Guinea, Küstenland in Westafrika, dessen Grenzen und Ausdehnung verschieden angegeben werden, reicht nach der gegenwärtig ziemlich allgemein gewordenen Annahme vom Kap Verga oder Tagrin an der Südgrenze von Senegambien bis zum Kap Negro, oder von 10° nördl. bis zu 16 südl. Br., und zerfällt in Ober- oder Nordguinea und Nieder- oder Südguinea, als deren Grenze der Äquator gilt. Als die Portugiesen zuerst an der Westküste Afrikas vordrangen, suchten sie die goldreichen Negerländer südlich von der Wüste, die damals auf den Karten Ginyia oder Gineua, Ghenei, Ghenroa (Ginea der Portugiesen) genannt waren, ein Name, der offenbar eine Verunstaltung von Djenné ist. Er findet sich zuerst auf der Karte von 1351, und die Karte der Pizigani enthält ihn dreimal. Auf der catalanischen Karte von 1375 heißt er Gineua. Nach Barbot hieß ein Landstrich am Senegal Genahoa, und so nannten die Portugiesen das Land, wo sie zuerst Schwarze zu sehen bekamen, und später auch jedes andere Küstenland weiter nach Osten, wo sie Neger fanden. Daraus scheint der Name G. entstanden zu sein. Nordguinea wird insbesondere und schlechthin G. genannt. Dasselbe begrenzt auf einer Strecke von mehr als 3300 Km im Norden den großen Meerbusen von Guinea, der in seinem nordöstl. Hintergrunde die Baien von Benin und Biafra bildet. In und vor letzterm liegen die vier Guineainseln, von denen Fernando Po ( d.) und Annobon den Spaniern, die Inseln do Principe und Säo-Thomé den Portugiesen gehören. Der Küstensaum selbst ist, außer im Osten, wo sich das weite Deltaland des Niger ausbreitet, nur schmal, meistenteils flach, teils wegen Mangel an guten Häfen, teils wegen starker Brandung schwer zugänglich, strichweise sandig oder sumpfig, tellenweise sehr wasserreich und dann von üppigkeit afrik.⸗tropischer Vegetation strotzend. Ber der Lage unter und in der Nähe des Aauators ist die Hitze das ganze Jahr hindurch sehr groß, nur in der Regenzeit etwas ermäßigt, die im allgemeinen zwischen Juni und Oktober, in einigen Landstrichen aber jährlich zweimal auf kurze Zeit eintritt, gewöhnlich mit furchtbaren Gewittern und Stürmen verbunden. Der Harmattan, welcher einige Monate aus Nordosten her weht, trocknet alles aus und wird den Einwohnern äußerst beschwerlich. Gegenüber diesem ungesunden, dem Fremden oft tödlichen Klima der Küste gewähren die dahinter aufsteigenden reizenden Berglandschaften (Vorstufen des Kong oder Gebirges von Hochsudan) eine milde, reine und gesunde Luft. Diese dicht bewaldeten und überaus fruchtbaren Landschaften sind auch stark bevölkert von heidnischen Negerstämmen, unter denen ein auffallender Unterschied zwischen den Strand- und den Bergnegern hervortritt. Die erstern zeigen sich infolge des Sklavenhandels und des Umgangs mit den Europäern verderbt und geschwächt, die letztern kräftiger, im allgemeinen gesitteter und kultivierter, zum Teil aber auch kriegerischer und wilder. Unter der großen Menge der Negerreiche sind die wichtigsten das Reich Dahomeh (s. d.), das Reich der Aschanti (s. d.), das Königreich Benin, die Reiche Pöruba und Igbo. Die einzelnen Küstenstriche sind von Westen gegen Osten: Sierra Leone (s. d.), ein engl. Kolonialgebiet, vom Kap Verga bis zum Kap Mesurado; die Körner⸗, Pfeffer-oder Malaguettaküste bis zum Kap Palmas, benannt nach den hier wachsenden und früher stark ausgeführten Paradieskörnern, dem langen und Malaguettapfeffer und merkwürdig durch die Republik Liberia (s. d.); die Zahn- oder Elfenbeinküste, nach älterer Annahme bis zum Kap der drei Spitzen, jetzt nur bis zum Flusse Assini gerechnet, nach dem Hauptausfuhrprodukt benannt; die Goldküste (s. d.) bis zum Rio Volta, außerordentlich stark bevölkert und mit den zahlreichsten europ. (britischen) Niederlassungen versehen; die Sklavenküste bis zum Rio Lagos, auf welcher die Engländer die bis 1849 dän. Faktorei Quitta (Kitta) mit dem Fort Prinzenstein sowie seit 1861 Lagos (s. d.) besitzen und die früher ein Hauptrevier der Sklavenausfuhr war; die Küste Benin, die breiteste und wasserreichste, mit dem vielarmigen, dicht bewaldeten und sumpfigen Deltalande des Niger, Bonny u. s. w. und dem erwähnten Königreiche Benin; die Küste Calabar; südwärts davon das sog. Hochland der Amboser oder das Gebirge Camerun (s. d.) und die Küsten von Biafra und des Gabun (s. d.) bis zum Kap Lopez. Niederguinea zerfällt in die Landschaften Loango, Congo, Angola und Benguela.