Haargefäße oder Capillargefäße (Capillaren, Vasa capillaria) sind die feinsten, nur mit dem Mikroskop erkennharen Blutgefäße, welche den übergang von den Arterien (Schlagadern) zu den Venen (Blutadern) bilden. Sie besitzen bloß eine einfache, äußerst zarte, durchsichtige Wand und haben in den verschiedenen Körpergegenden einen Durchmesser von nur 0,os bis 0,2 mm, sodaß zwei bis acht nebeneinander erst die Dicke eines Haars ausmachen, und daß die feinsten gerade noch einem Blutkörperchen den Durchgang gestatten. Unter dem Mikroskop betrachtet, erscheint die Wand der Capillaren aus zarten, platten, kernaltigen Zellen zusammengefügt, die als die direkte ortsetzung des die Arterien und Venen auskleidenden Zellenhäutchens, des sog. Gefäßendothels, zu betrachten sind. In den H. erlangt das Strombett des Blutes, das durch die fortwährende Teilung der Arterien immer weiter geworden, seine größte Ausbreitung. Deshalb sowie wegen der durch die Engigkeit der Capillaren bedingten Reibung verliert sich die Blutwelle, welche mit jedem Pulsschlage vom Herzen durch die Arterien fortschreitet, in den H., sodaß man den Puls in den Venen nicht mehr fühlt. Die H. selbst stehen untereinander, wie sonst die Blutgefäße nirgends, durch zahlreiche Verbindungszweige in der innigsten Verbindung und bilden so ein dichtes Gefäßnetz, das alle Gewebsteile umgibt. Letztere werden hierdurch aufs reichlichste mit Blut versorgt und mit diesem in langdauernden Verkehr gesetzt. Nur sehr wenige Gewebe, wie die Haare, Nägel, Knorpel und die Linse, besitzen keine Capillaren. Durch die dünnen Wände der H. werden infolge des hohen Drucks, unter welchem das Blut steht, beständig Blutbestandteile ausgepreßt, die dann die Gewebsteile umspülen und diese ernähren. Der Überschuß des ausgetretenen Blutes und die Gewebstrümmer gehen entweder (durch Endosmose) in den Blutstrom zurück oder fließen durch die feinsten Lymphgefäße, die sog. Lympheapillaren, wieder ab. Auf diesem Stoffaustausch im Capillarbezirk beruht der übergang des hellroten arteriellen Blutes in das dunkelrote venöse. Weiterhin spielen nach den wichtigen Untersuchungen von Cohnheim die H. auch bei der Ent ündung eine bedeutsame Rolle, indem unter gewissen Bedingungen die weißen oder farblosen Blutkörperchen die Wandung der H. durchbohren und darauf außerhalb der Gefäße als sog. Eiterkörperchen erscheinen. (S. Eiter, Entzündung.)