FeedGrégoire (Henri, Graf)
ReligionBrockhaus 1882

Grégoire (Henri, Graf), Bischof von Blois, geb. 4. Dez. 1750 zu Veho unweit Luneville, machte sich zuerst durch einen von der Akademie zu Metz 1788 gekrönten Essai sur la régéneration des Juifso (Metz 1789) bekannt, der die toleranten Ideen des Zeitalters widerspiegelte. Als Landpfarrer zu Embermesnil in Lothringen wurde er von der Geistlichkeit des Bezirks Nancy 1789 zum Abgeordneten für die Generalstände gewählt, wo er bald als einer der eifrigsten Anhänger des atiers partiy wirkte und schon 14. Juni zu demselben übertrat. In den Tagen des Bastillesturms (13. bis 15. Juli) präsidierte er der Versammlung. Von den Gemeinden des Sprengels Blois nach den neuen Gesetzen über die Kirchenverfassung zum Bischof ernannt, war er der erste, der den Bürgereid leistete. Als Abgeordneter im Konvent trug er 1792 durch eine heftige Rede zu dem Beschlusse bei, der die Königswürde abschaffte und die Republik gründete. W das Komitee des öffentlichen Unterrichts gewählt, widersetzte er sich mit Eifer der Zerstörungssucht, die in der Schreckenszeit gegen Kunstdenkmale wütete, beförderte die Errichtung des Längenbureau und des Konservatoriums der Künste und Handwerke, die Errichtung von Provinzialbibliotheken und anderer dem Nutzen und der Aufklärung gewidmeter Institute. Er war dann Mitglied des Rats der Fünfhundert und kam in den Gesetzgebenden Körper. Nach dem Abschluß des Konkordats mußte er auf Befehl des Papstes sein bischöfl. Amt niederlegen. Später wurde er Mitglied des Senats und von Napoleon in den Grafenstand erhoben. Nach dem Sturze des Kaisers entwickelte er in der Schrift De la constitution française de l'an 18145 (Par. 1814; 4. Aufl. 1819) die Grundsätze, auf welchen die konstitutionelle Freiheit beruhen müsse. Im J. 1819 wurde er vom Depart. Isere in die Kammer gewählt. Die Royalisten gerieten darüber in die heftigste Bewegung, und es gelang ihnen, seine Ausschließung durchzusetzen. Seitdem lebte er ganz den Wissenschaften. Er starb 28. Mai 1831 zu Auteuil bei Paris. Von seinen Schriften verdienen noch Erwähnung: Mistoire des sectes religieuseso (2 Bde., Par. 1810; 2. Aufl., 5 Bde., 1828), Histoire du mariage des prétres en Francen (Par. 1826), De la traite et de L'esclavage des noirs et des blancso (Par. 1815), De la littérature des nègreso (Par. 1808; deutsch, Tüb. 1809), Essai historique sur les libertèés de L'église gallicane (2. Aufl., Par. 1826), De l'influence du christianisme sur la condition des femmes (Par. 1821). Seine Mémoirese gab Carnot mit einer biogr. Notiz (2 Bde., Par. 1839) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 326Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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