FeedMinas-Geraes (d. h. Hauptbergwerke)
ErdkundeBrockhaus 1882

Minas-Geraes (d. h. Hauptbergwerke), eine der größten und volkreichsten Binnenprovinzen Brasiliens, verdankt Erforschung und Besiedelung ihren größtenteils zu Ende des 17. und im ersten Bunnchen des 18. Jahrh. entdeckten Goldlagern. Zwischen 14· und 23 südl. Br., 40˙ und 47˙ westl. L. gelegen, hat sie einen Flächenraum von 574855 akm. Die Provinz bildet ein wasser⸗ und bergreiches, 500—1000 m über dem Meere gelegenes Hochland, dessen östl. Teil ein eigentliches Gebirgsland ist, während nach Westen breitere Thalbildungen und niedrige Höhenzüge, nach Norden sanft geneigtes Hügelland vorherrschen. Das östl. Grenzgebirge, Serra dos Aimores, scheidet sie zugleich von der Urwaldregion der Küste; im Süden umschließt die Provinz noch einen Teil dieser Region an der Grenzkette Serra da Mantiqueira mit dem 2560 m hohen Itatiaya. Zwischen der Serra dos Aimores und der westlichern, ebenfalls von Norden nach Süden streichenden Serra do Espinhaco, die im 1360 m hohen Itambeé do Serro gipfelt, findet man noch kräftige Baumvegetation, westlich von der letztgenannten Serra aber nur Gras⸗ und Gesträuchwuchs; der bei weitem größte Teil der Provinz gehört daher zu den sog. Campos. Die Gebirge der südl. und östl. Gegenden bestehen größtenteils aus Gneisgranit, in der Serra do Espinhaço aber herrschen krystallinische Thonschiefer vor, unter denen ein schieferiger Quarzsandstein, der nach dem Berg Itacolumi (1750 m) benannte Itacolumit, für M. besonders charakteristisch ist. Der Itacolumit wie auch ein Teil der andern krystallinischen Schiefer enthalten die Goldlagerstätten, die bis 1820 eine Ausbeute von ungefähr 1200 Ctr. Gold lieferten. Metall⸗ und Edelsteinreichtum hat der Provinz ihren Namen gegeben. Doch liegen gegenwärtig Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. die alten Gruben zum allergrößten Teil verlassen, da ihre Ausbeute nicht mehr lohnend ist. Rationell wird auf Gold nur von der Englischen Gesellschaft in Morro-Velho gebaut. Bei Gongo secco hat die seit 1825 bestehende engl. Kompagnie ein ganzes engl. Dorf angelegt, um die Goldminen auszubouten; sie zahlt 20 Proz. vom Erlös an den Staat. Wichtig sind ferner die Diamantenwäschen in den am Westabhange der Serra do Espinhacço entspringenden Flüssen, vorzüglich in den Municipien Cerro do Frio, Diamantina, im Sertäo de Abaete und bei Bagagem. Von letzterm Orte stammt der größte aus Brasilien bekannte Diamant, der 125 Karat schwere Cruzeiro do Sul. Der zu M. gehörige Teil vom Stromgebiet des San-Francisco bildet dem Flächenraum nach etwa die Hälfte der Provinz; auch ist dieser Fluß innerhalb der Provinz 430 km weit schiffbar. Da aber in seinem untern Laufe Wasserfälle die Schiffahrt verhindern, so ist er für M. keine Wasserstraße nach dem Ocean. Gleiche Hindernisse zeigen der Rio Doce und der Jequitinhonha, sowie der Parana (Rio Grande). An Mineralquellen ist M. ziemlich reich. Das Klima ist in der Urwaldregion nicht viel weniger heiß als in den nördl. Provinzen Brasiliens, in der höhern Camposregion, namentlich in den Gebirgen, dem der außertropischen südl. Provinzen fast gleich. Die eigentlichen tropischen Kulturpflanzen, wie Zuckerrohr, Kaffee, Mandioka, Bananen u. s. w., gedeihen daher nur in sehr geschützten Lagen. Gebaut werden hauptsächlich Mais und Bohnen, weniger Kartoffeln, Weizen, Roggen, Gerste, Baumwolle, Reis, Tabak. Die Fauna der Provinz M. ist die Brasiliens von der Südgrenze des Reichs bis 10 südl. Br. Von der ehemaligen Indianerbevölkerung sind noch etwa 10000 Seelen, vorzugsweise Botokuden, übrig. Die Bevölkerung der Provinz beträgt (1883) 2449010 Seelen. Davon machen die Weißen nur einen kleinen Bruchteil aus. Deutsche sind in besondern Kolonien am Mucury und im Süden der Provinz angesiedelt. Sklaven zählt man 279010, während der größte Teil der Bevölkerung aus freien Schwarzen und Mischlingen besteht. Ackerbau und Viehzucht sind im Zunehmen. Die Industrie ist unbedeutend; neben dem Bergwerksbetrieb sind nur Woll- und Baumwollwebereien, Käsefabrikation, Gerbereien und Töpfereien nennenswert. Für den Unterricht geschieht in neuerer Zeit viel. Sehr im Rückstand sind die Verkehrsmittel, denn die Provinz hat nur eine einzige Fahrstraße, die Große Minasstraße. Die Eisenbahn hat nur erst wenig die Südgrenze der Provinz überschritten, doch ist eine Verlängerung bis zum San-Francisco im Plan. Nach der polit. Einteilung zerfällt M. in 18 Comarcas und diese in 52 Municipios. In kirchlicher Beziehung gehört die Provinz einem Erzbistum (Bahig) und sechs Bistümern (Pernambuco, Goyaz, Säo-Paulo, Rio de Janeiro, Mariana und Diamantina) an. Hauptstadt ist Ouro-Preto. Vgl. Halfeld und von Tschudi, «Die brasil. Provinz M.v (Gotha 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 737Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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