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HimmelskundeBrockhaus 1882

Grades zu 57060 Toisen. Eine von ihm vorgeschlagene umfassendere Messung durch ganz Frankreich im Meridian von Paris wurde durch Cassini und De Lahire 1680 angefangen und nach längerer Unterbrechung 1700 fortgesett. Aus der damals südlich von Paris angestellten Messung ergab sich die Größe eines Grades zu 57097 Toisen, dagegen aus der zwischen Paris und Dünkirchen ausgeführten zu 56 960 Toisen, wonach also die Grade nach den Polen zu abzunehmen schienen, was mit Newtons Theorie von der Gestalt der Erde in direktem Widerspruch stand und vielfache Zweifel an der Richtigkeit derselben, dadurch aber einen langen und heftigen Streit hervorrief. Um demselben ein Ende zu machen, ordnete die franz. Regierung zwei G. an, die eine unter dem Aquator, die andere unter dem nördl. Polarkreise. Die erste führten Bouguer und Condamine seit 1735 in Peru, die letztere Maupertuis, Clairaut u. a. seit 1736 in Lappland aus. Die Größe eines Grades wurde unter dem Aquator gleich 56 753, unter dem Polarkreise gleich 57437 Toisen gefunden, wodurch alse der gedachte Streit zu Gunsten der Newtonscher Theorie geschlichtet war. Alle später angestellter G. haben die n Pole der Meridiangrade von Aquator nach den Polen zu bestätigt, und zwanicht nur auf der nördlichen, sondern auch auf de südl. Halbkugel, wo Lacaille eine solche 1750 an der Südspitze von Afrika ausführte. Le Marie und Boscowich stellten 1751 —53 im Kirchenstaat, Beccaria 1768 in der Ebene von Turin, Liesganing in Ungarn und Mähren, Mazon und Dixon 1764 in Pennsylvanien, Burrow und Dalby 1790 in Ostindien mit Selb oder minder günstigen Resultaten G. an. Selbst in China wurde 1702 in der Ebene von Peking von dem Jesuiten Thomas auf Befehl des Kaisers Camby unter Beteiligung eines kaiserl. Prinzen eine G. ausgeführt, und 1798 ließ der damalige General Bonaparte auf seinem Feld53 in Agypten durch Nouet in der Eile messen. ei weitem die Estindiiche und sind die neuere französische, die ostindische und die große russ.⸗ skandinavische G. Die erstere hatte die genaue Bestimmung des Meter oder der Einheit des neufranz. Längenmaßes, die dem zehnmillionsten Teil eines zwischen dem Aquator und einem Pol enthaltenen Meridianbogens gleich sein sollte, zum Zweck und wurde von 1792 an durch Delambre, techain, Biot und Arago aus + . Der gemessene Bogen erstreckt sich von Dünkirchen bis zur Balearischen Insel Formentera, beträgt 12 2213⁰ und hat eine Länge von 705 189 Toisen. Die ostindische G. stellte Major Lambton * 1802 erst im kleinern, von 1805 im größern Maßstab an; Everest dehnte sie aus über einen Meridianbogen von 21² 21 vom Kap Comorin bis zum Fuße des Himalaja. In Rußland hatte schon 1737 der —* Astronom der Akademie in Petersburg, De l'Isle, den Vorschlag zu einer G. gemacht und auch eine Grundlinie auf dem Eise zwischen Kronstadt und Peterhof gemessen und einige Dreiecke angeschlossen. Doch dabei blieb es, bis 1816 fast gleichzeitig General Tenner und der Astronom W. Struve in Dorpat die Genehmigung zu Gradmessungsarbeiten von Kaiser Alexander 1. erhielten. Tenner begann 1817 im Gouvernement Wilna seine Operationen, deren Resultat bis 1828 die Messung eines Bogens von 4½“ zwischen Bristen in Kurland und Belin im Gouvernement Grodno war, während Struve und von Wrangell 1821 die Messung eines Bogens von 3½ von Jakobsstadt an der Düna bis zur Insel Hogland im Finnischen Meerbusen leitete. Die Arbeiten beider Geodäten wurden in den J. 1828 —36 zu einer einzigen G. von 8˙ 2 zwischen dem 52. und 60. Breitengrade vereinigt und von 1832 bis 1845 bis zum Anschluß an den Südpunkt der Maupertuisschen Messung in Lappland durch Oberg, Melan und Woldstedt verlängert. Doch noch weiter sollten diese großartigen Messungen erweitert werden. Während Tenner mit der Triangulation der Gouvernements Volhynien, Podolien und Bessarabien die südl. Fortsetzung der G. von Belin bis Ismael an der Donau 1844 vollendete, begann durch Struves Vermittelung die schwed. Regierung die nördl. Fortsetzung der G. von Torned bis Fuglenaes (70˙ 40“ nördl. Br.) bei Hammerfest auf der Insel Kval-O, welche durch Hansteen, Selander, Klouman und Lurdh in den J. 1845 — 52 glücklich zum Abschluß gebracht wurde. Somit war in Osteuropa eine G. vom Eismeer bis zur Donau in einer Ausdehnung von 25² 20 Breitengraden beendet, wobei 225 Triangulationen auf russ. und 34 auf skandingv. Gebiete, 10 Grundlinien gemessen und von 13 Punkten die Polhöhe und das Azimuth bestimmt wurden. Unter den zahlreichen ausgeführten G. des 19. Jahrh. ist noch zu nennen die von Svanberg in Schweden, welcher 1801 —3 die von Maupertuis bei Torneä wiederholte und erweiterte. In England, wo General Roy bereits während der beiden letzten Decennien des 18. Jahrh. Triangulationen unternommen hatte, wurde durch Mudge