FeedGasser von Valhorn (Joseph)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gasser von Valhorn (Joseph), Bildhauer, geb. 1818 zu Prägraten im Bezirk Windisch-Mattrey in Tirol, erhielt den ersten Unterricht in der Kunst von seinem Vater, besuchte seit 1837 die Akademie der bildenden Künste zu Wien, wo Klieber sein Lehrer war, und bildete sich dann seit 1845 zu Rom weiter aus. Nach der Rückkehr nach Deutschland ließ er sich 1852 in Wien nieder, wo seitdem eine große Anzahl von Werken in Marmor, Holz und Erzguß aus seinem Atelier hervorgegangen sind. Dahin gehören unter anderm die 5 Portalfiguren für den Dom zu Speier (1856), die 24 Statuen für den Stephansdom zu Wien, die 9 Statuen für die Altlerchenfelder Kirche daselbst; ferner die 7 Reliefs von kolossaler Größe für die Kaiserhalle in Speier, ein Standbild für die Elisabethbrücke in Wien, die 3 Standbilder für das Museum im Arsenal, die 7 freien Künste für das neue Opernhaus. Außerdem lieferte er mehrere Büsten, z. B. die des Kaisers Maximilian von Mexiko, seiner Gemahlin, der Kaiserin Charlotte, und die besonders gelun-G des Kaisers Franz Joseph für das Hötel de ille, welche im Deutschen Kriege von 1866 zu Grunde ging. Seit 1873 ging aus seinem Atelier manches schöne Werk für die Votivkirche hervor, darunter die Lünettenreliefs der drei Hauptportale, die Gruppe der Dreifaltigkosit, Mariä Krönung, neun Engel, ein Salvator und ein großer Engel, sowie die Statuen des Hochaltars und eines Seitenaltars; auch die Zeichnungen zu den Aposteln des Friedens wurden von ihm entworfen. Für den Bau des neuen Rathauses hat G. die Figur des Herzogs Rudolf des Stifters gefertigt, für das im Bau begriffene Burgtheater die großen Gestalten des Prometheus und der Genofeva; Ias das Universitätsgebäude die Figuren des Herodot und Aristarch, endlich Verschiedenes für den neuen Hochaltar des Schottenklosters. G. ist ein Plastiker von strenger, ernster Formenbildung, weniger rei mit Phantasie begabt als tüchtig und solid in Technik und Auffassung. Er ist akademischer Rat und wurde 1879 in den Adelsstand erhoben. Gassier (Edouard), franz. Opernsänger, geb. 1822 zu Paris, debütierte nach vorangegangenen Studien am Konservatorium 1845 in der Komischen Oper und ging bald darauf nach Italien, wo er in Palermo, Mailand und Venedig sang. Später trat er in Wien, 1849—52 in Madrid, Barcelona und Sevilla auf und kehrte 1854 nach Paris zurück. Nachdem er hier zwei Jahre als Mitglied der Italienischen Oper gewirkt hatte, nahm er ein Engagement im Drurylane-Theater in London an, wandte sich von hier nach Moskau, dann wieder nach Spanien und starb 18. Dez. 1871 in Havana. G. leistete als Buffo ganz Vortreffliches, gefiel aber auch im ernsten Genre. Künstlerisch ihm ebenbürtig war seine Frau Josepha, geborene Fernandez, eine Sopransängerin von ebenso viel Geschmack wie glücklicher Veranlagung und trefflicher Schule. Geb. 1821 zu Bilbas und von Masini ausgebildet, wirkte sie zunächst im Chor, ging dann nach Italien und vermählte sich hier mit Edouard G., den sie seitdem auf seinen Fahrten begleitete. Sie starb 8. Okt. 1866 in Madrid.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 580Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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