FeedFelsenmeere B. des Brockens im Harz
Bildende KunstBrockhaus 1882

Felsenmeere B. des Brockens im Harz, der Luisenburg im Fichtelgebirge, des Odenwaldes, des Böhmerwaldes u. a. fessor in Darmstadt, einer der vorzüglichsten Künstler seines Fachs in Deutschland, wurde 22. Juli 1802 zu Darmstadt geboren. Von seinem Vater in der Stechkunst unterrichtet, ging er 1822 als Pensionär des Großherzogs Ludwig I. von Hessen an die Akademie nach Mailand, wo er nach Modell und Antike zeichnete, im Stecherfache aber Giuseppe Longhi zum Lehrer hatte. Später wandte er sich nach Florenz, um daselbst eins seiner vortrefflichsten Blätter; Christus am Olberge, in R.Morghens Manier nach Carlo Dolce, zu vollenden; dieser Stich trug ihm 1828 den großen Preis der mailänder Akademie ein. Nach seinem Aufenthalt in Florenz studierte er in Rom und lebte dann abwechselnd in Mailand, Florenz und Neapel, sodaß er erst nach einem zehnjährigen Aufenthalt Italien verließ, um sich nun, in seine Vaterstadt zurückgekehrt, vorzugsweise mit Stichen nach neuern deutschen Malern zu beschäftigen. F. nahm zu seinen Stichen namentlich religiose oder idealisierte Figurenbilder. Wo die Originalgemälde während des Stiches ihm zur Verfügung stehen konnten, verzichtete F. auf die volle Ausführung einer Zeichnung und übertrug die Wirkung des Bildes direkt auf die Kupferplatte. Er starb 9. Juni 1883 in Darmstadt. Zu seinen vorzüglichsten Arbeiten gehören: 1824 Porträt von Washington, einem Stiche Longhis nachgestochen, Christus nach Crespi (1826), Mater dolorosa nach L. da Vinci (1827), San Giovanni als Kind in einer Grotte nach Cesare da Sesto (1827), Jesus auf dem OÖlberge nach Carlo Dolce (1828), Madonna del Trono (1830), Lo Spofalicio di Santa Caterina nach Correggio (1831), der Violinspieler nach Rafael (1833), Mädchen am Brunnen nach Bendemann (1835), Heilige Familie nach Overbeck (1838), Jeremias auf den Trümmernvon Jerusalem (1838), Genoveva nachSteinbrück(1839), oesie nach Köhler (1840), Das erzählende Mädchen nach Meyer (1841), Poesie und Liebe nach Kaulbach (1844), Salvator Mundi nach L. da Vinci (1844) Lautenspielerin nach Draeger (1844), heilige Katharina nach Mücke (1845), Gesà Cristo disputando coi dottori nach L. da Vinci (1847), Hagar und Ismael nach Köhler (1848), die Aussetzung Mosis nach Köhler (1849) 6 60 Elisabeth nach Bischoff (1851), Lorelei nach Sohn (1854), Christus im Grabe nach Mücke (1856), Julia nach Köhler (1857), Gefangennehmung Christi nach Hofmann (1861), heilige Cäcilia nach Hofmann (1868) und mehrere kleine Arbeiten. Auch durch die Gründung des Rheinischen Kunstvereins 1836, welchem er 40 Jahre vorstand, erwarb sich F. ein Verdienst. Sein Bruder, Johann Heinrich F., geb. 18. Sept. 1800, ebenfalls von seinem Vater im Stechen unterrichtet, suchte sich in Paris zugleich auch mit den technischen Vollkommenheiten des Kupferdrucks bekannt zu machen. Nach seiner Rückkehr übernahm er 1819 die Kupferdruckerei seines Vaters, die er zu einer der ersten in Deutschland hob. Auch in Vervielfältigung von Kupferplatten auf galvanischem Wege war er Meister. F. starb 30. März 1875. Johann Konrad F., Vater der vorigen, geb. 1766 zu Gießen, war der Sohn eines Uhrmachers und erhielt bei einem mittelmäßigen Kupferstecher in Darmstadt einigen Unterricht in der Kunst. Seine sernere Ausbildung, sowie den Ruf, den ihm seine Arbeiten erwarben, verdankte er sich selbst. Ganz besonders schön sind seine topogr. und botan. Blätter; auch führte er viele Porträts in der damals beliebten Punktiermanier aus. F. starb 4. Dez. 1819 als Hofkupferstecher zu Darmstadt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 668Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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