FeedGymueten
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gymueten (grch., eigentlich Nackte, dann soviel wie Leichtbewaffnete), Name der in den griech. Heeren seit den Perserkriegen an Stelle der leichtbewaffneten Sklaven aufgekommenen verschiedenen Arten von Schützen, welche einen unerläßlichen Bestandteil der Heere aber erst seit dem Zug der Zehntausend (401 v. Chr.) bildeten. Sie wurden meist aus den Völkerschaften geworben, welche im Gebrauch der einzelnen Fernwaffen sich besonders auszeichneten; ihr gemeinsames Kennzeichen war der Mangel jeder Schutzwaffe. Gymno. . . (grch.), Vorsilbe, soviel wie nackt, unbedeckt. Gymnocarp oder nacktfrüchtig nennt man in der Botanik diejenigen Flechten, deren Fruchtkörper scheibenartig entwickelt sind; im Gegensatz zu den angiocarpen, deren Fruchtkörper krugförmig dem Thallus eingesenkt sind. Bei den gymnocarpen Flechten sind Arten aus der Gruppe der Discomyceten, bei den angiocarpen dagegen solche aus der Gruppe der Pyrenomyceten die parasitischen Pilze. (S. Flechten.) Gymnocladus Lam., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen. Man kennt nur eine Art, die in Nordamerika heimisch ist, den G. canadensis Lam. Es ist ein schöner Baum mit gefiederten Blättern und weißen, in Trauben vereinigten Blüten. In der Rinde desselben findet sich ein seifenartiger Stoff, weshalb dieselbe zum Waschen verwendet wird. Die Samen werden in Kentucky geröstet als Kaffeesurrogat benutzt, der Baum heißt deshalb auch Kentuckyscher Kaffeebaum. Gymnodonten, Nacktzähner, hat man eine Gruppe der Haftkiefer (Plectognathi) unter den Knochenfischen genannt, bei welchen die scharfen Kieferränder mit Zahnsubstanz und Schmelz übertleidet sind, sodaß sie Papageienschnäbeln ähnlich sind. Der fast kugelige Körper ist mit kleinen oder großen Knochenstacheln über und über besetzt, die aufgerichtet werden können. Die plumpen Fische, die nur kleine Flossen haben, können den sackförmigen Schlund durch verschluckte Luft zu einer großen Blase ausdehnen und lassen sich so mit dem Bauche nach oben auf der Oberfläche des Meeres treiben. Das Fleisch vieler Arten soll giftig sein. Bei der Gattung Diodon, zu welcher die bekannteste Art, der Igelfisch (D. hystrix), gehört, sind die Kiefer in der Mittellinie verwachsen, bei der Gattung Tetrodon durch eine Naht geteilt. Gymnogramme Desv., eine zur Farnkrautfamilie der Polypodiaceae gehörige Gattung. Das Hauptmerkmal derselben ist das im Namen ausgedrückte: die längs den Nerven der gefiederten und fiederspaltigen Wedel strichförmig gruppierten, nackten, d. h. eines Schleierchens entbehrenden Fruchthäufchen. Einige Arten und Formen dieser Gattung sind durch einen wachsartigen, goldgelben oder silberchnet berzug auf der untern Wedelfläche ausgezeichnet und als Gold⸗ und Silberfarne eine Zierde der Warmhäuser und können unter Glocken oder in Terrarien auch in Stuben unterhalten wereden. Zu den besten Goldfarnen gehören G. chrysophylla und var. aurea, sulphurea, Laucheana, Wetenhalliana, letztere am Ende der Wedel mit GAturciseaarnd Anhängseln; zu den Silberfarnen tartarea und peruviana, var. argyrophylla, letztere von besonders zierlichem und dichtbuschigem Habitus. Gymnopädien, Fest der Spartaner, welches jährlich im Juli 6—10 Tage lang zu Ehren der bei Thyrea (um 550 v. Chr.) Gefallenen gefeiert wurde und bei welchem musikalische, orchestrische und gymnastische Darstellungen von der Jugend veranstaltet wurden. Gymnopoden (grch.), soviel wie Barfüßer. Gymnosophisten, d. h. nackte Weise, nannten die Griechen die alten ind. Weisen, welche ein