Großwardein (ungar. Nagyvärad), königl. Freistadt, Hauptstadt des Komitats Bihar in Ungarn, in einer schönen Ebene an dem Körösflusse, Knotenpunkt der Alföld-Fiumaner und der Linien Czegled-G. und G.⸗Kronstadt der östl. Ungarischen Staatseisenbahn, in früherer Zeit Festung, besteht aus dem eigentlichen G. und den drei Vorstädten Värad-Olaßi, Värad-Velencze und Väralja, eine der schönsten ungar. Provinzialstädte. Die beiden Domkirchen, von denen eine die Reliquien des heil. Ladislaus (s. d.) enthält, der röm.⸗kath. bischöfl. Palast und das Komitatshaus mit dem neu erbauten, nach dem pennsylvan. System eingerichteten, 150 Zellen haltenden Gefängnis sind die wichtigsten Gebäude. G. ist der Sitz eines römisch⸗ und eines griechisch-kath. Bischofs, der Komitats⸗ und anderer Behörden und hat eine theol. Lehranstalt, eine königl. Rechtsakademie, ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine höhere Mädchenschule und vier Frauenklöster mit Mädchenschulen. Die (1880) 31324 Seelen starke, meist magyar. Bevölkerung betreibt verschiedene Gewerbe (bedeutende Töpferei) und Landwirtschaft (besonders Weinbau). Merkwürdig sind die in der Nähe befindlichen Marmorbrüche und die 7 Km von G. bei dem Dorfe Hajo liegenden sog. bischöflichen oder feliciänischen Bäder. Zu G. wurde 24. Febr. 1538 zwischen Ferdinand J. und Johann Zapolya Frieden geschlossen. Die Stadt kam 1556 an Siebenbürgen und wurde 1598 von den Türken vergebens belagert, 27. Aug. 1660 aber eingenommen und durch den Vasvärer Frieden diesen überlassen. Erst 5. Juni 1692 nahmen sie die Osterreicher wieder. Als im Laufe der Revolution von 1848 bis 1849 die ungar. Regierung nach Debreczin flüchtete, wurden Banknotenpresse, Gewehrfabrik, Archive u. s. w. nach dem nur 45 km entfernten G. verlegt und dieses derart zur zweiten Hauptstadt des Landes improvisiert. Vgl. G. und seine Umgebungo (Großward. 1872).