FeedFischbach (Friedr.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Fischbach (Friedr.), namhafter Ornamentist, geb. zu Aachen 10. Febr. 1839, besuchte das Gymnasium in Köln und die Musterzeichenschule in Berlin. Schon 1860 schloß er sich der stilistischen Richtung an, die in der kirchlichen Kunst vom Rhein ausging. Wie Bock zuerst die Überreste der mittel⸗ ö alterlichen Gewebe sammelte, so legte sich F. eine umfassende Sammlung von Kopien solcher Muster an. Im J. 1862 ging F. nach Wien, leitete bis 1865 ein Dekorationsgeschäft, zeichnete für die Mustersammlung des österr. Museums, besuchte 1867 die pariser Weltausstellung als Berichterstatter und wurde 1870 Lehrer der Ornamentik an der königl. Akademie zu Hanau. Diesen Wirkungskreis erweiterte er durch eine ausgebreitete künstlerische und schriftstellerische Thätigkeit. Er veranlaßte viele Fabrikanten, nach seinen Entwürfen zu arbeiten, gründete Vereine für Kunstindustrie und errichtete ein eigenes Atelier, um den verschiedensten Industriellen Muster zu liefern und die Herausgabe litterarisch-artistischer Werke zu ermöglichen. Im J. 1882 wurde er als Direktor der neu zu organisierenden Kunstgewerbeschule nach St. Gallen berufen, um dort die Textilornamentik zu kultivieren. Seine umfassenden Sammlungen alter Gewebe, Stickereien u. s. w. wurden für diese Schule angekauft. Seine wichtigsten, von ihm lithographierten und im Selbstverlag erschienenen Werke sind:«Ornamente der Geweber (60 Tafeln Buntdruck, gr. Fol.), «Geschichte der Textilkunsto (1883), «Ornamente der Hausindustrie Ungarnso (im Auftrage der ungar. Regierung), „Südslaw. Ornamenten, «Stickerei-Album » (in 5. Aufl. erschienen), «Spitzengeweber, vier Serien (192 Tafeln) «Stickerei- und Häkelmuster » (für die Zwirnerei Göppingen), reich ornamentierte Photo-Albums u. s. w. F. gehört zu denen, welchen es zu verdanken ist, daß Deutschland die Abhängigkeit von den Franzosen in der Ornamentik abgeschüttelt hat. Sein Werk 4Ornamente der Gewebe hat für die Kunstindustrie fundamentale Bedeutung. In der Tapetenindustrie Deutschlands sind seit 1862 von 5 circa 2000 Muster erschienen. Die von ihm ausgebildeten Zeichner verbreiten seine Richtung in vielen Fabriken und Schulen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 838Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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