FeedGrünewald (Matthias)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Grünewald (Matthias), ein dem 16. Jahrh. angehörender eigenartiger Maler aus der Blütezeit der ältern deutschen Kunst, von dessen Lebensumständen man nur weiß, daß er wahrscheinlich zu Aschaffenburg (nach einer andern Angabe zu Frankfurt a. M.) geboren wurde, zu Mainz arbeitete und Hans Grimmer zum Schüler hatte. J. von Sandrart, der in seiner Akademie ihn aufführt, erwähnt noch, daß er ein eingezogenes Leben geführt und übel verheiratet gewesen sei. Sein Bild existiert noch in zwei Handzeichnungen zu Leipzig und Erlangen (von 1529). Von seinen Arbeiten ist weniger vorhanden, als man bisher annahm, da manches ihm fälschlich zugeschrieben wurde. Seine Eigentümlichkeit besteht in einem Naturalismus, der sich vorzugsweise in äußersten Affekten ergeht und, verbunden mit bedeutendem koloristischen Talent, meistens eine ergreifende, bisweilen auch durch übertreibung eine abstoßende Wirkung hervorruft. Auf dem Sockel eines Altars in der Stiftskirche zu Aschaffenburg steht sein Monogramm und die Jahreszahl 1519, doch ist das Bild durch ein anderes ersetzt. Zweifellose Originale von G. sind ein paar grau in grau ausgeführte Heiligenfiguren im Saalhofe zu Frankfurt a. M., ein kleines Bild, die Auferstehung Christi, ein Nachtstück mit glänzendem Lichteffekt, im baseler Museum, und, unter dem Vorhandenen das Hauptwerk, der aus mehrern Tafeln bestehende Hochaltar der Antoniterpräzeptorei z Isenheim im Oberelsaß, jetzt im Museum zu Colmar, die Heiligen Erasmus und Mauritius in München. Drei Altarbilder aus dem Dome zu Mainz wurden von den Schweden geraubt und gingen 1632 im Meere unter. Grünufärben. In der Färberei und dem Zeugdruck erzeugte man früher die grünen Töne fast immer durch zweimaliges Ausfärben, zuerst mit Gelb, dann mit Blau, oder umgekehrt; so wurde z. B. Wolle in der Regel blau gefärbt, dann in der Siedehitze mit Alaun und Weinstein gebeizt und endlich in einem Wau⸗ oder Gelbholzbade ausgefärbt; Grün auf Seide erzeugte man ebenfalls durch Mischen von Blau (Sächsischblau) und Gelb (gewöhnlich Wau) oder auch durch Färben mit einer aus China kommenden, aus Rhamnusbeeren bereiteten Drogue, dem Lo-kab. Gegenwärtig färbt man das Tuch, wie das zu Billardüberzügen und Spieltischen dienende, zwar immer noch mit Sächsischblau und Gelbholz, dagegen finden zum G. der Seide fast allgemein die vom Anilin abgeleiteten grünen Farben, das Aldehydgrün oder Emeraldin, und die zweite schönere Art, das Jodgrün, gewöhnlich in Verbindung mit Pikrinsäure Anwendung. Eine dritte Art von Grün, das zum G. verwendet wird, ist das von Basel aus in den Handel kommende Methylenanilingrün.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 574Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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