zurückgezogenes Einsiedlerleben führten, nur dürftige Kleidung aus Baumrinde trugen und sich stiller Betrachtung und strengen ascetischen Übungen widmeten. Manche Berichterstatter verstehen unter den G. nur die brahmanischen Büßer, d. h. die Brahmanen in ihren beiden letzten Lebensstadien, als Vanaprastha und Sannjasi; andere zählen zu ihnen auch die Samanäer, d. h. Cramanas, buddhistische Asceten, welche ungefähr dieselbe Lebensweise führen wie 05 brahmanischen Brüder, und mit denselben auch unter dem Namen Bhikschu (s. d.) zusammengefaßt werden. Gymnospermen (grch., d. i. nacktsamige Gewächse) nennt man im Gegensatz zu den Angiospermen (bedecktsamige Gewächse) diejenige Abteilung der Phanerogamen, deren Samenknospen nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen sind, sondern frei auf der Fläche oder an dem Rande der ausgebreiteten Fruchtblätter liegen. Die G. stellen eine der drei großen Gruppen der Phanerogamen dar, und zwar diejenige, welche in der phylogenetischen Entwickelungsreihe den Gefäßkryptogamen jedenfalls am nächsten stehen; sie bilden gewissermaßen das Verbindungsglied zwischen den letztern und den Angiospermen. In der Jetztzeit umfassen sie verhältnismäßig nur wenige Gattungen mit zusammen etwa 400 Arten, die allerdings eine sehr aus-Nectone Verbreitung Eorean Von den heißesten egionen der Tropen bis zur Baumgrenze in den kalten Zonen finden sich Vertreter derselben vor, die meisten derselben bedecken große Flächen als waldbildende Bäume. Sämtliche G. sind perennierende Pflanzen, und zwar größtenteils Bäume, die eine bedeutende Höhe erreichen, die übrigen sind strauchartige Gewächse; einen ganz sonderbaren Stamm besitzt die in Afrika einheimische Welwitschia mirabilis, derselbe hat schüssel⸗ oder tellerartige Gestalt und erhebt sich nur wenig über den Boden. (Näheres s. unter Welwitschia.) Die Blattorgane sind von * verschiedenartiger Gestalt; bald sind es große gefiederte Blätter, wie bei den Cycadeen, bald sind sie nadelförmig oder schuppenartig ausgebildet, wie bei zahlreichen Coniferen; eine ganz eigentümliche bandartige Blattform findet sich bei der schon erwähnten Welwitschia (s. d.). Die G. zerfallen in drei Unterabteilungen: Cycadeen, Coniferen (Nadelhölzer), Gnetaceen, von denen die beiden erstern die umfangreichsten sind; die letztern haben nur etwa 30 Arten, von denen die meisten den Tropen angehören; sie bilden in gewissem Sinne den übergang zu den Dikotylen, besonders im Bau des Holzkörpers, welcher außer Tracheiden auch zahlreiche echte Gefäße besitzt; auch in der Form und dem anatom. Bau der Blätter zeigen einige Gnetaceen mehr Ahnlichkeit mit den Dikotyledonen als mit den Coniferen und Cycadeen. Das Gemeinsame der drei genannten Abteilungen ist der Bau der Blüten und hauptsächlich die Art der Befruchtung. Die weiblichen Blüten enthalten nur nackte Samenknospen, die in der Ein⸗ oder Mehrzahl vorhanden sind und in den meisten Fällen auf der freien Flache oder am Rande eines schuppenförmigen Blattorgans, der sog. Fruchtschuppe, sich entwickeln; es fehlt dabei jede Bildung eines dem Fruchtknoten der Angiospermen analogen Gehäuses und ebenso jede Einrichtung, die den Griffeln oder Narben der letztern entspräche. Die Pollenkörper gelangen demnach direkt auf die von dem Integument gebildete Mikropyle und treiben von hier aus einen kurzen Schlauch nach dem Scheitel des Knospenkerns, welcher so weit in das Gewebe des letztern eindringt, bis er sich direkt an den im Innern desselben befindlichen Embryosack anlegen kann. In dem letztern findet bereits vor der