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ErdkundeBrockhaus 1882

Griechenland (geographisch⸗-statistisch). Das Griechenland der antiken Welt nach seinem eogr. Begriffe, oder Hellas im weitern Sinne von Kolonialgriechenland abgesehen), wird von der Halbinsel gebildet, die, südlich von Macedonien und Illyrien, vom 40.“ bis zum 36. nördl. Br. zwischen dem Agäischen Meere im O. und dem Jonischen im W., d. h. zwischen dem 37.“ und 42.5 östl. L. (von Ferro) sich in der Richtung von N. nach S. in das Mittelländische Meer hinein ertreckt; dazu kommt dann noch eine Masse von Ineln. Die Halbinsel ist durchaus Gebirgsland, d. ie Gebirge erscheinen im wesentlichen nicht als Begrenzung der Ebenen, sondern die Thäler und Ebenen als Furchen oder vertiefte Becken zwischen den Gebirgsmassen, oder als Küstenebenen, die sich, oft durch Anschwemmung an den Flußmündungen gebildet, an den Fuß der Gebirge angesetzt haben. Verhältnismäßig häufig sind die rings von Randgebirgen umschlossenen, daher, weil die einströmenden Gewässer keinen ausreichenden Abfluß haben, zum Teil von Landseen bedeckten Tiefebenen, wie sie in größerer Ausdehnung im innern Thessalien, Böotien und Atolien, in geringerm Umfange mehrfach, besonders in Epirus und Arkadien erscheinen. Der Charakter des Gebirgssystems, das in den höchsten Gipfeln des Lakmon, Tymphrestos, Korax, Parnassos, Kyllene und Taygetos sich bis zur Höhe von 2300—2500 meerhebt, . ganz der der übrigen Gebirge der illyr. Halbinsel: wie diese besteht es hauptsächlich aus Granlich oder gelblichweißem dichten Kalkstein der Kreideformation, welcher in schroffen Formen emporsteigt, große Einsenkungen, Höhlen und Thalkessel bildet, seltener weite Thalflächen und große Längenthäler. Augenscheinlich hat sich dieses Gebirge und mit ihm das ganze Land nebst einem Teil der umliegenden Inseln durch schnelle Erhebung aus dem Meere gebildet. Dieses beweist die große Zerklüftung desselben und sein häufiges und nae Lan Hineintreten ins Meer, wodurch eine Menge Landzungen und Meerbusen entstehen, sowie die vulkanischen Spuren, die sich vereinzelt auf dem Festlande, häufiger auf den dasselbe umgebenden Inseln (von denen einzelne, wie Melos, Kimolos und Thera ganz vulkanisch sind) vorfinden. Infolge seiner Bodengestaltung zerfällt G. in drei Hauptteile: das kontinentale G., den fast eine vollkommene Insel bildenden Peloponnes, und die beide umgebenden Inseln. Das erstere (dessen südl. Hälfte auch Hellas im engern Sinne genannt wird) wird hauptsächlich in seiner physischen Gesphen, bestimmt durch ein mächtiges Gebirgsystem, welches, mit den illyr. Gebirgen zusammenhängend, das Land in der Richtung von NNW. nach SSO. durchzieht, mannigfache Seitenketten bis ins Meer hinein aussendet, verschiedene Halbinseln bildet, zuletzt im S. nach dem Meerbusen von Korinth und nach dem Saronischen abfällt. Nur ein schmaler und niedriger Felsdamm, der sog. Isthmus oder die Landenge von Korinth, verbindet dann das Festland mit dem Peloponnes. Hierdurch entsteht eine dreifache Gliederung des kontinentalen G., welches von der See her durch zahlreiche Golfe und Buchten ebenfalls reich gegliedert wird. Der erwähnte, von NNW. herkommende Kabiegszag; welcher mit seinem Eintritt in G. die Namen Lakmon, dann Pindos annimmt, entsendet sce sogleich als Seitenkette nach O. die Kambunichen Berge, welche, im Olympos endigend, Thessalien von Macedonien trennen. Viel