Martinique, eine der Kleinen Antillen, 987,8 qkm mit (1881) 167 181 E. umfassend, ist nächst Guadeloupe (s. d.) die wichtigste Besitzung der Franzosen in Westindien. Die Insel wurde 15. Juni 1502 von Columbus entdeckt und 1635 durch franz. Kolonisten von der Insel St. Christoph in Besitz genommen, welchen sie 1664 die franz. Regierung abkaufte. Von den Engländern wurde sie 1762, 1794 und 1809 genommen, aber jedesmal an Frankreich zurückgegeben. Sie hat eine längliche Gestalt mit zackigem Umrisse und ist sehr gebirgig. Die Erhebungen des Bodens verdanken ihren Ursprung sechs jetzt erloschenen Vulkanen: Pitons de Carbet (1225m), Pelée (1428 m), Roches-Carrées, Vauclin, Marin, Morne-la-Plaine. Kegelförmige Berge nennt man Pitons, die minder hohen, sanfter sich abdachenden Mornes. Die Insel hat zahlreiche Vorgebirge, die sichere, aber wegen Korallenbänken meist nur schwer zugängliche Baien und Häfen bilden, viele kleine Flüsse und Gießbäche und mehrere heiße Mineralquellen. Das Klima ist trotz der Hitze und dem Witterungswechsel der Tropengegend gesund und die Ergiebigkeit des Bodens an Kolonialprodukten höchst bedeutend. Von der Gesamtfläche ist kaum ein Fünftel bebaut und zwar 19 Proz. (192 qkm) mit Zuckerrohr, 0,88 Proz. mit Kaffee, 0,26 Proz. Baumwolle und 0,7 Proz. Kakas, 5,2 Proz. mit Nahrungspflanzen; dagegen kommen etwa 19000 ha auf Savannen, 17000 auf Wald, 29000 auf Wege, Wohnplätze und wüstes Land. Die Kultur der 1726 eingeführten Kaffeepflanze war früher sehr bedeutend, hat aber abgenommen. Bau⸗ und Nutzhölzer wachsen in dichten Waldungen, Campecheholz wird ausgeführt; die Viehzucht ist ansehnlich. Die Einwohner sind meist Neger; die Zahl der Weißen betrug 1868 etwa 20000, die der Kuli 16618. Hauptindustrie ist die Zuckerfabrikation. Bis zur Revolution war der Handel auf M. erst Monopol der Gesellschaft, dann der Regierung. Der Wert der Einfuhr betrug 1882: 28 374000, der der Ausfuhr 38993 000 Frs. Heftige Stürme richten auf M. bisweilen große Verwüstungen an, und erst 1845 war die Insel der Schauplatz einer furchtbaren Verheerung, bei der auch viele Menschen umkamen; auch Erdbeben sind häufig. Sie ist in zwei Arrondissements geteilt, das von Fort de France und das von St.Pierre. Hauptort ist Fort de France (s.d.). Der wichtigste Handelsplatz ist die Stadt St.⸗Pierre, mit guter Reede, befestigtem Hafen und 23909 E., die bedeutendste Stadt der Kleinen Antillen. Andere bemerkenswerte Orte sind La-Trinité, Handelsstadt an der gleichnamigen Bucht mit 7890 E., Lamentin und gen und 2482 E. Vgl. Rey, Etudé sur la colonie de la M.„(Nancy 1881); Aube, ELa M., son présent et son aveniro (Par. 1881).