FeedGrau-Chaco (El⸗)
Sport & SpielBrockhaus 1882

Grau-Chaco (El⸗), d. h. großes Jagdgebiet, auch Chaco Gualamba oder schlechthin El-Chaco (richtiger Chacu), ist der Gesamtname für die weiten Ebenen (Llanos) im centralen Südamerika, südlich von der Wasserscheide zwischen dem La Plata und Amazonenstrom. Nach Süden reicht der G. bis zum Rio Salado (Juramento), der ihn von den Pampas scheidet; nach Norden geht er allmählich in die höher liegenden Llanos de Chiquitos (Llanos de Santa-Cruz) über, durch welche er mit den Ebenen des Amazonas in Verbindung steht. Früher se man den Chaco großenteils für eine wasserlose Wüste; nähere Bekanntschaft hat aber D daß der größte Teil desselben außerordentich fruchtbar ist; die Ebenen sind abwechselnd von Wäldern und Wiesen bedeckt, und die Wälder zeigen namentlich an den Ufern des Vermejo und Pilcomayo eine lüppigkeit, die sie den brasil. Urwäldern an die Seite stellt. Zahlreiche Lagunen unterbrechen die Fläche, versiegen aber gegen Ende der trockenen Jahreszeit. Mit dem im Oktober eintretenden Regen beginnen die Flüsse zu schwellen und überfluten einen breiten Gürtel zu beiden Seiten, der infolge dessen eine außerordentliche Fruchtbarkeit entfaltet. Für die Viehzucht eignet sich das ganze Gebiet in viel höherm Grade als die Pampas, da beim Eintreten der Dürre das Vieh in die Wälder getrieben wird und sich von den Früchten der Chäar, Algarrobo u. s. w. ernähren kann. Das Klima zeichnet sich durch schnelle Temperaturwechsel aus, die in einem Tage 18 R. betragen können; die höchste Sommertemperatur ist +36e, die tiefste im Winter 4. 7. Die den in u des Chaco, auf 30—40000 geschätzt, zerfallen in 4 Stämme, die sich hauptsächlich an den Ufern der Flüsse aufhalten. Politisch gehört der Teil des Chaco, welcher nördlich von 22 südl. Br. liegt, zu Bolivia; südlich davon bildet der Pilcomayo die Grenze zwischen Paraguay und Argentina. Die Kolonisation im argentin. Chaco erstreckt sich nur auf einzelne Ansiedelungen längs des Vermejo und Salado; darunter sind die wichtigsten Avellaneda, 1879 gegründet, 1880 mit 1077 E.; Resistencia, 1878 gegründet, mit 878 E. Grand, grober, aus kleinen Steinchen bestehender Kiessand; im Bergwesen: mit klein gepochtem Quarze vermischter Lehm; niederdeutsch auch feine Weizenkleie, daher Grandmehl, grobes, mit Kleie vermischtes Mehl; grandig, G. enthaltend, kiesig. [Chariton. Grand-Chariton, Fluß in Nordamerika, s. Grand' Combe (Las, Gemeinde im franz. Depart. Gard, Arrondissement Alais, 14 kmim NNW. von Alais, am Gardon d'Alais, in einem Cevennenthale, an der Linie St. Germain des Fosses-Nimes der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, zählt (1876) 5342, als Gemeinde 10 152 E., die in den Steinkohlenwerken der Umgegend arbeiten, auch Zink⸗ und Bleihütten und eine Glashütte unterhalten. Grand-Couronne, Flecken im franz. Depart. der Untern Seine, Arrondissement Rouen, 12 km im SSW. von Rouen, nahe am linken Seine-Ufer und dem Rouvraywalde, an der Eisenbahn Elbeuf-Rouen, zählt 1400 E. und hat Fischerei und Tüllfabrikation. Hier bestand 31. Dez. 1870 das preuß. erste Armeekorps ein siegreiches Gefecht gegen die Franzosen. Grand-duc (frz.), Großherzog, auch Großfürst; Grande-duchesse, Großherzogin, Großfürstin. Grande Chartreuse (L a) s. Chartreuse. Grande Eau (La), ein rechter Nebenfluß des Rhöne im Bezirk Aigle des schweiz.Kantons Waadt, entspringt als wildes Bergwasser etwa 2400 müber dem Meere aus den Gletschern des Creux de Champ am Nordabsturz der Diablerets (s. d.), empfängt vom Oldenhorn her den Dard, der einen prächtigen Wasserfall bildet, fließt dann in westnordwestl. Richtung durch das liebliche Alpenthal Ormont, wendet sich bei Sepey (Ormont dessous, 1129 m) nach SW. und tritt bei Aigle (419 m) in die Rhöneebene, um 3 km weiter westlich, 400 m über dem Meere, nach 27 km langem Lauf zu münden. Durch das Thal des G., das namentlich in den obern Stufen herrliche Alpenlandschaften bildet und von Touristen viel besucht wird, führt von der Station Aigle der Linie Lausanne-St.