Gozzi (Carlo, Graf), ital. Lustspieldichter, geb. 13. Dez. 1720 zu Venedig, machte sich zunächst durch burleske Gedichte bekannt. Die zerrütteten Vermögensumstände seiner Familie führten ihn in seinem 16. Jahre nach Dalmatien, wo er Kriegsdienste bei der Reiterei nahm. Drei Jahre nachher kehrte er wieder nach Venedig zurück. Der allgemeine Beifall, den Chiaris dramatische Machwerke fanden, reizte ihn zum Kampfe wider diese Geschmacklosigkeit. Bald griff er auch Goldoni (s. d.) an, der an der Verdrängung der alten Commedia dell' arte arbeitete. Einen gewaltigen Aufruhr erregte seine „Tartana degli influssi per l'anno bisestile (1757), gegen welche Goldoni in einem großen Gedicht in Terzinen auftrat, sich aber nur neuen Spott von seiten G.s zuzog. Als Sacchi, der treffliche Harlekin Italiens, und seine in der Commedia dell' arte ausgezeichnete Gesellschaft durch Goldoni dem Untergange 4 gebracht waren, machte G. ihre Sache zu der seinigen und schrieb seit 1761 unentgeltlich für sie. Statt aus dem bürgerlichen Leben schöpfte G. den Stoff zu seinen dramatischen Arbeiten aus den Feenmärchen. Unter denselben ist in Deutschland besonders Turandot, Prinzessin von Chinad durch Schillers Bearbeitung für die deutsche Bühne bekannt geworden. Alle seine Stücke sind auf den Effekt berechnet, von kecker Anlage, phantastisch und nur sktizzenhaft ausgeführt. Sie sagten dem damaligen Geschmack der Italiener zu, konnten sich aber nicht lange halten. tachdem in der Gesellschaft Sacchi Uneinigkeiten entstanden, infolge deren mehrere Mitglieder sich trennten, trat unter andern 1771 auch eine neue Schauspielerin, Teodora Ricci, in die Gesellschaft, die G. bald dergestalt für sich gewann, daß er, um ihr tragische Rollen, die ihr am meisten zusagten, zu verschaffen, die Richtung, welche er früher angenommen hatte, verließ und franz. und andere Stücke zu übersetzen begann. Er selbst veranstaltete eine Gesamtausabe seiner Werke (10 Bde., Vened. 1772—74), päter sind sie öfter gedruckt worden (3 Bde., Berl. 1808—9; vollständigste Ausg., 14 Bde., Vened. 1801—2). Seine Schauspiele wurden von Werthes ins Deutsche übertragen (5 Bde., Bern 1795), seine Märchen von Streckfuß nachgebildet (Berl. 1805). G. starb 6. April 1806. über seinen Charakter und seine schriftstellerischen Leistungen geben seine KMemorie inutili della vita di Carlo G.„ (3 Bde., Vened. 1797) Aufschlüsse. Vgl. Magrini, „Carlo G. e le flabe: saggi storici, biografici e criticio (Cremona 1876).