weniger bestimmt scheiden im W. die Keraunischen Berge, welche in das Akrokeraunische Vorgebirge beim heutigen Meerbusen von Aplona auslaufen, Epirus von Illyrien. Eine tiefe, vom Peneios (jetzt Salamvria) durchströmte Schlucht (das Tempethah scheidet den südl. Fuß des Olympos vom nördlichen des Ossa (eetzt Kissawos oder Kissovo), welcher durch eine Reihe niedriger Hügel (jetzt Mavrowuni) mit dem Peliongebirge (etzt Plessidi) zusammenhängt; dieser Gebirgszug bildet die Halbinsel Magnesia, die mit ihrem nördlichern Teile die östl. Flanke Thessaliens deckt, mit dem südlichern den Pagasäischen Meerbusen (ietzt Golf von Volo) im O. und SO. f umschließt. Der Pindos geht ziemlich genau in der Mitte des Landes, in der Richtung von N. nach r S., bis zum 39. nördl. Br., wo er die Kette des Othrys nach O. aussendet, die hier in die Landzunge zwischen dem Malischen Meerbusen (dem heutigen Busen von Zeituni) und dem Pagasäischen ausläuft. Die nordöstlichsten Verzweigungen des Othrys begegnen den westl. Ausläufern des Pelion, sodaß der große Thalkessel Thessaliens entsteht, der vom Peneios durchströmt wird. Auf der westl. Seite von Nordgriechenland dagegen tritt das Jonische Meer unter demselben Breitengrad wie der Othrys im Golf von Ambrakia (jetzt dem von Arta) tief in das Land hinein und Rff so im S.. Epirus, das östlich von diesem Golf durch das Acheloosthal mit dem westl. Teile Mittelgriechenlands (Akarnanien und Atolien) in Verbindung steht. Von dem Tymphrestos (ietzt Veluchi) ziehen sich südwestwärts Bergketten zum Acheloos. Südlich vom Ausgangspunkte des Othrys wendet sich die Hauptkette des Pindos, indem sie südlich nach dem korinthischen Golf den Korax (jetzt Vardusia) sendet, der das mittlere Griechenland in eine östl. und westl. Hälfte teilt, nun südöstlich und spaltet sich in zwei Ketten, in die des Ota (jetzt Katawothra) und in die des Parnassos (lietzt Liakura) mit dem Helikon (jetzt Zagorä), von denen die erstere mit dem Othrys das Thal des Spercheios (des heutigen Hellada), dann aber vom Engpaß von Thermopylä an den Kallidromon, den nordöstl. Abhang des mittlern G. nach der von den Fortsetzungen des Kallidromon begrenzten Meerenge von Euböa bildet, während die letztere, der Parnassos mit dem Helikon, den Südabhang des mittlern G. nach dem Korinthischen Meerbusen und mit jener östl. Fortsetzung der Stakette ein Binnenthal bildet, das des Kephissos (des heutigen Mavroneron), der sich in den Kopaissee (den heutigen See von Topolias) ergießt. Südöstlich von diesem Binnenthal treten die beiden Bergketten wieder zusammen und versperren dem Kopaissee so den offenen Ausfluß ins Meer, dann gehen sie in den Kithäron (jetzt Elategs und Parnes (jetzt Ozia) über und dachen sich endli im Brilessos (Pentelikon, jetzt Mendeli), Hymettos (ietzt Trelovuno) und dem Lauriongebirge, in der Südostspitze des mittlern G., im Vorgebirge Sunion (dem heutigen Kap Kolonnaes) endigend, südöstlich nach dem Agäischen Meere, südwestlich im Agaleos und Korydallos nach dem Saronischen Busen (jetzt der von Agina genannt) ab, während sie weiter U5 in Megaris in der Kette der Geraneia (Makryplagi) gegen den Isthmus von Korinth abfallen. Zwischen den Kambunischen Bergen, dem Pindos, dem nx. Pelion und Ossa liegt Thessalien; ihm westlich gegenüber zwischen den Keraunischen Bergen, dem Nindos und dem Ambrakischen Busen nebst den daranstoßenden Gebirgen dagegen Epirus und südlich davon