Annäherung des Pollenschlauchs Zellenbildung statt, wodurch der harse innere Raum von einem parenchymatischen kleinzelligen Gewebe, dem sog. Endosperm, ausgefüllt wird; nachdem dies geschehen ist, werden aus einzelnen oberflächlich liegenden Zellen durch verschiedenartige Teilungen die sog. Archegonien, früher gewöhnlich als Corpuscula bezeichnet, gebildet. Diese letztern stellen nun die eigentlichen weiblichen Organe dar, sie sind ganz analog den Archegonien der Farne gebaut, man kann einen Archegoniumhals, einen Archegoniumbauch und in dem letztern die weibliche Zelle, die Eizelle, unterscheiden. Bei der Befruchtung selbst dringt der Pollenschlauch bis zu der Eizelle vor und ein Teil seines Inhalts vermischt sich mit derselben wahrscheinlich durch einen diosmotischen Rnten r Infolge dieses sexuellen Aktes treten ahern ehungen in der Eizelle auf, aus dem untern Teile derselben wächst allmählich der Embryo heran, nur in wenigen Fällen wird die ganze Eizelle zur Bildung des Embryos verwendet. Nachdem einige Teilungen in der Eizelle stattgefunden haben und hierdurch die sog. Vorkeimzellen und die erste Embryoanlage gebildet sind, wachsen einige der erstern zu langen Schläuchen aus und schieben so die Embryoanlage aus dem Archegonium unten hinaus in das Endosperm des Embryosacks, wo sich nun der Embryo weiter entwickelt. Da häufig mehrere Archegonien zugleich befruchtet werden und auch in manchen Fällen aus einer Eizelle mehrere Embryonen hervorgehen, so findet man gewöhnlich im unreifen Samen mehrere unausgebildete Embryonen; die G. sind deshalb ein Beispiel für die sog. Polyembryonie (s. d.). Im reifen Samen dagegen ist in der Regel nur ein ausgebildeter Embryo vorhanden, da die übrigen verkümmert sind. (Betreffs der Ausbildung des Samens holzer 3s s. unter Cycadeen und Na delzer. Durch die eigentümliche Art der Befruchtungsschen den hö bilden die G. das Zwischenglied zwischen den Nan Gefäßkryptogamen und den Angiospermen. Man kann bei den G. ebenso wie bei den ), Matr Filicineen, z. B. bei den Lycopodiaceen (d.), Makrosporen und Mikrosporen unterscheiden; die erstern werden durch den Embryosack, die letztern durch die Pollenkörner repräsentiert. Bei den enannten Farnkräutern werden aus den Sporen Prothallien gebildet, auf denen die Geschlechtsorgane zur Entwickelung gelangen; diese Prothallienbildung findet sich auch bei den G., indem das vor der Befruchtung im Innern des Embryosacks, der Makrospore, gebildete Endosperm als weibliches Prothallium, und die im Innern des Pollenkorns, der Mikrospore, gebildeten wenigen Zellen als männliches Prothallium aufgefaßt werden müssen; das letztere ist allerdings sehr rudimentär entwickelt. Man kann deshalb hier ebenso wie bei den Farnkräutern von einem Generationswechsel (s. d.) sprechen. Im wesentlichen gilt dasselbe auch noch für die Angiospermen, doch tritt hier die Prothallienentwickelung vor der Befruchtung noch viel mehr zurück; immerhin muß auch hier der Embryosack als das Homologon der Makrospore und das Pollenkorn als das Homologon der Mikrospore betrachtet werden. Ebenso wie die G. im Bau der Blüte, in der Art der Befruchtnng als Bindeglied zwischen Kryptogamen und Angiospermen stehen, so verhalten sie sich auch in der phylogenetischen Entwickelungsreihe der Pflanzen. Schon in der Steinkohlenperiode treten neben den in größter Ausdehnung vorhandenen Farnkräutern zahlreiche unzweifelhafte G. auf, wie die Gruppe der Cordaiteen, die in dieser Formation schon eine ausgedehnte Verbreitung besitzt. Ferner finden sich noch Cycadeen und andere ihnen nahestehende