die G. von Dunnose auf der Insel Whigt bis Clifton fortgesetzt; durch Colby wurde die Triangulation über die vereinigten Königreiche bis zu den Shetlandsinseln erweitert und in Gemeinschaft mit Airy die englische G. auf 10 16“ mit sechs gemessenen Grundlinien beendet. Durch diese engl. Messungen haben wir, in Verbindung mit den französischen, einen gut gemessenen Meridianbogen in einer Ausdehnung von 22 Breitengraden, der von den Shetlandsinseln bis Formentera reicht. In Deutschland war bereits 1802 —5 durch von Zach und von Müffling eine Gradlinie von 8000 Toisen im Meridian der Sternwarte auf dem Seeberge bei Gotha gemessen worden; die Arbeiten wurden jedoch durch die Invasion Napoleons unterbrochen. Epo An Zam wurde in Deutschland die Gaußsche G. in Hannover 1821—24, an die Schuhmacher die holsteinische und dänische, von Andrae über ganz Dänemark ausgedehnt, anschloß, und die Besselsche in Ostpreußen 1831, an der Baeyer mitwirkte. Gauß und Bessel gaben neue Methoden zur Berechnung mit Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate an und erweiterten die höhere Geodäsie durch Lösung neuer Aufgaben. Die hier erwähnten Arbeiten waren ausschließlich Breitengradmessungen; von den Längengradmessungen sind zu nennen die von Cassini und Maraldi 1733—34 in Frankreich im Parallelkreise von Paris, dann die von Cassini de Thury und La Caille mittels Pulversignale zwischen St.Clair bei Cette und dem Mont-St.⸗Victoire bei Aix ausgeführte. Von wissenschaftlicher Bedeutung zuerst war aber diejenige, welche 1* franz. Gebiete unter dem 45. Parallel von der Mündung der Gironde bis zur savoyischen Grenze durch Brousseau und Nicollet, dann im Anschluß daran von der sardin. und österr. Regierung durch Carlini und Plana über Turin, Mailand bis Fiume 1811 — 20 ausgeführt wurde, während Pictet und Gautier die Längenbestimmungen auch auf die Sternwarte von Genf, welche mit in das Dreiecksnetz gezogen worden war, ausdehnten. Bei einer zweiten franz. Parallelbogenmessung zwischen Brest, Paris und Straßburg, 1804 — 23, sowie einer Längengradmessung in England zwischen Valentia (Irland) bis Greenwich kamen noch die alten Methoden der Längendifferenzbestimmung in Anwendung. Die großartige, von W. Struve 1857 im Auftrage der russ. Regierung angebahnte Längengradmessung auf dem 52. Parallel, welche unter Leitung von O. Struve, Baeyer und Argelander 1863 zur Ausführung gekommen ist, geht von Orsk jenseit des Urals bis an die Westküste Englands und umfaßt 63 Längengrade; bei ihr sind die Längendifferenzen mittels der telegr. Leitungen bestimmt. Eine ganz vollständige Kenntnis der Gestalt unsers Erd—⸗ balls ist überhaupt erst dann zu erwarten, wenn man Breiten⸗ und Längengradmessungen in genügender Anzahl besitzt und diese, da über die Meere solche Messungen nicht möglich sind, in Verbindung bringt mit Pendelbaobachtungen auf isolierten Inseln. Um wenigstens über Europa zunächst die Messungen auszudehnen, reichte Baeyer 1861 der preuß. Regierung einen Entwurf ein, in welchem er eine Verbindung der bisher isoliert ausgerrete Messungen in verschiedenen Meridianen (Breitengradmessungen) mit denen in mehrern Parallelen (Längengradmessungen) behufs einer vollständigen Feststellung der Krümmungsverhältnisse des zwischen dem Parallel von Kristiania und Palermo und' dem Meridian von Warschau und Brüssel eingeschlossenen Flächenraums von etwa 2900000 qkm vorschlug. Infolge der Aufforderung der preuß. Regierung traten Baden, Bayern, Belgien, Dänemark, Frankreich, Hannover, die beiden Hessen, Holland, Italien, Mecklenburg, Osterreich, Oldenburg, Polen (Rußland), Preußen, Sachsen, Schweden und Norwegen, die Schweiz und Württemberg dem Unternehmen bei, welche auf der im Herbst 1864 zu Berlin abgehaltenen Konferenz durch Delegierte vertreten waren; 1866 erklärten Spanien und Portugal, 1867 Rußland, 1870 der Kirchenstaat ihren Beitritt. In jener ersten Versammlung wurden die Grenzen der zu erreichenden Genauigkeit und die anzuwendenden Methoden festgesetzt, und seitdem sind in den mei910 der genannten Staaten Rekognoszierungs-, ivellements⸗ und Triangulationsarbeiten teils in Aussicht genommen, teils neu begonnen, teils begonnene Triangulationen weiter fortgeführt worden. Die Resultate dieser Arbeiten werden durch jährliche Generalberichte vom Centralbureau der europäischen G. veröffentlicht. An der Spitze des Unternehmens steht eine permanente Kommission, welche sich alljährlich versammelt, und das Centralbureau unter Leitung von General Baeyer. Allgemeine Konferenzen finden in der Regel alle drei Jahre statt (die sechste 1880 zu Munchen). Infolge dessen erschienen bereits viele wertvolle theoretische und praktische Arbeiten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 263Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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