das mittlere G. mit Akarnanien, Atolien, Doris, dem östl. und westl. Lokris, Phokis, Böotien, Megaris und Attika. Der andere Hauptteil G.s, der Peloponnes, ist ebenfalls fast durchaus Gebirgsland. Den Kern desselben bildet ein großes Hochland (Arkadien), dessen Randgebirge im N. und W. in den Landschaften Achaja und Elis in terrassenförmigen Stufen zu den ebenen Küstensäumen herabsteigen, im O. und S. dagegen sich in selbständigen Bergketten fortsetzen und dadurch vier besondere Halbinseln (die argolische, die östlichere und westlichere lakonische, und die messenische) bilden, welche dem Peloponnes seine eigentümlich ausgezackte Gestalt, die schon alte Geographen mit der des Blattes einer Platane verglichen haben, geben. Den dritten Hauptteil G.s bilden die Inseln, welche teils in unmittelbarer Nähe, teils in größerer Ferne um G. sich ausbreiten und teils durch Hebung, teils durch Losreißen von dem Festland, teils wohl auch in der Urzeit bei dem Durchbruch der Pontischen Gewässer nach der Gegend, die jetzt das Agäische Meer ausfüllt, entstanden sind. Zu den gehören unter andern die Jonischen Inseln im W., Kythera im S., Hydra und Spetzä, Agina und Salamis, Euböa im O.; zu den letztern Kreta und die sämtlichen Inseln des Archipelagus, insbesondere die Kykladen und Sporaden. Neben den Gebirgen und dem Meere spielen die Flüsse eine unbedeutende Rolle in der Bodengestaltung G.s, da keiner von ihnen eigentlich schiffbar ist und die meisten bloße, in der Regenzeit anschwellende, im Sommer gänzlich austrocknende Gießbäche sind. Außer den schon angeführten, dem thessalischen Peneios, Spercheios, A eloos und Kephissos, sind nur noch der Eurotas, Pamisos, Alpheios und der elische Peneios im Peloponnes zu erwähnen. Das Gesamtareal G.s in der oben angenommenen Ausdehnung beträgt ungefähr 88 000 qkm, wovon 53 500 auf das Festland, ziemlich 22000 auf den Peloponnes, der Rest auf die Inseln kommen. (Hierzu Karte: Das alte Griechenland.) Das Klima Ges ist bei der verschiedenen Höhenlage des Landes sehr verschieden; während es in den hohen Gebirgsgegenden und nebelreichen Sumpfthälern sehr rauh ist, zeigt es sich in den niedern und tiefern Gegenden sehr mild, und zwischen beiden äußersten Punkten gibt es eine Menge Abstufungen in der Mitte. Im ganzen kann man sagen, daß das griech. Klima etwas kälter ist als das der westlichen, unter gleichem Breitengrade liegenden Länder des Mittelländischen Meers. Doch kennt man wenigstens in den tiefern Gegenden keinen eigentlichen Winter mit Eis und Schnee, er besteht bloß in einer Regenzeit (als schlimmster Monat gilt der Februar), während in den Sommermonaten, von Anfang Juni bis Ende August, außer in den höchsten Gebirgen, kein Tropfen Regen fällt und bei glühender Hitze immerwährend der reinste 55 herrscht. Daher kommt es, daß Trockeneit das griech. Klima, Dürre den griech. Boden, bamerllih in den entwaldeten Kantonen, charakterisiert, und daß im Sommer fast alle Vegetation verdorrt und die meisten Flüßchen austrocknen. Nur der Thau erhält die Vegetation dann noch in etwas, und nur die regelmäßig täglich abwechselnden Land⸗ und Seewinde mäßigen die Hitze, die in den von Randgebirgen umschlossenen Kesselthälern, wohin diese Winde nicht dringen können, fast unerträglich ist. Dagegen gewahrt man nirgends in gleicher Breite eine durchsichtigere, trockenere Luft, eine tiefere Bläue des Himmels und größern Glanz der Farben