FeedGreuoble
ErdkundeBrockhaus 1882

Greuoble, feste Hauptstadt des franz. Depart. Isere und der ehemaligen Provinz Dauphiné, 121 km von Lyon, 633 km von Paris, ein alter und großer Ort, sehr schön gelegen in dem herrlichen, von schneebedeckten Bergen eingeschlossenen Alpenthale Graisivaudan, an der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn und der hier dreifach überbrückten Isere und unfern vom rechten Drac-Ufer, 213— 483 müber dem Meere gelegen, wird von diesem Flusse in zwei ungleiche Teile gespalten. Der Stadtteil St. Laurent auf dem rechten Ufer liegt zwi-Rach dem Flusse und dem 1057 m hohen Montachais eingeengt und besteht fast nur aus einer breiten Straße; der andere, La Bonne, der das linke, mit prächtigen Quais gezierte Ufer einnimmt, hat schöne und len Rangn gehaltene Straßen. G. ist eine Festung ersten Rangs, welche das Iserethal vollkommen beherrscht und deren Werke vom General Haxo 1832—36 mit einem ½½ von 16 Mill. Frs. erneuert wurden. Die Befestigun65• wurden 1880 in einen größern Umkreis gelegt. „besitzt schöne Promenaden, Quais, Boulevards, und die Umgebung gewährt eine Menge interessanter Ausflugspunkte, darunter die berühmte Chartreuse (s. d.). Unter den Gebäuden sind bemerkenswert die oft restaurierte Kirche St.Laurent aus dem 11. oder 12. Jahrh., mit einer ältern merkwürdigen Krypte, die Kirche Notre-Dame aus dem 10. bis 11. Jahrh., aber Konstruktionen aus allen Perioden des got. und roman. Stils aufweidiet „die Marienkirche des Ursulinerinnenklosters, ie Kirche St. André aus dem 13. Jahrh., mit dem Grabe des Ritters Bayard, der Justizpalast an der Stelle des alten Schlosses des Dauphin, von Ludwig XI. erbaut, von Ludwig XII. und Karl IX. restauriert und von Lesdiguieres, dem berühmten Gouverneur des Dauphine, erweitert. G. ist Sitz eines Bischofs, eines Appellhofs, eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Assisenhofs, eines Handels⸗ und dreier Friedensgerichte, einer Universitätsakademie von drei Fakultäten mit 16 Lehrstühlen. Außer dieser Akademie hat der Ort ein Lyceum, eine Artillerieschule, ein bischöfl. theol. Seminar, ein Kleines Seminar, eine mediz. Mittelschule, ein Lehrerseminar, sowie einen Normalkurs für Lehrerinnen, eine Taubstummenlehranstalt, eine Zeichen⸗ und Bauschule, einen botan. Garten, eine öffentliche Bibliothek von 170000 Bänden und 1500 kostbaren Manuskripten nebst einem Münz⸗ und Antiquitätenkabinett (11000 Münzen), ein neues Theater, eine Gemäldegalerie, verschiedene Museen und gemeinnützige oder gelehrte Gesellschaften verschiedener Art (für Kunst, Ackerbau, Statistik), ein Abattoir, bedeckte Märkte, einen schönen Stadtgarten, einen Square. Außerdem bestehen hier große Kasernen, ein Korrektions⸗ . ein Irrenhaus, ein Militärhospital, ein Ver1 und andere Wohlthätigkeitsanstalten. Die Stadt zählt (1881) 48 485 E. und der Mittelpunkt einer bedeutenden Handschuhfabrikation, in welcher sie selbst in 115 Fabriken 2000 Arbeiter und 20000 Näherinnen beschäftigt und jährlich 850000 Dutzend Handschuhe für 30 Mill. Frs. liefert. Sie hat 12 Lederfärbereien, 4 Gerbereien u. s. w. Außerdem bereitet man berühmte feine Liqueure, namentlich den geschätzten Ratafia (Gewürzbranntwein) und fabriziert Uhren, Seide und Seidenbänder, chem. Produkte, unterhält auch Strohhutfabriken, Hanfbereitungsanstalten, (14 Kämmereien), Cementfabriken, 4 Eisengießereien und Schmieden u. s. w. Die schiffbare Isere und die