Gaul (Gust.), Maler, geb. 6. Febr. 1836 in Wien als Sohn des Direktors der Graveurschule des k. k. Münzamtes Franz Gaul daselbst, studierte an der Akademie der bildenden Künste, und zwar besonders unter der Anleitung Karl Rahls. Beide machten größere Reisen in Deutschland, Holland, Frankreich und Italien, auf denen G. fleißig nach berühmten alten Meistern kopierte. In dieser Thätigkeit erzielte er eine große Fertigkeit, namentlich sagten die großen Venetianer des 16. Jahrh. seiner Individualität und koloristischen Begabung am meisten zu. Auch später hat G. stets das Beste als verständnisvoller Kopist geleistet, seine eigenen Porträts und Kompositionen sind von geringerer Bedeutung, doch zeichnen sich die nachstehenden durch fleißige Durchführung aus: Porträt des Kaisers Franz Joseph, der Königin Christine von Spanien, Erzherzog Karl Ludwig, Künstlerbildnisse wie Sophie Schröder, Anschütz, Sonnenthal Lewinsky. Fur die lebenden Bilder aus der Geschichte Osterreichs anläßlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaars entwarf er die Tableaus in Aquarellen. Sein Bruder Franz G., geb. zu Wien 29. Juli 1837, anfänglich Schlachtenmaler, ist Kostümzeichner und Oberinspektor der kaiserl. Oper in Wien.