Fox (Charles James), einer der größten brit. Staatsmänner und Unig Kants! von mütterlicher Seite ein Urenkel König Karls II., war 24. Jan. 1749 geboren. Der Vater, Henry F., erster Lord Holland, Staatssekretär unter Georg II., richtete die außerordentlichen Fähigkeiten dieses seines jüngern Sohns frühzeitig auf staatsmännische Thätigkeit. Nachdem F. in Eton und Orford glänzende Studien gemacht, bereiste er den Kontinent. No vor dem gesetzlichen Alter wurde er durch Familieneinfluß vom Flecken Midhurst ins Unterhaus gesandt, wo er zuerst in der Angelegenheit des Veblizisten Wilkes (s. d.) auftrat. Seine ersten Bestrebungen waren der torpistischen Ministerialpolitik zugewendet, wofür ihn North zum Lord der Admiralität und 1772 zum Lord des Schatzes beförderte. Bald aber trat er mit Burke und den Whigs in Verbindung und erfuhr dadurch eine 4alech uch seiner polit. Ansichten. Schon 1774, An dinte dem Tode seines Vaters, entwickelte er im Unterhause eine oppositionelle Richtun und wurde desbalb vom Minister North seiner Stellung als Lord des Schatzes enthoben. Die Wendung, welche die nordamerik. Angelegenheiten nahmen, — auf das lebhafteste seinen patriotischen Sinn. Auf das brit. Recht und die Verfassung gestützt, erhob er im Uit Rorthe seine Stimme gegen die engherzige Politik Norths und verteidigte mit hinreißender Gewalt das Selbstbesteuerungsrecht der Kolonien. Einen schnellen, versöhnlichen Frieden stellte er als das einzige Wus Rortpe des bedrohten Mutterlandes dar. Als North endlich 1782 dem Ministerium Rockingham und Shelburne Platz machte, trat F. als Staatssekretär ein. Da es ihm aber nicht gelang, mit den Amerikanern einen Separatfrieden zu verhandeln, legte er sein Amt nieder. An seine Stelle trat der junge Pitt, mit dem F. nun in den höchsten Lebensfragen der Nation einen langen der O begann. Nachdem er die zerstreuten Kräfte der Opposition vereinigt, führte er 1783 nochmals den Sturz des Ministeriums herbei. Portland, North und er selbst bildeten ein neues Kabinett, und der allgemeine Friede wurde s ogleich nach denselben Grundsätzen abgeschlossen, wegen deren Shelburne bekämpft worden war. F., der seine Popularität stets höhern Entwürfen opferte, brachte jetzt auch die India-Bill ins Parlament, die den ungeheuern Mißbräuchen der Ostindischen Kompagnie steuern, zugleich aber die Verwaltung der ostind. Kolonien in die Hände der Regierung bringen sollte. Dieser kühne Plan erhielt zwar durch seine Beredsamkeit im Unterhause die Majorität; allein der König ließ die Bill im Oberhause verwerfen, brachte noch zu Ende des Jahres Pitt ans Ruder und löste das Unterhaus auf. Von nun an begann F., mit Burke und andern Männern vereinigt, eine die innere und äußere Politik umfassende parlamentarische Opposition. Er schlug 1787 die Abschaffung der Negersklaverei vor und zeigte gleich anfangs, daß diese Maßregel den brit. Kolonien nur günstig sein könnte. Auch gelang es ihm, den von Pitt der Besitznahme von Otschakow wegen beabsichtigten Krieg mit Rußland zu hintertreiben. ün der Französischen Revolution begrüßte er den allgemeinen Fortschritt polit. Entwickelung und unterschied sich dadurch wesentlich von Burke, der das demagogische Element der Revolution bekämpfte. F. sah in dieser Meinungsverschiedenheit den Grund zu einer tiefern Spaltung seiner Partei und that alles Mögliche, um nicht durch einen Bruch die ministerielle Politik zu verstärken. Aber nach 1790, bei Diskussion der Quebec-Bill, brach die offene Trennung unter den Whigs aus. F. sah sich infolge dessen mehr und mehr von seinen whiggistischen Freunden verlassen: aber je geringer die Zahl seiner polit. Anhänger wurde, um so mehr — seine Energie. Er neigte sich mehr und mehr der Demokratie zu und fing an, auf eine durchgreifende Parlamentsreform hinzuwirken. Gegen 1797 endlich, als er sah, daß sein Widerstand dem Feinde nur Stärke verlieh, zog er luh auf seinen Landsitz St.⸗Anns-Hill zurück und * rte daselbst unter ländlichen und litterarischen eschäftigungen mehrere Jahre ein eingezogenes Leben. Nach dem Frieden von Amiens reiste er zur Aufsuchung geschichtlicher Quellen nach Frankreich, wo er mit großer Auszeichnung empfangen wurde. Als er zurückkehrte, stand das Ministerium Addington im Begriff, den Krieg zu erneuern. F. Deide jetzt auf eine Vereinigung der Gemäßigten eider Parteien und näherte sich durch seinen neuen Durchd Lord Grenville, sogar seinem Gegner Pitt. urch diese Verbindung wurde zwar im Mai 1804 Addington gestürzt; doch der König widersetzte sich dem Eintritte F., den Pitt diesmal wünschte. F begann daher von neuem seine Opposition und suchte Pitt vergeblich von einem Bündnisse mit den europ. Mächten abzuhalten, das seiner Ansicht nach Rut endlic Macht nur vergrößern würde. Als itt endlich dem Schmerze über den Ausgang seiner Politik erlegen, mußte der König F. mit Grenville im Jan. 1806 ans Staatsruder berufen. Sein großer Rmen Aat hatte ihm eine ungeheuere Schuld, einen Nationalkrieg und unermeßliche Wirren hinterlassen. Ehe er jedoch an den Frieden denken konnte, erlag seine Ohnedies zerrüttete Gesundheit der Anstrengung; er starb 13. Sept. 1806. F. betrat die Rednerbühne fast schüchtern; erst wenn er sich in den Gegenstand und seine kühnen Projekte vertiefte, erwachte die hinreißende Kraft seiner Beredsamkeit. In seiner unvollendeten Geschichte der letzten Könige des Hauses Stuart: „History of the early part of the reign of James II; with an introductory chapter v (Lond. 180⁸: deutsch von Soltau, Hamb. 1810), gab er eine whiggistisch gefärbte Apologie der Revolution von 1688. F. «Speeches in the House of Commons »erschienen in 6 Bänden (Lond. 1815). Von seinen Freunden wurde ihm 1816 eine Bildsäule auf dem Bloomsbury-Square zu London, 1818 ein Denkmal in der Westminster-Abtei errichtet. Lord Russell gab Life and times of Charles James F.v (2 Bde., Lond. 1856 — 59) und Memorials and correspondence of F. (4 Bde., Lond. 1853—57) heraus. Vgl. Althaus, Charles James F. » (im „Neuen Plutarcho, Bd. 3, Lpz. 1876).