Formen; von Coniferen treten schon einige Arten auf, die jedenfalls zur Abteilung der Taxineen zu stellen sind. In der auf die Steinkohlenperiode folgenden Dyas sind die Coniferen schon bedeutend zahlreicher vorhanden, ebenso auch die Cycadeen, die hauptsächlich durch die Arten der Gattung Medullosa vertreten waren. Die größte Verbreitung erreichten die G. wohl in der Trias und der darauffolgenden Juraformation. In der Kreide treten sie allmählich gegen die nunmehr sich entwickelnden Angiospermen zurück, behalten aber noch eine dominierende Stellung. Erst im Tertiär weichen sie den immer mehr sich ausbreitenden Angiospermen, um schließlich in den jüngsten Perioden allmählich auf die oben angegebene Artenzahl der Jetztzeit herabzusinken; aber trotz dieser verhältnismäßig geringen Artenzahl stellen sie doch noch einen bedeutenden Prozentsatz der gesamten Pflanzendecke dar. Diejenige Gruppe, welche die weiteste Verbreitung hat, sind die Coniferen. (Räheres hierüber s. unter Nadelhölzer.) vmnosporangium OC., Pilzgattung aus der Familie der Rostpilze oder Uredineen. Es sind nur wenige Arten bekannt, von denen drei in Europa vorkommen. Sie leben parasitisch auf Coniferen, Das Mycelium wuchert in der Rinde der Zweige und die Sporenhäufchen brechen als gelbliche oder braune gallertartige Massen aus der Rinde hervor, die zweizelligen Sporen stehen auf einem langen Stiel und werden in großer Menge durch eine bei Einwirkung von Wasser stark aufquellende Gallerte zusammengehalten. Dieselben treten im Frühjahr auf und verschwinden im Laufe des Sommers, lassen aber stets eine Narbe am Zweige zurück und die Rinde ist an dieser Stelle immer etwas hypertrophisch aufgeschwollen. Diese Sporenhäufchen stellen die Teleutosporenform des Pilzes dar, eine Uredoform ist nicht vorhanden, dagegen gehört eine Accidienform, die auf andern Pflanzen vorkommt, in den Entwickelungsgang dieses Pilzes. Es ist das die früher unter dem Namen Gitterrost (Roestelia) beschriebene Gattung, welche auf einigen Pomaceen, wie auf den Blättern der Birn⸗ und Apfelbäume, sowie auf denen einiger Sorbusarten sich findet. Die Accidien sitzen auf der Unterseite der Blätter oder auch an jungen Früchten, sie bilden ziemlich große orangegelbe oder rote Flecken, die etwas polsterartig verdickt sind; die Accidien siten hier in größerer Anzahl beisammen; sie haben eine eiförmige Gestalt und die Peridie öffnet sich bei der Sporenreife gitterartig durch Längsspalten, weshalb die Bezeichnung Gitterrost für diesen Pilz gewählt worden ist. Zugleich mit den Accidien erscheinen auf der Oberseite der Blätter die Spermogonien, und zwar in bedeutender Anzahl. Das Blattgewebe wird durch die Einwirkung des Parasiten allmählich zerstört, die Blätter bekommen eine gelbe Farbe und fallen oft schon im Juli ab. Dadurch wird natürlich die Ausbildung der Früchte unterbrochen, indem die in den Blättern assimilierten Stoffe verloren gehen, und es kommt häufig vor, daß die Früchte dann ebenfalls vorzeitig abfallen. Die häufigste Art ist G. Iuscum DOC. ¶früher Podisoma fuscum), deren Teleutosporenform auf verschiedenen Juniperusarten, hauptsächlich auf Juniperus Sabina, dem Sadebaum, vorkommt und deren Accidienform auf den Birnbäumen sich findet. Von einer andern Art, den G. clavariaeforme DO., deren Accidien auf Apfelbäumen auftreten, lebt die Teleutosporenform auf dem gemeinen Wacholder Juniperus communis).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 664Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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