Grassi (Anton), Bildhauer, geb. in Wien 1755, war ein Schüler der dortigen Akademie und des Hofstatuarius J. W. Beyer, unter dessen 4rt er an den Marmorstatuen, welche den kaiserl. Par zu Schönbrunn zu schmücken bestimmt waren, arbeitete. Er gelangte dann als Modellmeister an die kaiserliche Porzellanfabrik, für welche seine Thätigkeit von höchster Bedeutung werden sollte. G. fertigte zahllose Modelle zu den für die wiener Produktion so charakteristischen ganz weißen Biskuits, welche er in den elegantesten Formen behandelte. Besonders berühmt ist die Gruppe des Parisurteils, die Grazien u. s. w. Die Akademie ernannte den Künstler zu ihrem Mitgliede. Im J. 1792 fand er Gelegenheit, Italien zu besuchen, wo die Canovaschen Meisterwerke 90 in seiner antikisierenden Richtung bestärkten. Von den vielen Modellen aus der folgenden Zeit besitzt das Ssterreichische Museum für Kunst und Industrie in Wien einen reichen Vorrat, darunter die schönen Reduktionen der Niobiden; auch Canova hat er porträtiert. Vorzüglich sind ferner seine edel antik Munumd, Cäsarenbüsten Kaiser Josephs II. (Museum), Franz' II., des Erzherzogs Karl. Seit 1794 leitete er das Direktorat der wiener Akademie und starb 31. Dez. 1807 in Wien. G.s Schöpfungen repräsentieren den übergang des zierlichsten Stils Ludwigs XVI. zum vornehmen Empire, und haben durch feine Geschmacksrichtung sowie durch technische Meisterschaft bedeutenden Wert. Sein Bruder Joseph G., geb. in Wien 1768, war gleichfalls Schüler der Akademie daselbst, arbeitete dann aber in Warschau, von wo er 1799 als Professor an die Akademie nach Dresden berufen wurde. Später übernahm er die Leitung der Kunstpensionäre des sächs. Hofs in Rom, kehrte aber 1821 nach Dresden zurück, wo er 7. Jan. 1838 starb. Er ist ein geistreicher Porträtist, dessen Bildnisse von großer Naturwahrheit und Zartheit des Vortrags zeugen. Ein Porträt seines Bruders, des Bildhauers G., besitzt die Akademie in Wien, das der Fürstin Pauline Metternich, spätern Herzogin von Württemberg, gemalt 1790, Fürst Metternich in Wien, andere, namentlich schöne Damenbildnisse, sind in Dresden.