FeedGuarini (Giovanni Battista)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Guarini (Giovanni Battista), ital. Dichter, geb. 1537 zu Ferrara, aus veronesischer Familie, stammte in vierter Generation von Guarino Guarini. Nachdem er zu Pisa und Padua studiert und an dem erstern Orte einige Zeit Vorlesungen gehalten hatte, trat er in die Dienste des Herzogs Alions II. von Ferrara, der ihn zum Ritter erhob und als Gesandten nach Venedig, zu Kaiser Maximilian II., zu Papst Gregor XIII. wie nach Polen sandte, wo er nach der Königskrone strebte. Für Mühen und Auslagen karg belohnt, verließ G. 1582 den Dienst, um sich ganz litterarischen Arbeiten zu widmen, nahm jedoch 1585 das ihm angebotene Staatssekretariat vom Herzog wieder an, ohne diesmal in seinem Dienstverhältnis befriedigter zu sein als früher, sodaß er wieder ausschied, sein Glück in Florenz, Turin, Venedig, Mantua, endlich in Rom versuchte, nach Hause zurückkehrte, aber es nach Herzog Alfons' Tode (1597) auch hier nicht aushielt. So begann ein neues unstetes Leben, das ihn wieder nach Florenz, nach Urbino und endlich in die Heimat zurückführte, welcher er zuletzt 1605 diente, indem er als ferrarischer Gesandter zu Papst Paul V. ging. Er starb 1612 zu Venedig. Unter seinen Gedichten ist am berühmtesten 4II pastor fido (Vened. 1590 u. öfter), ein Schäferdrama, welches Tassos Amintay den Rang streitig machte. Es wurde 1585 zum ersten mal zu Turin bei der Vermählung Karl Emanuels, Herzogs von Savoyen, mit Katharina von Osterreich aufgeführt,‚ nachher häusig auf die Bühne gebracht und fast in alle europ. Sprachen (deutsch von Arnold, Gotha 1815) übersetzt. Außerdem sind zu erwähnen sein in dialogischer Form abgefaßter «Segretariop (Vened. 1600), das Lustspiel La Idropicas (Vened. 1613), die Rimes (Vened. 1601) und WLetteres (Vened. 1600). Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgten Barotto und Apostolo Zeno (4 Bde., Verona 1737—38). Sein Trattato sulla libertà pubblicas, den er um 1599 schrieb, erschien zu Venedig 1818 zum ersten mal im Druck, zugleich mit G.s Leben von Ruggieri. Vgl. Cittadella, Guarini famiglia nobile ferraresed (Bologna 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 590Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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