FeedGranatbaum
PflanzenreichBrockhaus 1882

Granatbaum, Punica granatum L., ein in Nordafrika einheimischer, aber schon im grauen Altertum in Griechenland und Italien und selbst an den südl. deutschen Grenzen verwilderter dorniger, krummästiger Busch, der erst künstlich zu einem aume geschnitten wird und dann oft eine sehr ansehnliche Höhe erreicht. Von einigen Botanikern wird er zur Familie der Cythrarieen, von andern u den Myrtaceen gerechnet. In Kleinasien und ersien bildet er ganze Wälder. Im Norden, wo man auf reife Frucht nicht rechnen darf, wird er nur seiner prächtigen hochroten Blumen wegen kultiviert, und zwar vorzugsweise in seiner gefüllt lühenden Form (var. plena). Aber auch ohne lüten macht er im Schmuck seiner gegenständigen, elliptisch-lanzettförmigen, ganzrandigen, glatten, glänzenden Blätter einen angenehmen Eindruck, der aber, wenn diese abgefallen sind, in das Gegenteil umschlägt. Um ihn zu reichlicherm Blütenansatz anzuregen, muß man zu dicht stehende Aste ausschneiden, um den übrigen ein um so größeres Maß von Licht und Luft zu sichern. Unter den Einflüssen der Kultur sind außer der genannten noch andere Varietäten entstanden: var. plena latifolia, mit gefüllten hochroten Blumen und breitern Blättern, ganz besonders gut zum Treiben geeignet; var. albescens, mit weißen Blumenblättern und gelblichem Kelch, auch bisweilen gefüllt; var. flavum, mit gelben Blumen, und var. Legrelliae, mit hochroten Blumen, deren Blätter aber gelb gesäumt sind. P. nana, der Zwerggranatbaum, stammt von den Antillen und aus Brasilien, wo er wahrscheinlich aus dem dort eingeführten gemeinen G. entstanden ist. Er blüht willig und sehr reich, doch sind die Blumen kleiner als die der Stammform. Außer diesen Varietäten gibt es auch solche mit größern süßen, sauern und süßsauern Früchten. Der Granatapfel hatte bei den Griechen und Römern eine symbolische Bedeutung und war der Juno pronuba, der Ehegöttin, gewidmet, die sich fast immer mit einem solchen in der Hand dargestellt findet, wahrscheinlich der zahlreichen Samenkerne wegen, die auf große Fruchtharkeit deuten. Man pflegte auch die Frucht beim Hochzeitsmahle auf die Tafel zu stellen. Das Fleisch ist kühlend und durstlöschend. In Trebisonde wird die Frucht gekeltert und der Saft in großen Mengen ausgeführt. Dieser ist der Hauptbestandteil des Scherbet oder Sorbet, einer Art Limonade aus dem Safte des Granatapfels, aus Citronensäure und Zucker. Dieses oder ein ähnliches Getränk war schon bei den alten Kulturvölkern beliebt, wie aus dem Hohenliede Salomos, Kap. 8, 2, hervorgeht: „Ich wollte dich f tränken mit dem Most meiner Granatäpfel. v Der G. wird in Kübeln unterhalten und nur eben [e frostfrei, zur Not in einem trockenen Keller, über-n wintert. Da ihm während der Ruhezeit aus einer Temperatur von — 2˙ R. kein Nachteil erwächst, so ist um so mehr anzuraten, ihn nicht zu früh in das Winterquartier und nicht zu spät aus demselben zu bringen, da er andernfalls geile Triebe und vorzeitige, bald wieder abfallende Blumen erzeugt. Er verlangt eine recht kräftige Erde und während der Vegetationszeit reichliches Begießen. Man vermehrt ihn aus Stecklingen von Zweigen, welche bereits geblüht haben, da in diesem Falle die junge Pflanze baldblühbarwird; dieVarietäten auch durchPfropfen auf gemeine Art. Der Zwerggranatbaum verlangt überwinterung bei 44 R., und auch bei nasser und kalter Sommerwitterung einigen Schutz. Die Rinde des G. ist als Cortex Granati, die Wurzelrinde als Cortex radicis Granati offizinell; letztere wird namentlich gegen den Bandwurm angewandt; doch sollte dies, weil große Vorsicht erforderlich, nie ohne ärztliche Verordnung geschehen. K3 / rote, ins Bräunliche ziehende arbe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 282Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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