Gozzi (Gasparo, Graf), ital. Schriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 20. Dez. 1713 zu Venedig, übernahm, nachdem er sich mit der Dichterin Luise Bergalli verheiratet, eine Zeit lang das Theater Sant'-Angelo und widmete sich später litterarischen Arbeiten. Einige dramatische Arbeiten, die er veröffentlichte, fanden nur geteilten Beifall, desto mehr Aufsehen erregten seine moralischen und kritischen Abhandlungen und die Gazzetta Venetav, welche er fast ganz allein schrieb. Bald galt er für einen der ausgezeichnetsten Kritiker und den reinsten und elegantesten Stilisten Italiens. Nachdem er längere Zeit das Amt eines Censors und , erhielt über die Druckereien in Venedig verwaltet, erhielt er 1774 einen Ruf nach Padua, um dort einen Plan zur Reform der Universität zu entwerfen. In Padua stürzte er sich in einem Fieberanfalle 1778 in den unter seinen Fenstern fließenden Kanal, wurde jedoch gerettet. Nachher lebte er wieder einige Zeit zu Venedig und starb zu Padua 25. Dez. 1786. Als Kritiker zeichnete sich G. durch Tiefe und Schärfe des Urteils wie durch Unparteilichkeit und Bescheidenheit aus. Sein Giudizio degli antichi poeti sopra la moderna censura di Dante ete.“ (Vened. 1758) ist in dieser Hinsicht ein wahres Muster. Die berühmtesten seiner übrigen Schriften sind: 4Osservatore Veneto periodicop (Vened. 1768; neue Aufl., mit G.s Lebensbeschreibung von Gherardini, Flor. 1870), «Sermonio, II mondo moralev, eine Personifizierung der menschlichen Leidens Cilet mit eingeflochtenen Dialogen in Lucianischem Stil; Lettere famigliaris (Vened. 1755; neue Aufl., 2 Bde., 1808). a ahmte er die Boileauschen Satiren in ital. Sprache nach. Unter den Ausgaben seiner 4Operer sind die von Venedig (6 Bde., 1758, 12 Bde., 1794, und 22 Bde., 1812), Padua (16 Bde., 1818— 26), Bergamo 90— Bde., 1825—29) und Mailand (2 Bde., 1832) hervorzuheben. Zur Ergänzung dienen: Alcuni scritti di Gasparo G. v und Racconti di Gasparo G.v (Vened. 1830). Eine Sammlung seiner Gedichte gab Gargiolli (Flor. 1863) heraus. Gozzo, von den Alten Gaulos genannt, brit. Insel im Mittelländischen Meere, scheint in ältester Zeit mit Malta, wovon es jetzt durch eine 6 kKm reite Meerenge getrennt ist, zusammengehangen zu haben und allmählich durch Erdrevolutionen auf die gegenwärtige Größe von 94,2 gkm reduziert worden zu sein. Wie hierdurch und wegen ihrer Produkte, namentlich der 5 dem nahen Fungusdn wachsenden blutstillenden Schwämme, für en Naturhistoriker, so ist sie wegen ihrer Überreste phöniz. Kultur (Cyklopenmauer und Riesenturm, vielleicht ein großer Astartetempel) und späterer karthaginiensischer und röm. Denkmale für den Altertumsfreund von hohem Interesse. Nicht weniger [beachtenswert erscheint sie aber auch wegen ihrer gegenwärtigen trefflichen Kultur, wodurch sie im Stande ist, mit Comino (1871) 17391 E., ausgezeichnete Seeleute, hinlänglich zu ernähren. Die Insel erzeugt viel Getreide, Baumwolle und Vieh, darunter besonders eine Art großer Esel, und hat wegen ihrer beiden Häfen auch eine kommerzielle und nautische Wichtigkeit. Der Hauptort der Insel, in der Mitte derselben, ist der Flecken Rabato mit dem 174 mehoch gelegenen Castle-Rabato. An der Südküste liegt das starke FortChambray, Sommer⸗ „sitz des Gouverneurs. An der Nord-⸗ und der Ostküste befinden sich Batterien. Das zwischen G. und Malta gelegene Eiland Comino (Kümmelinseh), 3 km lang und 2 Km breit, durch welche die Meerenge in den Nord⸗ und Sübkana geteilt wird, hat an der Südostspitze ebenfalls eine Batterie und gehört einem einzigen Besitzer, der danach Pfalzgraf von Comino 11½ Dieses Eiland scheint ebenfalls gewaltsam von Malta abgerissen zu sein. Nahe westlich dabei erhebt sich der Felsen Cominotto; im Osten der Meerenge breitet sich die teilweise nur 15 bis 20 metiefe Ball's Bank aus.