an den Gegenständen und in den Luftreflexen. Nicht minder schön ist das in mannigfaltigen Busen in das Land einschneidende und die besten Häfen bildende Meer. Was die Rorin und die Fauna Gis betrifft, so haben sie (die Korinthenstauden ausgenommen) keine hervorstechenden Eigentümlichkeiten und kommen im allgemeinen jetzt ganz mit denen des Beckens des Mittelländischen Meers, insbesondere denen von Italien und Spanien überein. In oryktolog. U sind außer den jetzt wieder angebauten Silbergruben des attischen Lauriongebirges und der hewo Siphnos besonders die vielen Marmorbrüche hervorzuheben, von denen die des attischen Brilessos (Pentelikon) und der Insel Paros den besten weißen, die des attischen ymettos bläulichen, die des Ocha bei Karystos auf Euböa bläulich geäderten (marmo cipollino), die am Kap Tänaron in Lakonien roten (rosso antico), die von Krokeä in Lakonien und auf der Insel Tenos grün⸗ und schwarzgefleckten (Verde antico) Marmor liefern. Man sieht also in G. einen Erdstrich von dem ausgeprägtesten geogr. Charakter, durch hohe Gebirge gegen das Ausland abgeschlossen und in sich selöst getrennt, dagegen durch die das Land überall umgebende See unter seinen eigenen Teilen und mit dem Auslande verbunden, auf einer Stelle gelegen, die nicht geeigneter sein konnte, um einen Vermittelungspunkt zwischen den Kulturstaaten des Orients und Occidents zu bilden, mit einer schönen, nicht üppigen Natur und mit den verschiedenartigsten klimatischen und Bodenverhältnissen, vorherrschend aber Huawit die ein Leben im Freien begünstigen. Die Rückwirkung so bestimmter Verhältnisse mußte auf den Charakter des das Land bewohnenden Volks eine sehr aus ½ sein. Bis auf die Gegenwart charatteristich blieb in G. auf Grund der Landesnatur der Gegensatz zwischen dem Hirtenleben in den Gebirgen, dem Gutsherrentum in den reichern Niederungen und dem Seeleben der Küstenvölker. Der Zug zur See hat sich stets höchst mächtig erwiesen, wie andererseits das vielgeteilte Land stets zahlreiche Städte, daneben aber einen außerordentlich starken Zug zum Partikularismus erzeugt hat. Unter dem Einflusse der den Charakter des Landes bestimmenden Verhältnisse offenbart ach in beiden Perioden des griech. Altertums, der achäischen und der hellenischen Zeit, der dem griech. Volke eigentümliche Sinn, welcher sich in feiner Auffassung, verständiger Beurteilung und geschickter unseese der äußern Gegenstände und Verhältnisse ausspricht, die plastisch gestaltende Phantasie und die Empfänglichkeit der Griechen für sinnliche Schönheit. Ebenso Vet als eine Folge der von der Natur gegebenen Verhältnisse durch beide Perioden der Grundzug der Trennung der zahlreichen Stämme und Staaten, sowie der mannigfaltigsten Verschiedenheit ihrer Kulturstufen. Nicht minder spricht sich in beiden gemeinsam die wachsende Neigung der Griechen zum Leben auf der See aus, und teils infolge der Natur des Landes, teils infolge des angeborenen Volkscharakters dieselbe Mäßigkeit im Genuß von Speisen und Getränken, verbunden mit großer Neigung zum heitern, farbenreichen Lerde Menge So findet man in beiden Perioden eine Menge kleiner Staaten, nur durch gemeinsame Sitte und das erst allmählich sich entwickelnde Nationalbewußtsein gegen außen verbunden, im Innern aber einander häufig bekriegend und unterjochend. Man findet den Dienst und die Verehrung derselben Gottheiten und einen sinnlich-heitern Kultus; Monogamie, aber