Eisenbahnen nach Lyon, Genf und Chambery unterstützen einen bedeutenden Handel mit den Liqueuren der Grande-Chartreuse, Hanf, Eisen, Holz, Käse von Sassenage und eigenen Fabrikaten. G., ursprünglich eine Stadt der Allobroger, Namens Cularo, erhielt von den Römern im J. 288 neue Mauern und wurde von Kaiser Gratian 379 unter dem Namen Gratianopolis bedeutend erweitert. Der Unterbau der Ringmauern von Diocletian und Maximian ist noch deutlich vorhanden. Von 375 an Bischofssitz, kam es im 5. Jahrh. an die Burgunder, 534 an die Franken, später an die Grafen des Dauphiné, welche die weltliche Gerichtsbarkeit lange mit dem Bischof teilten, und 1453 an die Krone. Ludwig XI. errichtete daselbst ein Parlament. G. war die erste bedeutende Stadt, welche im März 1815 Napoleon die Thore öffnete, mußte aber 9. Juli 1815 nach dreitägiger Belagerung an die Ssterreicher kapitulieren. Grenville, eins der bedeutendsten engl. Adelsgeschlechter, war dame unter Heinrich L. in der Grafschaft Bucking ham ansässig, blieb aber mehrere Jahrhunderte in der Dunkelheit des Landjunkertums, bis es durch die Heirat Richard G.s, Parlamentsmitglieds für Andover (gest. 17. Febr. 1724), mit Hester, Tochter Sir Richard Temples, 1 großem Reichtum und 5 65 Wichtigkeit geangte. Die Witwe Richard G.s erbte nämlich nach dem Tode ihres Bruders Richard Temple, Viscount Cobham, 1749 seine Titel und Güter (worunter das Schloß Stowe) und wurde bald darauf zur Gräfin Temple erhoben. Sie starb 6. Okt. 1752. — Ihr ältester Sohn, Richard G., Graf Temple, war 1757 Großsiegelbewahrer und zeichnete sich in den polit. Kämpfen jener Zeit erst als der Freund, dann als der Gegner Chathams aus, der seine Schwester Hester G. geheiratet hatte. Von einigen wird ihm die Autorschaft der Briefe des Junius (s. d.) zugeschrieben. Er starb kinderlos I1. Sept. 1779. George G., Bruder des letztgenannten, Minister Georgs III., geb. 14. Okt. 1712, erhielt seine wissenschaftliche Bi dung zu Cambridge und trat im Alter von 25 J. mit Erfolg als Sachwalter auf. Nach einer ausgezeichneten parlamentarischen Laufbahn, in der er sich der Regierung stets ergeben zeigte, kam er 1744 in das Admiralitätsamt, wurde 1747 Lord des Schatzes und 1762 nach verschiedenen Dienststufen erster Lord der Admiralität. Nach der Thronbesteigung Georgs III. folgte er im April 1763 dem Lord Bute als Haupt des Ministeriums. . dieser Stellung wurde er, wahrscheinlich unter Butes fortdauerndem Einfluß, der Urheber der Stempeltaxe, die den ersten Widerstand der nordamerik. Kolonien hervorrief. Auch kam unter seiner Verwaltung das Gesetz über das Verfahren bei streitigen Wahlen (Grenville act) zu Stande. Infolge der amerik. Händel trat er 1765 sein Amt an den Marquis von Rockingham ab und schrieb zu seiner Rechtfertigung: Considerations on the commerce and finances of England ete.ù (Lond. 1765). 1Er starb 13. Nov. 1770. Vgl. Smith, „The Grenville paperso (4 Bde., Lond. 1852—53). Thomas G., zweiter Sohn des vorigen, geb. 31. Dez. 1755, trat nach vollendeten Studien für die Stadt Buckingham, wo die Wahl von seiner Familie abhing, ins Parlament, mußte aber 1784 diesen Sitz aufgeben, weil seinen Verwandten die enge Verbindung mißfiel, in der er mit Foxr und den Whigs stand, die ihn 1782 nach Paris sandten, um mit Franklin und Vergennes zu unterhandeln. Erst 1790 gelang es ihm, seine Wahl in Abingdon durchzusetzen, worauf er, mit seiner Familie wieder ausgesöhnt, 1794 von neuem