⸗Maurice der Schweizerischen Westbahn eine Fahrstraße zum Pillonpaß (1552 m) und nach Gsteig im bernischen Saanenlande. Bei Sepey zweigt von derselben nördlich die Poststraße über den Paß Les Mosses (1809 m) nach Chäteau d'Oex im waadtländischen Pays d'Enhaut ab. Granuden (span. Grandes) hießen im castil. Reiche seit dem 13. Jahrh. die Vornehmsten des hohen Adels oder der sog. reichen Leute (Ricos hombres), zu denen außer den Verwandten des königl. Hauses alle die durch Güterreichtum und Ahnen ausgezeichneten Männer aus den Ricos hombres gerechnet wurden, welchen der König durch Erteilung des Banners das Recht gegeben hatte, eigene Söldner zu werben. Die G. vererbten ihre Würde auf ihre Nachkommen und teilten alle Vorrechte des hohen Adels. Sie besaßen gewisse königl. Lehne, wofür sie dem König, neben einer verhältnismäßigen Anzahl von Lanzen, deren jede aus einem Ritter mit vier bis fünf gerüsteten Leuten bestand, zum Kriegsdienst verpflichtet waren, und konnten diese Lehne nur in gewissen, gesetzlich bestimmten Fällen verlieren. Auch waren sie frei von Steuern, durften ohne besondern Auftrag des Königs vor keinen bürgerlichen oder peinlichen Richter gefordert werden und konnten samt ihren Vasallen ungehindert das Reich verlassen, um einem andern Fürsten selbst gegen ihren Lehnsherrn zu dienen, ohne daß es ihnen als Hochverratangerechnetwurde. Außer diesen allgemeinen Vorrechten des hohen Adels und dem Anspruche auf die ersten Staatswürden standen ihnen noch andere Auszeichnungen zu, worunter besonders das Recht gehörte, bei allen öffent⸗⸗ lichen Handlungen in Gegenwart des Königs mit dessen Erlaubnis das Haupt zu bedecken, ein Vorrecht, welches sie mit den sog. Titulados, den Herzögen und Grafen, teilten. Der König redete den G. mit mi primo, d. i. mein Vetter, an, während er einen andern vom hohen Adel nur mit mi pariente, d. i. mein Verwandter, anredete. In den Reichsversammlungen saßen sie unmittelbar nach den Prälaten und vor den Titulados. Sie hatten freien Zutritt in den Palast und die Gemächer des Königs. Durch Ferdinand und Isabella wurde unter der Leitung des kraftvollen Ximenes die Macht des brh. mit gebrochen, sodaß am Ende des 15. Jahrh. mit den Vorrechten der G. auch die des hohen Adels fast 79⁵ beseitigt waren. Ferdinands Nachfolger, Karl V., machte aus dem unabhängigen Lehnadel einen abhängigen Hofadel. Allmählich entstanden nun drei Klassen der G. Den G. der ersten Klasse befahl der König, sich zu bedecken, ehe sie ihn angeredet hatten; die der zweiten Klasse erhielten diesen Befehl, sobald sie geredet hatten, und hörten des Königs Antwort mit bedecktem Haupte; die der dritten Klasse empfingen erst, nachdem sie des Königs Antwort vernommen, den Befehl, sich zu bedecken. Alle G. führten den Titel Excellenz. Die drei Klassen blieben; doch die Rangunterschiede veralteten allmählich. Unter der Regierung Joseph Bonapartes und durch die Revolution wurde die Grandenwürde gänzlich aufgehoben, in den spätern Restaurationen aber wiederhergestellt, jedoch ohne besondere wesentliche Vorzuge. Vgl. Hopf in Ersch und Grubers «Allgemeiner Encyklopädier (Sekt. 1, Bd. 79, Lpz. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 284Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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