FeedGruner (Wilh. Heinr. Ludw.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gruner (Wilh. Heinr. Ludw.), ausgezeichneter Kupferstecher, geb. 24. Febr. 1801 zu Dresden, hatte in der Kupferstecherkunst G. E. Krüger zum Lehrer. Nach einem Aufenthalte in Prag, wo er sich an Führich anschloß, wandte er sich nach Leipzig, wo ihn einige Buchhändler beschäftigten. Im J. 1825 besuchte er Italien, wo er an der Mailänder Akademie unter Longhi und P. Anderloni seine Studien begann. Ein Stich nach einem Gemälde von Velasquez (span. Hirt) erwarb ihm ein Reisestipendium auf mehrere Jahre. Im J. 1828 machte G. eine Reise nach Frankreich und Spanien, die sich bis nach Madrid erstreckte, 1832 kam er nach Deutschland und begab sich dann nach England und Schottland, wo ihn besonders Madonnen von Rafael, sowie die Aussetzung Mosis nach Murillo aus den Sammlungen zu Blenheim und des Herzogs von Devonshire beschäftigten. Nach seiner Rückkehr nach Italien verweilte er in Mailand und Brescia und stach das Porträt des Giulio de' Medici, den Moses nach Murillo, das Pax Vobiscum nach Rafaels Bilde beim Grafen P. Tosi und anderes. G. wandte sich 1837 nach Rom, wo er hauptsächlich nach Mare Antonio studierte und fünf Jahre verweilte. Er fertigte hier die Platten zu &I mosaici della capella Chigio (Rom 1839) und zu den Fresken im Saale des Heliodor, sowie die Tafeln des Atlas zu Passavants «Rafael von Urbino (1839). Auch stach er mehreres nach Overbeck. Im J. 1841 reiste G. abermals nach England, um Zeichnungen nach den endes Bui Cartons in Hamptoncourt in der Größe des Originals auszuführen. Nachdem er hier das Prachtwerk Decorations and stuccoes of churches and palaces of Italyo (Par. u. Lond. 1844; 2. vermehrte Ausg. 1854, 56 Tafeln in Großfol.) herausgegeben, schmückte er den Pavillon im Garten des Buckingham-Palastes im Stile der Italiener des 16. Jahrh. aus, dessen Dekorationen er in einem Kupferwerke (Lond. 1846, 15 Bl. in Fol.) veröffentlichte. Hierauf stach er zu London die Platten zu 4I freschi nella cappella della villa Magliana (Lond. 1847, 5 Tafeln Fol.), stellte das Prachtwerk «Specimens of ornamental arto (Lond. 1850, 80 Bl. in Großfol.) zusammen und veröffentlichte in der Folgezeit noch das Werk The caryatides from the Stanza dell' Eliodoro in the Vaticano (Lond. 1852, 16 Bl. Fol.). Daneben arbeitete er auch einzelne Blätter und stach die Kupferatlanten zu Layards Werken über Ninive. In den J. 1854 — 56 leitete er die Dekoration des neu erbauten Flügels von Buckingham-Palace, sowie w1855 -56 auch die Anlage der Gärten und die Ract innere Ausschmückung des Schlosses Osborne. Nachdem G. in England noch den Stich der Madonna de' Ansidei aus Blenheim beendet, folgte er einem Rufe an das Museum zu Dresden, wo er auch 1858 Professor der Kupferstechkunst an der Akademie wurde. Um diese Zeit veröffentlichte er das Prachtwerk »Die Basreliefs an der Vorderseite des Doms zu Orvieto (mit Text von E. Braun, Lpz. 1858, 83 Bl. in Fol.) und das für die Kunstgeschichte wichtige Lo Scafkale; or, Presses in the sacristy of Santa Maria delle grazie at Milan nach den Luinischen Originalen (Lond. 1860). Für den engl. Hof lieferte er 1860 die Dekorationen zu dem Mausoleum der Herzogin von Kent und 1861 die Entwürfe zu einem Mausoleum für den Prinzen Albert. G. starb in Dresden 27. Febr. 1882.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 573Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6