Meltau nennt man weiße oder grauweiße, schimmel⸗, woll⸗ oder mehlartige überzüge auf Teilen lebender Pflanzen (Blättern, Stengeln, Früchten), unter deren Einwirkung die befallenen Pflanzen mehr oder weniger leiden und verkrüppeln, oft ganz und gar, bisweilen überaus rasch eingehen. Die neuere Naturforschung hat festgestellt, daß der M. teils animalischen, teils und in den meisten Fällen vegetabilischen Ursprungs ist. Derselbe rührt nämlich entweder von den abgestreiften, mit feiner weißer Wolle bedeckten Häuten von Blatt⸗ und Schildläusen her, welche durch die von diesen Insekten abgesonderte kleberige, süße Flüssigkeit (sog. Honigtau, s. d.) an die von solchen Läusen bewohnten Pflanzenteile angeklebt werden, oder er besteht aus den Mycelien schmarotzender Pilze. Letztere Art von M. ist viel häufiger und weit verderblicher als erstere. Die betreffenden Pilze gehören meist zu der den Kernpilzen (Pyrenomycetes) angehörigen Gattung Erysiphe L. und zur Familie der Peronosporeen. Das Mycelium der Erysiphearten besteht aus einem dicht verzweigten, fadigen Gewebe, welches sich auf der Oberfläche der befallenen Pflanzenteile befindet und durch Saugorgane, sog. Haustorien, welche vom Mycelium aus in die obersten Zellen gesandt werden, sich festhält und seine Nahrung den Pflanzen entnimmt. Dies Mycelium entwickelt während des Sommers Conidien genannte Fortpflanzungsorgane, welche sich in großer Zahl an den Enden der aufgerichteten Conidienträger abschnüren und zur Verbreitung des Pilzes im Sommer dienen, während im Herbst seitens des Myceliums kapselartige Früchte von dunkler Farbe, Perithecien, gebildet werden, in denen Schläuche entstehen, welche in der Regel acht Sporen enthalten. Letztere werden im folgenden Frühling frei und wachsen, wenn sie unter günstigen Verhältnissen eine Nährpflanze finden, wieder zu einem Mycelium aus. Die verbreitetsten Erysiphearten sind . communis, welche unter anderm Erbsen, Klee, Cichorien befällt und E. graminis, welche auf Getreidearten und Gräsern auftritt. Auch das die Traubenkrankheit des Weins hervorrufende Oidium Tuckeri gehört hierher. Der durch die Peronosporen erzeugte M. besteht nicht aus dem Myeelium, sondern aus den Fruchtträgern des Pilzes, dessen Mycelium sich im Innern der Pflanze, und zwar in den Intercellularräumen, befindet, um von hier aus durch die Spaltöffnungen, also namentlich an der Unterseite der Blätter, die Fruchtträger nach außen zu senden. An den Spitzen der letztern entstehen die Sommerfrüchte, Sporangien, welche entweder in Schwärmsporen zerfallen oder direkt auskeimen und die gleiche Bestimmung haben wie die Conidien bei den Erysiphearten. Die Perithecien, welche jedoch für alle Peronosporeenarten noch nicht nachgewiesen sind, befinden sich im Innern der Pflanze und Blätter. Der bekannteste Repräsentant der Peronosporeen ist der Kartoffelpilz (Phytophthora infestans de By., s. u. Kartoffelkrankheit). Die den M. hervorrufenden Pilze, welche zu den echten Parasiten gehören, da dieselben nur auf lebenden, vollsaftigen Pflanzen auftreten, wirken äußerst nachteilig, indem die befallenen Teile absterben und dadurch die Entwickelung der Pflanze sehr gehemmt oder ganz sistiert wird. Die erfolgreiche Bekämpfung des M., dessen Ausbreitung besonders durch feuchtwarmes Wetter begünstigt wird, ist bisher noch nicht gelungen. Bgl. Kühn, «Krankheiten der Kulturgewächsev (2. Aufl., Berl. 1859); R. Wolff, «Die Meltaupilze (Berl. 1875); Frank, «Die Krankheiten der Pflanzen » (Bresl. 1880).