FeedGaläpägos-Inseln
TierreichBrockhaus 1882

Galäpägos-Inseln oder Schildkröten-Inseln heißt ein zur südamerik. Republik Ecuador gehöriger, zu beiden Seiten des Aquators und zwischen 70 bis 74 westl. L. gelegener Archipel von 11 größern und vielen kleinen Eilanden (Islotes), von denen Albemarle (4275 qkm) die Hauptinsel ist, und die zusammen einen Flächenraum von 7643 qkm bedecken. Sie sind durchaus vulkanisch und zum Teil 970 und selbst 1500 m hoch. Albemarle hat fünf Vulkane, von denen der im nördl. Teile 1530 m Höhe hat, das westlich vorliegende Narborough wahrscheinlich den Hauptvulkan der Gruppe; auf beiden Inseln steigt noch Rauch auf. Die Zahl der erloschenen Krater beläuft sich auf mehr als 2000. Diese ungeheuern, unmittelbar aus der See emporstarrenden Krater, die Massen schwarzer Lava, welche oft sehr hohe Küstenfelsen bilden, während das Meer dicht dabei so tief ist, daß man keinen Ankergrund findet, geben den Inseln ein wildes und großartiges Ansehen. Obgleich sie nur 1000 Km von der Küste entfernt liegen, sind ihre Flora, ihre Vögel, Fische und Amphibien größtenteils von ganz eigentümlicher Beschaffenheit, die nirgends wiederkehrt. Die sehr zahlreichen Schildkröten (span. Galapagos), wahrscheinlich die größte Spezies dieser Tiergattung, Testudo Indica genannt, nähren sich von Kaktus, erreichen in einzelnen Tieren ein Gewicht von 600 bis 700 kg und sind sehr wohlschmeckend. Besonders zahlreich sind auch die Landeidechsen in vier Arten, darunter auf den mittlern Inseln der sehr häßliche Amblyrhynchus suberistatus, der 5—8 kg schwer wird, und dessen Fleisch gekocht und gegessen wird. Doneim sind nur in geringer Zahl vorhanden. on einheimischen Säugetieren findet sich nur eine große Maus (Mus Galapagoensis); eine Ratte, die auch dort bisweilen vorkommt, scheint eingewandert zu sein. Die Vögel sind fast durchgehends nur diesen Inseln eigentümlich. Die G. wurden von den Spaniern im 16. Jahrh. entdeckt, aber nicht besetzt, auch später nur zeitweilig von Freibeutern und Walfischfängern besucht. Die ersten genauern Nachrichten gab 1684 Dampierre. Lange hießen sie die verzauberten (encantadas) Inseln, weil sie wegen der raschen Strömung und der Windstillen, welche dort herrschen, schwer zu erreichen und zu verlassen sind. Da sich auf einigen Inseln, trotz des fast ganz fehlenden Regens, hinreichendes Wasser und größere Strecken kulturfähigen Bodens finden (im ganzen keine 700 akm), namentlich auf Charles, Chatham, Indefatigable und James (alle im 17. Jahrh. von Engländern besucht und benannt), so nahm die Republik Ecuador 12. Febr. 1832 den Archipel in Besitz und trat die genannten Inseln zur Kolonisation einem General Villamil aus Louisiana ab, der die Insel Carlos oder Charles, die südlichste der Gruppe, zur Hauptansiedelung wählte und zu Ehren des Präsidenten von Ecuador, Flores, La Floreana nannte. Es bildete sich auf dieser Insel eine Kolonie von 3— 400 Menschen, meist Farbigen, die Villamil aus den Gefängnissen nahm und die mit Erfolg alle Arten tropischer Nahrungspflanzen anbauten, später aber sich wieder zerstreuten. Ebenso wenig Erfolg hatte der spätere Versuch der Regierung, die Insel zu einer Strafkolonie umzugestalten. Gegenwärtig sind La Floreana und einige andere Inseln nur von einzeln lebenden Familien oder Abenteurern, im ganzen etwa 50—60 Seelen, bewohnt, die sich wesentlich mit der Ausbeutung der Farbenflechte Orchilla beschäftigen. Die Inseln werden auch viel von Südseefischern besucht, da sie in einem an Walen reichen Revier liegen, Salz darbieten und außer den Schildkröten auch Fleisch von den durch Villamil eingeführten, jetzt in verwilderten Herden sich vorfindenden Rindern, Schweinen und Ziegen liefern. Auf der Nordseite von Floreana befindet sich der geschützte Hafen Post⸗-Office-Bay; auch mehrere der andern Inseln haben gute Ankerplätze. Vgl. S. Th. Wolf, «Ein Besuch der G.y (Heidelb. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 459Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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