nicht mit gleicher Berechtigung des Weibes, und Gestattung von Beischläferinnen; das Prinzip der persönlichen Freiheit bei den Freigeborenen und eine Neigung zu einer reichen Gestaltung des Lebens, welche mehr noch den Genuß als die Arbeit sucht. Doch Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. sehr verschieden modifizieren sich diese Grundzüge in den beiden Perioden. Als unterscheidendes Merkmal zwischen beiden muß gelten, daß in der achäischen Zeit alle jene Grundeigentümlichkeiten noch mehr unbewußt im Charakter des Volks ruhten und durch gewisse herkömmliche Gebräuche und sittliche Zustände gebunden waren. So findet man in der ältern Zeit in öffentlichen wie privaten Verhältnissen durchgehends einen patriarchalischen Zustand, in dem sich die einzelnen Organe des Staats und der Familie noch nicht gesondert zeigen, noch nicht besondere Rechte erworben haben. Daher das Bestehen von Königen, die gemeinschaftlich mit den Altesten und Angesehensten des Stammes nach altem Brauch die öffentlichen Angelegenheiten ordnen, Recht sprechen und den Befehl im Kriege führen; —— der Mangel aller Gliederung und Verschiedenheit der Rechte der Freigeborenen und die einzige Unterscheidung des Volks in Freie und in Unfreie, welche aus Unterjochung und Gefangennehmung hervorgegangen, oder aber gekaufte Sklaven waren. In privater Beziehung aber findet man ein unbedingtes Vorwiegen des Familienlebens, somit eine größere Bedeutung der Frauen und ihres Einflusses auf das ganze Leben, die Besorgung aller häuslichen Geschäfte durch die Frauen, die größte Heiligkeit aller Verhältnisse der Pietät, sowohl zwischen dem Menschen und der Gottheit als auch zwischen den Menschen selbst, insbesondere den Verwandten; ferner ein patriarchalisches Verhältnis zwischen Herren und Knechten und die ausgedehnteste Gastfreundschaft. Gewerbe und Künste stehen noch auf einer ziemlich niedrigen Stufe der Entwickelung und zeigen eine nicht unbedeutende Abhängigkeit von den in dieser Beziehung weiter Dmm Phontrtern. Völkern der Levante, besonders en Phöniziern. Betrachtet man dagegen den Zustand der Griechen in der hellenischen Zeit, so treten im Gegensatze zu der achäischen Zeit und noch —. zu der Kultur der asiat. Völker die dem griech. Wesen eigentümlichen Züge in voller, bewußter Entwickelung hervor, die 0 in allen Verhältnissen des Lebens und in allen Bethätigungen des Geistes ausspricht. Fast aller Einfluß des Familienlebens auf das öffentliche hat aufgehört, und die öffentlichen Verhältnisse bestimmen das ganze Leben. Daher das Zurücktreten der Häuslichkeit und der damit in Verbindung stehenden sittlichen und gemütlichen Verhältnisse; die niedrigere Stellung des Weibes und dafür später (namentlich mit dem 6. Jahrh.) das Emporkommen der Hetären und der Knabenliebe, welche die ältere Zeit nicht kannte. Ebenso aben sich die Verhältnisse der Individuen zur ffentlichkeit nach Herkunft, Geburtsort und Beruf aufs mannigfaltigste in den einzelnen Staaten gegliedert. Man findet eine ganze Stufenleiter von streng bestimmten Berechtigungen (Herrenstand und Gemeinfreie, Voll⸗ und Halbbürger, Schutzverwandte und Hintersassen, Leibeigene oder Hörige und Sklaven), welche nach und nach aus den ur-Der emnuedrn Verhältnissen der Urbevölkerung und er eingedrungenen Eroberer oder der hinzugekommenen Einwanderer sich herausgebildet haben, und [welche wiederum die größte Mannigfaltigkeit der