Griechische Münzen nennt man die Münzen vom eigentlichen Griechenland, von den griech. Inseln und Kolonien in Kleinasien sowie von Sicilien und Großgriechenland (Unteritalien), welche sämtlich griech. Aufschriften haben. Sie zerfallen in drei Arten, nämlich: Städtemünzen, Münzen der hellenistischen Könige und die unter röm. Herrschaft geprägten. Die älteste Prägung griech. Münzen fand nach einer überlieferung um 700 v. Chr. auf der Insel Agina statt, und zwar waren diese Münzen von länglicheroder kugelförmiger Gestalt, hatten nur auf einer Seite eine bildliche Darstellung, während sich auf der andern Seite eine quadratförmige Vertiefung, das sog. quadratum incusum, befand, welches später durch Linien geteilt wurde. Auch waren diese ältesten Münzen aufschriftslos und nur vereinzelt kommt der Anfangsbuchstabe des Stadtnamens vor. Ihre Einfachheit ist vor allem durch die Typen charakterisiert, die wappenähnlich die Stadt oder das Land bezeichnen. So besindet sich z. B. auf den äginetischen Münzen eine Schildkröte, auf den böotischen ein Schild, auf den ephesischen eine Biene, auf den rhodischen eine Rose. Später wurden die Aufschriften vollständiger und neben dem Symbol oder Wappen des Landes oder des Prägeortes, welches meistens auf der Rückseite, also in das vertiefte Quadrat aufgenommen wurde, finden sich auf der Vorderseite auch schon die Schutzgötter der betreffenden Städte dargestellt. Diese ältesten griech. Münzen sind in Silber geprägt, goldene Münzen wurden zuerst in Kleinasien und zwar in Lydien, ferner in Persien geschlagen. Kupferne Scheidemünzen wurden erst gegen das Jahr 400 v. Chr. geprägt. Außerdem gibt es noch eine, namentlich von den griech. Kolonien in Kleinasien ausgegangene Art von Münzen, die aus gemischtem Gold und Silber (Elektrum) bestehen. Wenn auch die Typen der ältesten griech. Münzen schon hier und da von künstlerischer Schönheit sind, so erreichte die griech. Münzkunst doch erst ihre Vollkommenheit in der Zeit etwa vor Perikles bis zu Alexander d. Gr. Als Beispiele der Blüte der Prägekunst mögen hier besonders die Münzen von Korinth, Sicyon, Elis, Epidaurus, Hermione, Pheneos, Stymphalus, in Kleinasien die von Magnesia und Rhodus hervorgehoben werden. Zu den gelungensten Münzen der griech. Prägekunst gehören ferner die macedon. Münzen mit den Köpfen des Apollo oder des Herakles, die von vollendeter Schönheit sind, wie sie sich z. B. auf den Münzen von Amphipolis, der Chalcidice und von Philippi finden. Unter Alexander d. Gr. wurden zuerst die Götterköpfe Noe das Bildnis des Königs von der Vorderseite vordrängt, und wenn auch die Münzen Alexanders, sowie die seiner frühesten Nachfolger, der Diadochen, noch schön genannt zu werden verdienen, so läßt sich dagegen unter den Seleuciden und Lagiden ein stufenweises Sinken der Kunst, der Technik und des Metalls verfolgen. Einen teilweise noch höhern Aufschwung als in dem Mutterlande nahm die griech. Prägekunst in den griech. Kolonien, in Unteritalien und Sicilien. Es wurden viele und große Münzen geprägt, welche sich hinsichtlich ihrer Typen durch Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit auszeichnen. Vor allem sind hier die Dekadrachmen (Stücke zu 10 Drachmen) von Syrakus zu erwähnen, die als die größten und zugleich vollendetsten Muünzen des Altertums zu betrachten sind. Unter den großgriech. (unterital.) Münzen zeichnen sich durch Schönheit der Ausführung namentlich die der Städte Neapolis, Hyria, Tarent, Heraklea, Metapont, Thurii, Croton, Rhegium aus. Die unter den ersten röm. Kaisern in Griechenland und besonders in Kleinasien geprägten Münzen sind von großer Schönheit und besitzen hauptsächlich einen bedeutenden Reichtum an Typen, wie z. B. an Darstellungen der Lokalgottheiten und ihrer Mythen. Sie geben auch manchen Aufschluß von Kunstwerken, welche verloren gegangen sind und die nur nach diesen Münzen wieder hergestellt werden können. Im allgemeinen stehen dieselben jedoch, was Kunstwert anbelangt, tief unter den griech. Städte- oder Autonommünzen. Vgl. Friedländer und Sallet, «Das königl. Münzkabinett zu Berlino (2. Aufl., Berl. 1877); Werlhof, „(Handbuch der griech. Numismatik mit besonderer Rücksicht auf deren Litteraturo (Hannov. 1850).