FeedHagn (Ludw. Karl Heinr. von)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Hagn (Ludw. Karl Heinr. von), deutscher Genremaler, geb. zu München 23. Nov. 1820, war ursprünglich für die militärische Laufbahn bestimmt und erhielt seine Erziehung im königl. Kadettenkorps zu München; aber seine frühzeitig entwickelte Neigung zur bildenden Kunst machte ihn diesem Berufe untreu. In Berlin, wo seine Mutter mit der berühmten Schauspielerin Charlotte von H., seiner Schwester, weilte, unternahm er die ersten Versuche in der Malerei im Atelier des Marinemalers W. Krause. In die Fig. J. 1840—46 fällt sein Besuch der münche⸗ Ansicht, hot ner Akademie; darauf vollendete er seine Studien in Belgien, indem er zwei Jahre in Antwerpen und ebenso lange in Brüssel unter Eugene de Block sich zum Genremaler ausbildete. Im J. 1850 besuchte er abermals Berlin, dann 1853 Paris. In dieser ganzen Zeit macht sich bei seinen Arbeiten eine vorwiegende Neigung zu Darstellungen aus den höhern gesellschaftlichen Kreisen des 18. Jahrh. geltend. Er wußte das ganze Gepräge der Rokokozeit mit einer solchen Meisterschaft wiederzugeben, daß er in diesem Genre unerreichbar dasteht. Diese gerühmten Eigenschaften treten an allen größern Kompositionen sener Zeit hervor, so an der musikalischen Morgenunterhaltung (1860, in der Neuen Pinakothek), vorzüglich aber an den zwei Gemälden: der Sonntag-Nachmittag, wo er einmal die pariser Welt im Freien, dann die münchener Welt in den engern Räumen eines Brauhauses die Freuden des Sonntags genießen läßt. Andere Bilder von ihm sind: ital. Gartenscene (1868, in der Schackschen Galerie), die gute alte Zeit, ein Duell zwischen Cavalieren des 17. Jahrh. Sein 1869 ausgestelltes Gemälde: in einer röm. Bibliothek, ist ein Meisterstück feinster Charakteristik. Zu seinen neuesten Werken gehören: Audienz bei Papst Leo XIII. (1880), Tintoretto in der Scuola di San- Rocco (1881) und das für den münchener Magistrat bestimmte figurenreiche Bild: der Marienplatz mit der Fronleichnamsprozession im 18. Jahrh. H. ist Ehrenmitglied der Akademie in München, wo er seit 1868 dauernd wohnt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 706Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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