 8000 E. Nur 15 km im WSW. von G., am Araguayzufluß Rio Claro, liegt der Ort Claro, ein Hauptfundort von Gold und Diamanten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 251Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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