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NaturlehreBrockhaus 1882

Graphit oder Reißblei ist ein in hexagonalen Tafeln krystallisierendes, höchst vollkommen basisch spaltbares, eisenschwarzes bis bleigraues, metallglänzendes, schlüpfrig anzufühlendes, sehr weiches und daher stark abfärbendes und mit dem Messer schneidbares Mineral von 1,8 bis 2,0 spezifischem Gewicht, welches wesentlich nur aus Kohlenstoff besteht, jedoch meist mit etwas Eisen gemengt, und oft durch Kieselsäure, Kalk und andere Stoffe verunreinigt ist. Der G. stellt daher den Kohlenstoff in einer andern Modifikation dar, als er im Diamant vorliegt. Gereinigter G. von mehrern Fundorten hinterläßt beim Verbrennen nur 0,25 bis 1,07 Proz. Aschenrückstand. Der G. findet sich einerseits als selbständiges schieferiges Aggregat, sog. Granitschiefer, eingelagert in Gneisen, Glimmerschiefern, Phylliten und Kalksteinen, sodann als einzelne Blätter und kleine Partien eingewachsen als accessorischer Gemengteil in Graniten, verschiedenen Schiefern und Kalksteinen. Der reinste G. ist der von Borrowdale in der engl. Grafschaft Cumberland, von der Insel Ceylon und der aus Sibirien, wo im Distrikt von Semipalatinsk und an der untern Tunguska, auch im tunkinsker Gebirgszuge neuerdings sehr viel G. gewonnen wird. Weniger rein kommt er in Bayern (bei Passau), Böhmen, Sachsen, der Lausitz, Steiermark, Salzburg, Tirol, Italien, Spanien, Norwegen u. s. w. vor. Auch im Meteoreisen findet sich hin und wieder G. ausgeschieden. Die Hauptanwendung des G. besteht in dessen Verarbeitung zu Bleistiften ([. d.). Mit Thon vermischt bildet er die Masse der schwarzen (Passauer oder Ipser) Schmelztiegel, in Leinölfirnis angerieben eine vortreffliche und vielgebrauchte Anstreichfarbe (Diamantfarbe). Minder erhebliche Benutzungen sind die als Schmiermittel zur Verminderung der Reibung bei Maschinen, zum Schwärzen der eisernen Stubenöfen und anderer grober Gußeisenwaren, zum Überziehen der aus Gips, Holz, Guttapercha und andern Nichtleitern der Elektricität bestehenden Formen für die Galvanoplastik, zum Polieren von Bleischrot, in Holland auch zum Polieren von Schießpulver, als Bestandteil der Paste für das Schärfen der Rasiermesser u. s. w. In den Eisenhohöfen und aus sehr kohlenstoffreichem Roheisen, wenn dieses nach dem Schmelzen höchst langsam erkaltet, scheiden sich oft in Menge grauschwarze Blättchen ab, welche chemisch mit dem G. übereinstimmen und daher Hohofengraphit, künstlicher G. genannt werden. Auch durch Kochen gewisser Cyanverbindungen mit Atznatron scheidet sich unter Umständen ein Teil des Kohlenstoffs des Cyans als G. aus; z. B. in den Sodafabriken bei der Bereitung des Ätznatrons. Der G. ist unschmelzbar und verbrennt beim Glühen an der Luft zu Kohlensäure. Ipentteneum Der nennt man einen Kitt, welcher namentlich zum Verbinden von Eisenteilen, z. B. zum Dichten von Röhrenleitungen verwandt wird. Derselbe wird bereitet, indem 6 Teile Graphit, 3 Teile Kreide, 9 Teile Augande alle im fein geschlemmten, trockenen Zustande, mit 3 Teilen Leinölfirnis zusammengeknetet werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 301Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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