FeedHalifax (Charles Montague, Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Halifax (Charles Montague, Graf von), brit. Staatsmann und Dichter, geb. 16. April 1661 zu Horton in Northamptonshire und gebildet auf der Westminsterschule und der Universität Cambridge, war Schüler und dann Gönner Newtons, erwarb sich 1685 durch ein Gedicht auf den Tod Karls II. die Beachtung des Grafen von Dorset und wurde von diesem in die Diplomatie eingeführt. Mitglied des Parlaments, schloß er sich den Whigs an und gehörte zu den Aristokraten, welche 1688 Wilhelm von Holland nach England einluden. Ein Gedicht auf die Schlacht an der Boyne verschaffte ihm vom König Wilhelm III. eine Pension von jährlich 500 Pfd. St. bis zu seiner Anstellung als Kommissar der Schatzkammer und Geheimrat; 1694 bewirkte er vor andern die Gründung der Englischen Bank, wurde Unterschatzmeister und Kanzler der Schatzkammer, 1697 erster Lord der Schatzkammer. In dieser Stellung entwarf er den später von Walpole benutzten Plan eines Reservefonds und krierte 1697 bei eingetretenem Geldmangel für 2 Mill. Pfd. St. Schatzkammerscheine; 1698 wurde er Mitglied der Regentschaft während der Abwesenheit des Königs. Die Abwendung Wilhelms von der unbedingt whiggistischen Politik im Frühling 1699 kostete auch H. einen Teil seines Einflusses; er beschränkte sich auf eine einträgliche Sinekure, das Auditorship in der Schatzkammer, und wurde 1700 Peer unter dem Titel Lord von H. Obschon die Königin Anna ihn als eifrigen Whig aus dem Ministerium entfernt hatte, trat er doch 1705 in das Vermittelungsministerium ein, welches die großen Erfolge der engl. Politik 1706 herbeiführte. Nach dem Tode Annas überbrachte H. Georg IJ. die Akte, welche die Thronfolge des Hauses Hannover in England feststellte. Georg I. ernannte ihn zum Grafen von H., zum Ritter des Hosenbandordens und aufs neue zum ersten Kommissar der Schatzkammer. H. starb 19. Mai 1715. In demselben Jahre erschienen seine Gedichte nebst Materialien zu seiner Biographie.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 728Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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