Staatsverfassungen zur Folge gehabt haben. Von der entschiedensten Oligarchie bis zur zügellosesten Demokratie (nur immer auf der Unterlage der Sklaverei) findet man Verfassungen in allen Abstufungen, je nachdem das eine oder das andere Element im Staate überwiegend war. Nirgends hat überhaupt die Staatskunst in planmäßiger Gestaltung der Verfassungen sich mehr versucht als in den griech. Staaten. Mit der Mannigfaltigkeit der staatsrechtlichen Gesetzgebung mußte auch die Entwickelung der privatrechtlichen Hand in Hand gehen, obschon diese in G. nicht zu der hohen Bedeutung gelangte wie in Rom. Der wesentliche Unterschied aber des öffentlichen Lebens der hellenischen Periode ist der, daß hier seit Mitte des 8. Jahrh. v. Chr. die monarchisch-patriarchalische Regierungsweise allgemein der republikanischen Platz gemacht, und zwar dem Wesen nach auch da, wo Könige noch dem Namen nach bestanden, wie in Sparta. In der Litteratur, der Kunst und der Religion Em sich in dieser Periode der griech. Geist zu einer hohen Stufe und zu großem individuellen Gestaltungsreichtum entwickelt. Nach Seiten der Gewerbe scheiden sich liberale Gewerbe, die ein Freigeborener treiben darf, von denen, welche nur von Sklaven geübt werden. Dieser Unterschied war indessen nach dem Kulturzustande der einzelnen Staaten schwankend. In denen, wo die polit. Interessen allen andern vorstanden, wie in Sparta, galten nur Jagd⸗ und Kriegsübung und die Beschäftigung mit den Staatsangelegenheiten eines Vollbürgers für würdig. Durch solche Steigerung des sozialen Zustandes der Freien mußte an vielen Stellen die Lage der Leibeigenen und Sklaven desto mehr herabgedrückt werden. Das patriarchalische Verhältnis zwischen Herren und Sklaven verschwand in den entwickeltern Staaten mit großer Handels⸗ und Dsedentt natürlich fast ganz. Wie durch die Verschiedenheit der Verfassungen in politischer, so hatte sich auch durch die Verschiedenheit der Lebens- und Gewerbsweise in sittlicher und sozialer Beziehung eine große Mannigfaltigkeit herausgebildet. Es gab daher Staaten, in denen das Bauern⸗ und Hirtenleben vorwaltete und die auf einfacherm Kulturstandpunkte geblieben waren, wie Arkadien; andere, in denen Handel und Industrie dominierten, wie Milet, selbst Athen, Agina, Korinth; wieder andere, welche sich zu Kriegerstaaten ausgebildet hatten, wie vorzugsweise Sparta. Bei den meisten waren jedoch diese Verhältnisse gemischt. Wo, wie in Athen und in manchen Insel⸗ und Seestaaten, diese Mischung den lebhaftesten Verkehr und die wohlthätigste Reibung hervorbrachte, da gelangte die griech. Kultur zur schönsten Blüte. Wo dagegen Abgeschlossenheit und einförmige Lebensweise, wie im innern Peloponnes und Nordgriechenland, herrschten, wo der Einfluß barbarischer Völker und die Mischung mit ihnen wirkte, wie namentlich in Epirus und Macedonien, da blieb sie am meisten urück und gab einen auffallenden Gegensatz ab zu jener hohen Entwickelung. Litteratur. Mannert, «Geographie des nördlichen G., des Peloponnes und der Inseln des Archipelaguso (Opz. 1822); Kruse, «Hellasv (2 Bde., Lpz. 1825 —27); Leake, Travels in the Morea (3 Bde., Lond. 1830; mit Nachtrag: KPeloponnesiaca, 1846); derselbe, Travels in Northern Gréeeceo (Lond. 1835); Hoffmann, «G. und die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 351Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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