Gradieren, technisches 41397 durch wel-Ber geringhaltige Salzsolen teils von fremden eimengungen befreit, teils auf wirksame Weise verdunstet werden. Von den verschiedenen Methoden der Gradierung ist nur noch die Dorngradierung in Gebrauch. Dieselbe wird ausgeführt, indem die Sole durch Rinnenleitungen über lang ausgestreckte Reiserwandungen, die durch Aufspeichern von Dornenbündeln zwischen Balkengerüsten von verschiedener Höhe (den Gradierwerten oder 6„De Solg. ern) gebildet werden, verteilt wird. Die Sole, welche dabei von der Höhe der Wand herabrieselt, überzieht die Aste und Zweige der Reiser in sehr dünner Schicht, kommt dadurch in innigste Berührung mit der die Wandung durchstreichenden Luft und sammelt sich in einem unter der Dornenwand befindlichen Reservoir. In Berührung mit der Luft werden zunächst die in der Sole enthaltenen Bicarbonate unter Freiwerden von Kohlensäure zersetzt und in unlösliche einfach kohlensaure Salze verwandelt, Eisenbicarbonat wird gleichzeitig oxydiert, wobei sich Eisenoxydhydrat abscheidet. Die so gebildeten unlöslichen Verbindungen: Eisenoxydhydrat, kohlensaurer Kalk, kohlensaure Magnesia, lagern sich in fester, krystallinischer Form auf den Reisern ab und verwandeln dieselben in Dornstein (s.d.). Gleichzeitig findet eine lebhafte Verdunstung von Wasser statt, und in dem Maße, wie die Sole konzentrierter wird, sondert sich dann auch schwefelsaurer Kalk als in Wasser schwer lösliches Salz auf den Dornen ab. Die Gradierung wird gewöhnlich mehreremal wiederholt, sodaß die ganz schwache Sole auf die erste Dornenwand geleitet wird; nachdem sie diese passiert hat, wird sie auf ein zweites Gradierwerk gepumpt und von hier auf ein drittes, um dann versotten zu werden. Der Effekt des Gradierens ist hauptsächlich bedingt durch allseitige Berührung der Sole mit der Luft und möglichst starken Luftwechsel. Die Wände müssen daher so angelegt werden, daß ihre Langseite möglichst rechtwinkelig gegen die in der betreffenden Gegend vorherrschende Windrichtung gekehrt ist. Jede Ableitung der Luftströmung durch Böschungen, Gebäude u. dgl. ist zu verhindern. Die Gradierung erfolgt am wirksamsten in trockener, warmer Luft, also am besten im Sommer, weniger im Herbst und Frühling; im Winter ist sie bei Frostkälte zu unterbrechen, weil die Verdunstung hier auf ein nicht lohnendes Minimum herabsinkt und weil außerdem, sobald die Sole eine bestimmte Konzentration erreicht hat, sogar nachteilige Folgen eintreten können, indem in der Sole vorhandene schwefelsaure Magnesia bei Frostkälte mit dem Kochsalz, Chlornatrium, in Wechselwirkung tritt unter Bilzung von schwefelsaurem Natron und Chlormagnesium, wobei also zwei für die Salzgewinnung wertlose Stoffe entstehen. Um ein Beispiel für die Wirkung der Gradierung zu geben, so seien die aus vielen Jahresdurchschnitten sich ergebenden Resultate der Saline Dürrenberg angeführt. Die dort geförderte Sole hat einen Salzgehalt von 7,892 Proz., derselbe wird auf dem ersten Gradierwerk auf 11,478, auf dem zweiten auf 16,108, auf dem dritten auf 22 Proz. angereichert. Dieser Zunahme des Salzgehalts stehen aber andererseits beträchtliche Verluste entgegen, die teils durch mechan. Fortführung durch den Wind, teils durch unvermeidliche Undichtleimn der umfangreichen Reservoirs und Röhreneitungen herbeigeführt werden. Diese Verluste variieren in den einzelnen Betriebsjahren und bei den verschiedenen Salinen zwischen 16 und 33 Proz. der gesamten Salzmenge. Dieses und die Auffindung der mächtigen Steinsalzlager ist Veranlassung gewesen, daß die Gradierung in neuerer Zeit mehr und mehr außer Gebrauch kommt und daß man die nicht sudwürdigen Solen entweder gar nicht mehr verarbeitet oder sie durch Lösen von Steinsalz anreichert. Sind die Salinen mit Kuranstalten verbunden, so errichtet man Gradierwerke, um die Patienten die mit Sole beladene Luft inhalieren zu lassen, wodurch außerordentlich oden At Erfolge bei Krank-Werd⸗ der Schleimhäute der Atmungsorgane erzielt werden.