Graziani (Luigi), Tenorsänger, Bruder des vorigen, geb. im Aug. 1823 in Fermo, sang meist auf ital. Bühnen, gab aber auch mit Erfolg Gastrollen in Paris (1858), London und Wien (1860). Er starb im Sept. 1869 zu Homburg. Graziani (Girolamo, Graf), ital. Dichter, geb. 1604 zu Pergola im Herzogtum Urbino, erhielt in Modena seine Erziehung, um sodann in die Dienste der Este zu treten. Franz I. ernannte ihn 1647 zum Sekretär seines Sohnes Alfons, mit welchem er sich nach Frankreich begab. Nach der Rückkehr wurde er zum Staatssekretär befördert und erhielt die Grafschaft Garzano im Herzogtum Reggio. Im J. 1664 zog er sich vom Hofe zurück und vermählte sich mit der Gräfin Lavinia Malegazzi. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er zurückgezogen an seinem Geburtsorte Pergola zu und starb daselbst 1675. G. nimmt als epischer Dichter eine hervorragende Stelle ein. Sein erstes Heldengedicht: «Cleopatray, in 13 Gesängen (Vened. 1632, 1670; Bologna 1652, 1653), hatte zwar wenig Erfolg; aber mit dem Conquisto di Granata in 26 Gesängen (Modena 1650, Neap. 1651; 2 Bde., Par. 1654, Bologna 1673; 2 Bde., Vened. 1789; Vened. 1825 u. öfter) war sein Ruf begründet. Der König von Frankreich, Ludwig XIV. E. h ihm zur Belohnung dafür eine ansehnliche jährliche Pension; die Zeitgenossen wiesen ihm die dritte Stelle unter den epischen Dichtern Italiens nach Ariost und Tasso an, obwohl das lyrische Element in seinem Gedicht allzusehr vorwiegt. Außer seinen zwei Heldengedichten schrieb er: «Rime (Parma 1621; Modena 1672 u. öfter), KLa Callistop (Par. 1654), II colosso sacro (Par. 1656), (Varie poesie e proses (Modena 1662), L'Ercole Gallicoo (Modena 1666) und ein Trauerspiel 4II Cromueles (Modena 1671).