FeedGrünfäule
PflanzenreichBrockhaus 1882

Grünfäule nennt man in der Botanik eine eigentümliche Zersetzungserscheinung, die an verschiedenen Laubhölzern, wie Birke, Buche und Eiche, vorzugsweise aber an letzterer, auftritt. Gewöhnlich zeigt sich die G. an alten, halbverfaulten Stöcken; das morsche Holz nimmt dabei eine spangrüne Farbe an, und zwar findet sich der grüne Farbstoff in den Wänden der Zellen und nicht im Innern derselben. Eine ganz gleichmäßige Färbung des Holzes tritt Steh dabei nicht ein, sondern es bleiben einzelne Stellen ungefärbt und haben das Aussehen des weißfaulen Holzes. Über die Ursache, welche die G. hervorruft, ist nichts Sicheres bekannt; zwar hat man auf grünfaulem Holz einen Pilz aus der Familie der Discomyceten gefunden, dessen Fruchtkörper sowohl, als auch dessen im Innern des Holzes vegetierende Mycelium dieselbe spangrüne Farbe zeigen wie das Holz selbst; doch ist nicht bestimmt nachmgewiesen, daß dieser Pilz, welcher Peziaa aeruginosa genannt wurde, wirklich als die Ursache der G., und nicht vielmehr bloß als eine Folge derselben zu betrachten ist. Das letztere ist deshalb wahrscheinlich, weil mehrere Arten der Gattung Peziaa lebhaft gefärbte Fruchtkörper besitzen und es leicht möglich ist, daß der als Fäulnisbewohner auf dem rünfaulen Holze vegetierende Pilz aus diesem den Farbstoff in sich aufnehmen kann. Üübrigens ist auch der genannte Pilz durchaus nicht immer in den grünfaulen Hölzern vorhanden. Unter allen Fäulniserscheinungen des Holzes ist die G. die am seltensten auftretende, und es erklärt sich hieraus, daß dieselbe noch wenig untersucht wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 574Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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