FeedGuadeloupe (La)
ErdkundeBrockhaus 1882

Guadeloupe (La), ursprünglich Kira-kira geheißen, die größte und eine der blühendsten der Kleinen Antillen in Westindien, 136 km im NNW. von Martinique entfernt und wie dieses den Franzosen gehörig, wurde 4. Nov. 1493 von Columbus entdeckt und benannt. Das Ganze besteht aus zwei Inseln, von denen die westliche oder das eigentliche G. die größere (946,8 gkm), die östliche oder Grande-Terre die kleinere (656,3 qkm) ist. Beide sind getrennt durch den Salzfluß (la Rivière Salee), einen schiffbaren, nur 60200m breiten und 9,6km langen Meeresarm, der die mit Sandbänken und kleinen Eilanden besetzten Golfe Grand Cul de Sac im N. und Petit Cul de Sac im S. verbindet. Durch die Mitte der westl. Insel zieht sich von S. nach N. eine bewaldete, 1000 m hohe vulkanische Gebirgskette, auf deren Rücken im S. der Doppelgipfel der Grande Soufrière, eines 1676 m hohen, beständig Rauch, zuweilen Flammen ausstoßenden Kraters (1879 hatte er zwei Ausbrüche) sich —1 und deren Seitenverzweigungen die ganze Insel außer dem nordöstlichen, gegen den Salzfluß hin gelegenen Teile erfüllen. Grande-Terre dagegen ist ganz flach oder nur von unbedeutenden Hügeln durchzogen, waldlos und bünr nicht so wasserreich wie die westl. Insel. G. bildet nebst den anliegenden kleinen Inseln Marie-Galante (149,3 qkm), Iles des Saintes, La Desirade, St.⸗Barthelemy und den südlichen zwei Dritteilen (51,86 àkm) der im übrigen niederländ. Insel St.⸗Martin ein Gouvernement von 1870 qkm, wovon 1602,6 auf die Doppelinsel und 267,4 auf die Dependenzen fallen. Die Bevölkerung betrug 1879 für G. 131090, für die Dependenzen 24626, wozu noch eine flottierende Bevölkerung von 35 793 Personen kommt, zusammen also 191509. Die Zahl der eingewanderten Arbeiter betrug 20338. Von der ganzen Bodenfläche sind noch nicht 300 gkm bebaut, während das übrige die Savannen lein Viertel), die ausgedehnten Wälder (über ein Fünftel) und das umfangreiche Unland umfaßte. Das Haupterzeugnis ist Zucker, dessen Produktion nach der Aufhebung der Sklaverei merkbar sank, sich aber neuerdings wieder gehoben hat. In geringerm Umfange baute man Kaffee, Baumwolle, Kakao, Tabak, Gewürznelken und Pfeffer, Maniok und andere Nahrungspflanzen. Die Kolonie G. wird regiert durch einen Gouverneur, einen Staatsrat von 6 und einen Kolonialrat von 30 Mitgliedern. Das Ganze zerfällt in die drei Arrondissements Basse-Terre, Pointe-a-Pitre und Marie-Galante, ebenso in drei erzpriesterliche Sprengel mit 39 Kirchspielen. Die Hauptstadt ist Basse-Terre (s. d.) mit (1879) 8790 E. Die volkreichste Stadt und der Haupthandelsplatz Pointe-à-Pitre liegt an der Südwestküste von Grande-Terre, zählt 17587 E. und hat einen der besten Häfen der Antillen, zwei Forts, drei schöne Plätze, eine Kathedrale und andere Kirchen, sowie eine 1851 mit einem Kapital von 3 Mill. Frs. gegründete Bank. Die dritte Stadt ist Port du Moule auf der Ostküste von Grande-Terre, mit 8671 E. und einem Hafen. Der Hauptort der fruchtbaren Insel Marie-Galante, die Columbus nach seinem Schiffe benannte, ist der Flecken Marigot oder Grand-Bourg mit 6529 E. Geschichtliches. G. wurde 1635 von 550 Franzosen unter Olive und Duplessis im Auftrage der franz. Kompagnie der amerik. Inseln in Besitz genommen. Die Kolonie blühte bald auf und hatte 1700 bereits 10875 E. Die Angriffe der Engländer auf die Insel 1691 und 1705 schlugen fehl; im Mai 1759 wurde sie zwar nach tapferer Gegenwehr von diesen genommen, im Frieden von 1763 aber an Frankreich zurückgegeben. Am 12. April 1782 erfocht zwischen G., Marie-Galante, den Iles des Saintes und Dominica der engl. Admiral Rodney einen berühmten Seesieg über die franz. Flotte unter dem Grafen de Grasse. Während der Französischen Revolution nahmen die Engländer unter Grey und Jervis die Insel 21. April 1794 abermals in Besitz, mußten sie jedoch nach einem Kampfe von sieben Monaten mit den 2. Juni gelandeten Konventstruppen wieder räumen. Seitdem behaupteten sie die Franzosen, bis gegen Ende Jan. 1810 eine überlegene engl. Macht unter den Generalen Beckwith und Harcourt erschien, welche, vom Admiral Cochrane mit einer Escadre unterstützt, nach dem Treffen vom 3. Febr. den Generalkapitän Ernouf nötigten, sich mit der Besatzung kriegsgefangen zu ergeben. In dem 3. März 1813 zwischen England und Schweden zu Stockholm abgeschlossenen Vertrage wurde G. an Schweden abgetreten, 1814 aber an Frankreich zurückgegeben; auch im Aug. 1815 kapitulierte es wieder an die Engländer unter Admiral Durham, wurde aber im Juli 1816 von den Franzosen aufs neue besetzt. Das Erdbeben vom 8. Jan. 1843 richtete furchtbare Verwüstungen auf G. an. Am 16. Mai 1851 verursachten Erdstöße ebenfalls große Zerstörungen. Vgl. Pardon, La G. deépuis sa découverte jusqu'à nos jourso (Par. 1881); Bouinais, 46. physique, politique, économiquep (Par. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 582Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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