Großenhain, früher auch bloß Hain genannt, Stadt in der Kreishauptmannschaft Dresden des Königreichs Sachsen, an der Röder, Knotenpunkt der Linien Berlin-Dresden und G.⸗Cottbus der Preußischen und Priestewitz-G. der Sächsischen Staatseisenbahn, ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Amtshauptmannschaft, einer Bezirksschulinspektion und zählt (1880) mit der Garnison 11045 E. (darunter 190 Katholiken), deren Erwerbsquelle hauptsächlich in der sehr ansehnlichen Fabrikindustrie besteht, die sich besonders auf Wollspinnerei, Tuch⸗ und Buckskinfabrikation erstreckt; außerdem bestehen Fabrikation von Strickgarn, Blechspulen, Strumpfwaren, Cigarren, Maschinen, Ledertuch, Wachstuch, Kupferwaren und Filzdruckereien. In G. wurden 1743 das Sächsische oder Hainer Grün und der blaue Karmin oder das Sächsische Blau durch den Advokaten J. Chr. Barth erfunden. Die ansehnlichen Gebäude mehrerer sehr bedeutenden Etablissements sowie die hübschen, die Stadt umgebenden Anlagen (an Stelle der frühern Stadtmauer und Wallgräben), sowie der seit 1877 neu angelegte Stadtpark tragen wesentlich dazu bei, das moderne Ansehen der Stadt zu erhöhen, das sie infolge des regelmäßigen Aufbaues nach dem großen Brande am 8. Juli 1744, bei welchem nur 43 Häuser verschont blieben, gewonnen hat. Von öffentlichen Bauwerken sind die 1748 vollendete Hauptkirche, drei Schulhäuser für die Volksschule, eins für die Realschule, das 1873 abgebrannte, 1876 neugebaute Rathaus, das Amtsgericht, das Krankenhaus, das Armenhaus und die großen Kasernen zu erwähnen. Im Rathause befindet sich die von Rentamtmann Preusker 1828 gegründete, gegen 5000 Bände umfassende Stadtbibliothek. Eine auch von Preusker 1839 gegründete Kleinkinderbewahranstalt, eine gewerbliche Sonntagsschule (1830) und ein 1832 gegründeter Gewerbverein sind in neuerer Zeit wiederhergestellt worden, erstere unter dem Namen Amalien-Stiftung. G. wird schon im 10. Jahrh. als Stadt erwähnt und war im Mittelalter, wo es zu Böhmen gehörte, stark befestigt. Nachdem es an Meißen gekommen, residierten in dem dortigen Schlosse zuweilen die Brüder Friedrich der Gebissene und Diezmann; 1312 kam es auf vier Jahre an Brandenburg. Als 1540 das dortige Nonnenkloster aufgehoben werden sollte, steckten die Nonnen dasselbe der Sage nach 6. Juli in Brand. Es brannten damals drei Vierteile der Stadt nebst dem Schlosse ab, welches letztere wieder aufgebaut wurde und jetzt als Fabrikgebäude dient. Die Ruinen der Klosterkirche stehen noch. Abgesehen von den Fehden des Mittelalters, den Verwüstungen durch die Hussiten 1429, litt die Stadt besonders im Dreißigjährigen, im Siebenjährigen und noch mehr 1706 im Nordischen Kriege. Am 16. Mai 1813 kam es in G. zu einem Gefecht mit den Franzosen.