FeedHahn
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Hahn, im Altertum Symbol der Kampflust und Kampfbereitschaft, nicht minder der Wachsamkeit, war (neben der Eule) der Pallas Athene . f ferner dem Ares: das +11 des H. galt für kriegerische Unternehmungen als glückliche Vorbedeutung, desgleichen dem Hermes, dem Avollo (Helios), dem Askulap, bei den Römern auch den Laren als Hauswächter u. s. w. Den alten Syrern galt der H. als Symbol des Feuergottes und der Sonne; die Römer benutzten ihn bei den Augurien. In der nord. Mythologie wecken zwei Hähne die Helden in Odins und die Schatten in Helas Sälen. Auf altchristl. Grabsteinen und Sarkophagen erscheint der H. häufig als Verkünder des Tags, d. i. des neuen Lebens im Herrn. Er verscheucht allen Spuk der Unholden, darum erklärt Durandus in seinem „Rationales ihn auf den Kirchen als Nachtverscheucher, Prediger und Erwecker vom Schlafe der Sünde. In Verbindung mit dem heil. Petrus enthält der H. die Anspielung auf die Verleugnung Christi. Kämpfende Hähne auf altchristl. Denkmälern sollen den Kampf mit den eigenen Leidenschaften bedeuten. Patron der Hähne ist St. Gallus; auch St. Veit wird mit dem H. auf einem Buche dargestellt. Im Volksaberglauben spielt der H. eine bedeutende Rolle: kräht er in ein Haus, so zeigt er einen Todesfall in demselben an; wenn ein kohlschwarzer H. sieben Jahre alt wird, so legt er ein Ei, aus dem ein Drache (Basilisk) entsteht u. s. w. In der Heraldik ist der H. ein häufig vorkommendes Wappenbild. Der H. gilt auch als das Symbol von Frankreich. Welchen Ursprung dieses Symbol hat, ist unklar, zumal sich dasselbe auf ältern Münzen und Denkmälern durchaus nicht vorfindet. Man nimmt an, daß der Gallische Hahn aus der Doppelsinnigkeit des lat. Wortes Gallus (d. i. Hahn und zugleich Gallier) entstanden sei. In der Revolution von 1789 setzte man zuerst statt der Insignien des bourbonischen Königtums den H. 109 die Heeresfahnen. Napoleon I. ersetzte ihn durch — suchte das Gymnasium zu Eisleben, stu10. dierte seit 1810 zu Leipzig, lebte hier seit ritzhahns. 1813 als Hauslehrer, bezog 1817 das neu und ward 1819 außerord. zu Kon or, 1820 Prediger und 1821 ord. Professor zu Königsberg. Im J. 1827 ging H. als Professor und Prediger nach Leipzig. In der Abhandlung De rationalismi, qui dicitur, vera indole et qua cum naturalismo contineatur ratione (Lpz. 1827) führte er aus, daß Rationalismus und Christentum einander entgegengesetzt seien und deshalb die Rationalisten sich in ihrem Gewissen gedrungen fühlen sollten, aus der Kirche auszuscheiden. Daran schloß sich die „Offene Erklärung an die evang. Kirche, zunächst in Sachsen und Preußen » (Lpz. 1827) und das an Bretschneider gerichtete «Sendschreiben über die Lage des Christentums in unserer Zeite (Lpz. 1832). Im J. 1833 ward H. als Professor und Sonsstorialrat nach Breslau berufen, 1844 Generalsuperintendent für Schlesien und führte als solcher 1845 die Verpflichtung auf die Augsburgische Konfession bei der Ordination wieder ein. Von seinen Schriften ist wichtig das Lehrbuch des christl. Glaubenso (Lpz. 1828; 2. Aufl. 1858). Am meisten verbreitet sind seine Ausgabe des hebr. Textes des Alten Testaments (seit 1831 öfter) und die 4Bibliothek der Symbole und Glaubensregeln der apostolisch-kath. Kirchey (Lpz. 1842; 2. Aufl. 1877). H. starb 13. Mai 1863 zu Breslau. Sein Sohn Heinrich August H., geb. 19. Juni 1821 zu Königsberg, habilitierte sich 1845 als Privatdocent in Breslau, ging 1846 als solcher nach Königsberg, wurde 1851 außerordentlicher, später ord. Professor zu Greifswald, wo er 1. Dez. 1861 starb. Er schrieb einen Kommentar über das Buch Hiob (1850), eine übersetzung und Erklärung des Hohen Liedes (1852), eine Erklärung von Jesaja, Kap. 40 —66 (1859) und einen Kommentar zum Prediger Salomo (1860). — Ein anderer Sohn, Georg Ludwig H., geb. 26. April 1823 zu Königsberg, ward 1848 Privatdocent, 1857 außerordentlicher, 1867 ord. Professor der Theologie an der Universität Breslau. Er schrieb: Die Theologie des Neuen Testamentso (Bresl. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 707Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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