Gurte oder Gurten (frz. sangles, engl. girths), dicke bandförmige Gewebe, die zu mannigfachen Zwecken verwendet werden. Während man sich der geringsten als Tragbänder, als elastischer Unterlage für die schneckenförmigen Stahlfedern der Kissen beim Polstern der Stühle, Sofas u. s. w. bedient, werden bessere Sorten für den Grundsitz der Reitsättel (Sattelgrundgurte), sowie zur gepolsterten Wagenarbeit (Wagengurte), feinere und weichere Sorten als Hosenträger, Halftern, sowie als eigentliche Sattelgurte (Bauchgurte) benutzt. Durch die Art der Anwendung wird die Wahl des Materials, sowie die Art des Gewebes bedingt. Tragbänder und Tapeziergurten bestehen aus sehr grobem Hanf- oder Werggarn und sind glatt (leinwandartig) gewebt. Damit sie sich nicht der Breite nach zusammenrollen, ist die Kette abwechselnd aus rechts und aus links gedrehtem Gespinst hergestellt. Die Sattelgrundgurte und Wagengurte werden aus Hanfgarn, Hanf⸗ oder Leinenzwirn, oder auch aus zweidrähtigem Bindfaden verfertigt und sind teils glatt, teils zweiseitig geköpert; im ersten Fall ist die Kette aus rechts⸗ und linksgedrehten Fäden zusammengesetzt. Sattelgurte und Halftern bestehen ganz aus Kammwollgespinst und sind stets geköpert, zuweilen auch mit kleinen Mustern durchwebt. In derselben Weise werden Hosenträger verfertigt, doch webt man diese noch öfter ganz aus Baumwolle oder mit baumwollener Kette und Einschlag von Jute. Die Herstellung der ordinären G. aus Hanfgarn, Werggarn und Bindfaden gehört zum Geschäft des Seilers, welcher sich hierzu eines sehr einfachen Webstuhls (Schlagstuhl, Gurtenschlagstock) bedient. Die G. aus Zwirn, sowie die aus Wolle werden auf dem Handstuhl der Bortenwirker gewebt. Auch die seidenen G. sind eine Arbeit des Posamentiers und erfordern oft die ganze komplizierte Einrichtung des Wellenstuhls oder der Jacquard-Maschine. Gemusterte Hosenträger werden auf Bandmühlen mit Jacquard-Mechanismus verfertigt. Als eine besondere Art G. sind die in der Neuzeit als Treibriemen für Maschinen, sowie statt der Ketten und Seile bei Personen⸗ und Güteraufzügen in Gebrauch gekommenen baumwollenen G. anzuführen.