Gummischnüre und Gummischläuche ohne Leinwandeinlage werden auf der Schnur⸗ oder Schlauchmaschine angefertigt. Die Schlauchmas aem (Fig. 4) besteht aus einem Cylinder, in welchem sich eine Schnecke b dreht. Die Gummistreifen, welche von den Platten, wie sie vom Plattenwalzwerk kommen, geschnitten sind, werden durch den Trichter a in den Cylinder 16 Oätrunt, von der Schnecke b erfaßt und durch die Offnung des in der vordern Verschraubung angebrachten Pistonplättchens g gepreßt. Diese ni. Pistonplättchen haben eine glatte oder faconnierte, größere oder kleinere offnung, je nachdem es die anzufertigenden Schnüre oder Schläuche erfordern. Der Schlauch wird hergestellt, indem in die Pistonöffnung ein dem innern Schlauchdurchmesser entsprechender Dorn hineinragt. Durch die Hähne d und di wird Dampf zugeleitet, welcher in den die Schnecke b umgebenden Mantel o eintritt und so das Gummi warm erhält. Da beim Austritt des Gummis aus der Pistonöffnung eine niedrigere Temperatur desselben erforderlich ist, um der Masse einen festern Halt 10 geben, wird der Vorderraum durch Wasser, welches durch die Hähne w und wI in den Hohlraum e eintritt, gekühlt; das Kühlwasser fließt durch den Hahn k, das Kondensationswasser durch h ab. Die Schläuche werden auf eine runde Platte gewickelt und sodann vullanisiert, indem sie auf einem langen Wagen in Talk eingelegt, sowie auch damit überdeckt werden; hierauf wind deransicht. B. Seitenansicht. . Vor der Wagen mit Inhalt in einen seiner Größe entsprechenden Kessel gefahren, in welchem die Schläuche oder Schnüre durch Dampfdruck vulkanisiert werden. Bei der Herstellung von Schläuchen mit Leinwandeinlage wird die Leinwand mit in Benzin aufgelöstem Gummi bestrichen, dann die Gummiplatte aufgelegt und beides rel einen Eisendorn von entsprechendem Durchmesser gewickelt. Alsdann wird das Ganze fest mit Leinwand umwickelt, resp. umbunden und, ohne mit Talk bedeckt zu sein, vulkanisiert. Das on P. gilt im allgemeinen für die Herstellung von Plattengummi mit Leinwandeinlage, doch bedient man sich bei dieser Fabrikation der Streichmaschine und der Wickelmaschine. Durch erstere wird hauptsächlich ein gleichmäßiges Auftragen des in Benzin aufgelösten Gummis auf die Leinwand bewirkt; mit Hilfe der letztern wird die Leinwand mit dem Gummi zusammen aufgewickelt. Zum Schneiden bestimmter Schlauch⸗, resp. Schnurlängen, runder Platten u. s. w. bedient man sich der Gummidrehbank und Planschneidemaschine. Massive Gegenstände aus Gummi, wie Knöpfe, Kämme, Cigarrenspitzen, Stockknöpfe, Etuis u. s. w., werden aus Kautschukmasse von der Konsistenz des Glaserkitts in zweiteiligen Metallformen gepreßt und demnächst gebrannt (hornisiert). Um das Rollen von Equipagen möglichst wenig hörbar und den Gang derselben von den Unebenheiten der Straße unabhängiger zu machen, überzieht man öfters die Radreifen mit Streifen aus vulkanisiertem Kautschuk (sog. Gummiräder); neuerdings geschieht dies namentlich bei den Velocipedrädern, die am Umfang mit einer Rille versehen sind, in welcher eine starke Gummischnur befestigt wird. Auch werden an bessern Möbeln (Pianofortes, Fauteuils), teils um dieselben möglichst geräuschlos von einer Stelle zur andern schaffen zu können, teils um die parkettierten Fußböden zu schonen, Gummirollen angebracht. Das Brennen der Gummiwaren zum Zweck der Vulkanisierung wie der Hornisierung erfolgt entweder durch erhitzte Luft oder durch Wasserdampf; vorteilhafter ist die zweite dieser Methoden, da hierbei eine leichtere und genauere Regulierung der Temperatur möglich ist. Die Vulkanisierung mittels Wasserdampfes geschieht in schmiedeeisernen, den Dampfkesseln e Kesseln, in welche ein langes, mit einer Reihe kleiner Löcher versehenes Rohr hineinragt, aus dem der gespannte Wasserdampf in den Kessel tritt. Die Dauer des Vulkanisationsprozesses hängt von der Dicke der zu vulkanisierenden Gegenstände, sowie von der verwendeten Kautschuksorte ab und kann 1—3 Stunden betragen; am geeignetsten ist eine Temperatur von 120 bis 130 C. im Brennkessel. Die Wirkung des Vulkanisierens besteht darin, daß ein Teil des beigemengten Schwefels eine chem. Verbindung mit dem Kautschuk eingeht, doch lassen sich durch Analyse nur 1—2 Proz. wirklich chemisch gebundenen Schwefels nachweisen. Die Bei-Eue den eines größern Prozentsatzes Schwefel ist nur deshalb erforderlich, um bei etwaiger ungleichmäßiger Verteilung des Schwefels in der Masse doch an allen Stellen des Fabrikats eine genügende Menge desselben zu erhalten. Der nicht mit dem Kautschuk chemisch verbundene Schwefel gibt oft zur Bildung geringer Mengen von Schwefelwasserstoffgas Veranlassung und erteilt somit den Fabrikaten den unangenehmen Geruch, der sich indes durch Kochen derselben mit Natron-oder Kalilauge beseitigen läßt, da hierdurch ein Ausziehen des freien Schwefels erfolgt. Um die Erfindung und Ausbildung des Vulkanisierens haben sich besonders Lüdersdorf in Berlin, Goodyear in Paris, Hancock in Newington, Parkes und Gerard Verdienste erworben. Parkes in Birmingham behandelt die zu vulkanisierenden Gegenstände in einer Lösung von Halb-Chlorschwefel (S, CI.), während nach der von Gerard empfohlenen Methode die betreffenden Gegenstände in einer auf 140 C. erhitzten Lösung von Dreifach-oder Fünffach-Schwefelkalium von 25 B. 3 Stunden lang liegen gelassen werden. Enthält das Kautschuk viel Schwefel und ist die Temperatur eine höhere, als zum Vulkanisieren erforderlich ist, so entsteht gehärtetes (hornisiertes) Kautschuk (Ebonit, Hartgummi) von in der Regel durch die ganze Masse schwarzer Farbe. Ein aus England in den Handel gebrachter Stoff, aus Kautschuk, Guttapercha und gemahlenem Korkholz bestehend, ist das sog. Kamptulikon, welches namentlich zum Belegen der Fußböden in Rüumen, wo Geräusch vermieden werden soll, benutzt wird. Ein der Guttapercha und dem Kautschuk verwandter Stoff, der zu ähnlichen Zwecken wie diese e Anwendung findet, ist die in den letzten Jahrzehnten in den Handel gekommene Balata, welche teils z für sich, teils mit Guttapercha vermengt, verarbeitet wird, bisher aber für die Industrie keine we-1 sentliche Bedeutung hat gewinnen können. I Vgl. Heinzerling, «Fabrikation der Kautschuk- und Guttaperchawarend (Braunschw. 18839).