FeedGraphologie
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Graphologie (grch.) oder Handschriftendeutung ist die von dem Abbé Jean-Hippolyte Michon (geb. 21. Nov. 1806, gest. 8. Mai 1881) so benannte «Kunst, die Menschen aus ihrer Schrift kennen zu lernenv. Dieselbe unterscheidet sich von der Chirogrammatomantie (s. d.) dadurch, daß sie, während letztere auf subjektivem, instinktivem Gefühl beruht, feste Regeln besitzt, nach denen aus der Schrift geurteilt wird. In neuester Zeit hat Eugen Schwiedland das Gesetz aufgestellt und wissenschaftlich begründet, daß in jedem menschlichen Bewegungsimpuls (Innervationo) und dessen Ergebnissen lalso Gang, Stimme, Ausdruck der Lersen. Mienen, Handschrift) ein psychisches, d. i. persönlich eigenartiges, somit charakteristisches Moment enthalten sei und hat dadurch eine psychol. und physiol. Begründung der G. gegeben. In Paris besteht bereits seit 1871 eine Société de Graphologie mit einem eigenen Fachblatt La Graphologies, redigiert von A. Varinard in St.⸗Etienne. Vgl. Schwiedland, «Die G., Geschichte, Theorie und Begründung der Handschriftendeutung » (3. Aufl., Berl. 1884); Michon, 4Systéème de Graphologie v (6. Aufl., Par. 1880); derselbe, cMéthode pratique de Graphologie (2. Aufl., Par. 1879); J. Crépieux, Traité complet et pratique de Graphologiep (Genf 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 301Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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