FeedInnocenz III.
ReligionBrockhaus 1882

Innocenz III., 1198—-1216, einer der hervorragendsten Kirchenfürsten, durch Verstand, Wissenschaft und Willenskraft gleich ausgezeichnet, erwarb sich um Befestigung der päpstl. Macht die größten Verdienste. Als Sohn des Grafen Trasimund aus dem alten Geschlecht der Conti in Anagni stammend, war J. 1161 geboren und in der Taufe othar genannt. Zu Paris, Rom und Bologna gebildet, gewann er gleichen Ruhm als Theolog, wie als Jurist. Rasch gelang es ihm, mit Hilfe eines Tuscischen Städtebundes Italien von der Gewalt der Deutschen zu befreien; im Kirchenstaat befestigte er die päpstl. Gewalt und führte in Unteritalien die Herrschaft als Vormund des unmündigen ach zu II. In Deutschlands Angelegenheiten ch zu mischen, gab die zwiespältige Kaiserwahl zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. (1198) J. erwünschten Anlaß. Anfangs hielt J. seine Entscheidung zurück, als aber Philipp von Schwaben fast den Sieg gewonnen hatte, erklärte er sich 1201 für den Welfen, Otto IV., knüpfte jedoch, als Philipp immer entschiedener Lir 1207 mit diesem Verhandlungen an. Nach Phi mordung (1208) versöhnte sich Otto mit dem Papst nd ward, nachdem er alle Forderungen bewilligt hatte, 1209 zu Rom zum Kaiser gekrönt. Als er jedoch anfing, auch kaiserl. Rechte in Italien geltend zu machen, die Mathildischen Besitzungen so- wie das Herzogtum Spoleto besetzte und Unteritalien erobern wollte, sagte sich J. von ihm los, sprach 1211 den Bann und die Absetzung über Otto aus und sandte Friedrich II. als Gegenkönig nach Deutschland, der 1215 gekrönt ward und Otto auf seine Erblande beschränkte. Philipp II. August von Frankreich, der seine Gemahlin verstoßen hatte, zwang J. 1200 durch Bann und Interdikt, sie wieder aufzunehmen. Noch größer war sein Triumph über Johann von England. Als dieser bei einer zwiespältigen Wahl eines Erzbischofs zu Canterbury die Entscheidung J.' nicht annehmen wollte, belegte dieser 1208 den König mit dem Bann, England mit dem Interdikt, und übertrug das Land an Philipp II. von Frankreich, bis Johann unter den größten Demütigungen das Land vom Papst zu Lehn nahm (1213). Noch größere Aussichten, aber geringe Vorteile brachte J. die Gründung des Lateinischen Kaiserreichs (1204). Nach innen richtete sich J.“ Thätigkeit besonders gegen die ketzerischen Albigenser der Katharer in Südfrankreich, gegen die er Kreuzzüge predigen ließ und die Inquisition bestimmter regelte. Ferner förderte J. die Gründung des Franiskaner⸗ und Dominikanerordens, verbot zugleich die Gründung neuer Orden. Gegen Ende seines Lebens (1215) hielt er eine glänzende (die vierte) Lateransynode, wo er die Lehre von der Brotverwandlung, der Entziehung des Abendmahlskelchs, sowie das Verbot des Bibellesens sanktionierte. Seine Schriften erschienen 1552 und 1575 in Köln, seine Briefe gab Baluze (Par. 1682) heraus. Vgl. F. 4 Bde., Hamb. 1834 — 42); Gasparin, «Innocent III (Par. 1873); Deutsch, «Papst J. III. und sein Einfluß auf die Kircher (Bresl. 1876); Schwemer, „J. III. und die deutsche Kirche während des Thronstreits 1198 — 1208 (Straßb. 1882). Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IX.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 609Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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