FeedHaarfärbemittel sind Substamen
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Haarfärbemittel sind Substamen, durch deren Anwendung dem menschlichen oder tierischen Haar auf künstlichem Wege eine andere als die ihm eigentümliche Färbung erteilt wird. Viele dieser Mittel sind parfümierte Lösungen von Bleisalzen (wie namentlich der Haarbalsam von Marquardt, s. unter Geheimmittel, Bd. VII, S. 3595), vor welchen zu warnen ist, da dieselben bei längerm Gebrauch auf die Gesundheit höchst schädlich einwirken und eine Bleivergiftung (s. d.) zur Folge haben. Weniger schädlich sind Lösungen von Höllenstein (alpetersaurem Silber); doch wirken sehr konzentrierte Lösungen nachteilig auf das Haar ein. Reine Höllensteinlösung gibt einen unnatürlichen roten, bisweilen ins Grünliche schillernden Farbenton, feltalan e Anwendung von Schwefelleber (Schweelkalium) ein zu intensives Schwarz. Besser wirkt gleichzeitige Anwendung von Höllenstein und Pyrogallussäure. Das unter dem Namen Krinochrom bekannte H. besteht aus zwei verschiedenen Flüssigkeiten; die erstere ist eine Auflösung von 10 Teilen Pyrogallussäure in 500 Teilen rektifiziertem Holzessig und 500 Teilen Alkohol; die zweite eine destliert von 30 Teilen Höllenstein in 900 Teilen destilliertem Wasser und so viel Salmiakgeist, bis der anfänglich entstehende Nieder-Horh wieder gelöst ist. Nach Entfettung des Haars urch Seifenwasser, dem etwas Salmiakgeist beigemischt, trägt man die erste Lösung mit einem Schwamm, dann, noch vor dem Eintrocknen der ersten, die zweite mit einer Bürste auf,‚ tritt bis zum Eintrocknen womöglich in hellen Sonnenshwar wäscht darauf mit Wasser, nachher mit einer schwachen Lösung von unterschwefligsaurem Natron aus und spült schließlich mit Wasser nach. Dieses H. färbt dunkelschwarzbraun; eine verdünntere Höllensteinlösung gibt hellere Töne. Sowohl dieses Mittels wie anderer Höllensteinlösungen bedienen sich auch Bertan die Roßkämme behufs Täuschung beim Verkauf älterer Pferde, deren Haare zu bleichen anfangen. Völlig un Saftes als H. ist die Anwendung des eingedickten Saftes der frisch ausgepreßten grünen Walnußschalen (Walnußextrakt) und des humussauren Ammoniaks. Eine rötlichblonde Färbung dunklerer Haare erzielt man durch Waschen mit einer schwachen Lösung von Wasserstoffsuperoxyd, welche zur Zeit der Kaiserin Eugenie als Eau de Jouvence, Auricome oder Golden hair water zu hohen Preisen in den Handel gebracht wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 677Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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