für Buckingham ins Parlament trat. Seit 1798 Mitglied des men Rats, erhielt er den Auftrag, den preuß. Hof zu einer neuen Verbindung gegen die franz. Republik zu bewegen. Er schiffte sich zu diesem Zwecke im strengen Winter 1799 ein, litt aber bei Neuwerk und seine Depen konnte nur mit Mühe sein Leben und seine Depeschen retten. Durch diese Verzögerung war ihm Sieyes, der franz. Abgesandte, in Berlin zuvorgekommen, sodaß seine Sendung durchaus keinen Erfolg hatte. In dem 1806 von seinem Bruder gebildeten Kabinett war er erst Präsident des ind. Amts, dann erster Lord der Admiralität, zog sich aber 1807 mit jenem zurück, da er ebenfalls die Emancipation der Katholiken unterstützte. Im J. 1818 legte er seinen Parlamentssitz nieder und widmete den Rest seines langen Lebens 917• Büchern und der Wohlthätigkeit. Er starb 17. Dez. 1846, nachdem er seine kostbare, aus 20239 Bänden bestehende Bibliothek, an der er 70 Jahre gesammelt, dem Britischen Museum vermacht hatte. William Wyndham, Lord G., der dritte Sohn George G.s, geb. 25. Okt. 1759, studierte, zu Eton und Oxford tüchtig vorbereitet, in London die Rechte. Nachdem er 1782 ins Unterhaus getreten, ging er mit seinem ältesten Bruder, dem Grafen Temple, nachherigen Marquis von Buckingham (s. d.), der um diese Zeit Lord-Lieutenant von Irland geworden, als dessen Sekretär nach Irland. Schon ein Jahr darauf verschaffte ihm Pitt das Amt des Generalzahlmeisters der Armee. Seine gründliche Kenntnis der Parlamentsverfassung veranlaßte 1789 seine Wahl zum Sprecher des Unterhauses. Im folgenden Jahre ward er zum Staatssekretär des Innern mit der Peerswürde ernannt und übernahm 1791 das Ministerium des Auswärtigen, in welcher Stellung er leidenschaftlichen Haß gegen die Französische Revolution zu Tage legte. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. gab er dem franz. Gesandten, Marquis von Chauvelin, sogleich den Befehl zur Abreise. Der Ausbruch des Kriegs und die unversöhnliche Politik, die das Kabinett gegen Frankreich entwickelte, waren fast mehr das Werk G.s als seines Kollegen Pitt. Er trat 1801 mit Pitt aus dem Ministerium. Nach Pitts Tode näherte er sich mit den übrigen gemäßigten Tories den Whigs und wurde durch Fox bewogen, an dem berühmten Koalitionsministerium von 1806 teilzunehmen, an dessen Spitze er sogar trat. Gleich nach Fox' Tode war indes in diesem, aus so Eder dien Elementen zusammengesetzten Kabinett über die Unterhandlungen mit Frankreich Uneinigkeit ausgebrochen. Da überdies G. mit Lord Howick (f. Grey) sich für die dem König widerwärtige Hatholit des Testeides und die Emancipation der Katholiken erklärte, so erfolgte 1807 die Auflösung der ganzen Verwaltung. Seitdem beschränkte G. seine Teilnahme am öffentlichen Leben auf die Wirksamkeit im Oberhause. Er starb 12. Jan. 1834 kinderlos auf seinem Landsitze Dropmore in Bucks. G. zeichnete sich auch durch seine gelehrten Kenntnisse aus. Schon 1800 veranstaltete er zu Oxford auf seine und seiner Brüder Kosten eine mit Anmerkungen versehene Ausgabe des Homer, der in seinen letzten Jahren eine Ausgabe des Horaz folgte, die aber nicht in den Buchhandel gekommen ist. Im J. 1804 gab er die Briefe des Grafen Chatham an seinen Neffen Thomas Pitt heraus; auch lieferte er in seinen Nugae metricaen (1806) übersetzungen altengl., ital. * Gedichte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 339Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6