FeedGregor IX.
ReligionBrockhaus 1882

Gregor IX., Papst vom 19. März 1227 bis 21. Aug. 1241, vorher Ugolino, aus dem Geschlecht der Grafen von Anagni, ein Neffe Innocenz' III., war bereits achtzigjährig, als er auf den päpstl. Stuhl erhoben ward. Er hat den Rest seines Lebens an den großen Kampf zwischen Papsttum und Kaisertum gesetzt und alles gethan, um die Ideen Gregors VII. und Innocenz' III. zu verwirklichen. Als Kardinal hatte G. den Hohenstaufen Friedri 9II. zu Aachen gekrönt und ihm gleichzeitig das Versprechen eines Kreuzdugs abgenommen. Friedrich zögerte unter allerlei Vorwänden mit der Ausführung. Schon am dritten Tage nach seiner Weihung forderte G. die Ausführung des versprochenen Kreuzugs. Friedrich schiffte sich im Sommer 1227 in rindisi ein, landete aber schon nach drei Tagen wieder in Otranto wegen ausgebrochener Seuche und eigener Krankheit. G. sah darin bloßen Vorwand, that Friedrich 29. Sept. 1227 in den Bann und entband seine apulischen Unterthanen von der Pflicht des Gehorsams. Die Ghibellinen erregten in Rom einen Aufstand, sodaß der Papst nach Viterbo und später nach Perugia fliehen mußte. Friedrich trat 28. Juni 1228, obgleich gebannt, den Kreuzug an, und wiewohl der Patriarch von Jerusalem owie die Johanniter und Templer ihm im Auftrag des Papstes alle möglichen Schwierigkeiten bereiteten, schloß er schon Febr. 1229 mit dem Sultan Kamil von Agypten einen Vertrag ab, wodurch Jerusalem und Nazareth nebst einem bedeutenden Landgebiet an die Christen abgetreten ward, und setzte sich in der Kirche des heil. Grabes die Krone eines Königs von Jerusalem auf das Haupt. G. war erzürnt darüber, daß Friedrich den Kreuzzug unternahm, ohne vom Bann gelöst zu sein, erregte die lombard. Städte gegen ihn und versuchte Unteritalien zu erobern. Friedrich vertrieb nach seiner Rückkehr rasch die päpstl. Heere, und 1230 vermittelte der Deutschordensmeister Hermann von Salza eine Versöhnung der beiden Häupter der Christenheit. Friedrich wurde vom Bann gelöst und versprach, die Kirche nicht mehr zu schädigen. Der Friede dauerte jedoch nicht lange. Als Friedrich gegen die lombard. Städte mit aller Härte verfuhr und Sardinien, das G. als päpstl. Lehn in Anspruch nahm, seinem Sohne Enzio übertrug, sprach G. 1239 zum fünften mal den Bann über ihn aus. Friedrich aber eroberte Rom, wo G. 21. Aug. 1241 fast hundertjährig starb. Durch Raymundus de Pennaforte ließ G. aus den Entscheidungen der Päpste die fünf Bücher der Dekretalen sammeln (1234) als kirchliches Gegenstück der weltlichen Gesetzgebung Friedrichs II. Vgl. Balan, «Storia di Gregorio IX e dei suoi Friedrich II.y (4 Bde., Gött. 1859—65).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 329Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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