FeedHaller (Albr. von)
HeilkundeBrockhaus 1882

Haller (Albr. von), berühmt als Anatom, Physiolog, Botaniker, praktischer Arzt und Dichter, geb. 16. Okt. 1708 zu Bern, aus einer schweiz. Patricierfamilie stammend, besuchte nach dem Tode seines Vaters 1721 das Gymnasium zu Bern, welches er nach anderthalb n ret wieder verließ, um sich nach Biel zu einem Freunde, dem Sohne des gelehrten Arztes Hause sch zu begeben. Der Aufenthalt in diesem Hause scheint Einfluß auf H.s Wahl zur mediz. Wissenschaft gehabt zu haben, der er sich seit 1723 auf der Universität zu Tübingen widmete. Boerhaaves Ruf zog ihn 1725 nach Leiden, wo er außerdem noch den Unterricht von B. S. Albinus benutzte. Er bereiste dann einen großen Teil Norddeutschlands und erhielt 1727 in Leiden die Doktorwürde. Nach einer wissenschaftlichen Reise durch England und Frankreich studierte er in Basel unter Bernoulli die höhere Mathematik. Vgl. «Albrecht 5.8 Tagebücher seiner Reisen nach Deutschland, Holland und England 1723 — 275, herausgegeben pvon L. Hirzel (Lpz. 1883). Auf einem Ausflug in die Alpen, den er mit seinem Freunde Joh. Geßner 1728 unternahm, legte er teils zu seinem großen botan. Werke, teils zu seinem Lehrgedicht Die Alpenv den Grund. Nach einem abermaligen Aufenthalt in Basel, wo er neben seinen poetischen Beichäftigungen auch anatom. Vorlesungen hielt, kehrte er 1729 nach Bern zurück. Hier machte er sich bald als ausgezeichneter Arzt bekannt, ohne indes eine öffentliche Anstellung zu erhalten; erst 1734 erlaubte man ihm, anatom. Vorlesungen an dem neugegründeten anatom. Theater zu halten. Im J. 1735 wurde er Stadtarzt und Stadtbibliothekar. Auch bereiste er jährlich die Alpen und sammelte zu seiner Enumeratio stirpium Helveticarumo, die erst in Göttingen 1742 erschien. Sein Versuch schweiz. Gedichtes (Bern 1732) erregte trotz mancher Anfechtungen Aufsehen, besonders da Bodmer sich dafür erklärte. H.s glänzende Laufbahn begann, als ihn 1736 Münchhausen als Professor der Medizin, Anatomie, Botanik und Chirurgie an die neuerrichtete Universität zu Göttingen berief, wo er 1738 ein anatom. Theater und 1739 einen botan. Garten anlegte, auch ein anatom. Kabinett errichtete, 1750 eine Entbindungsanstalt gründete und in dems elben Jahre den Plan zur königl. Societät der Wissenschaften ausarbeitete, der vollständig genehmigt wurde, worauf er, zum immerwährenden Präsidenten derselben ernannt‚, 1751 dieselbe eröffnete. In dieser Zeit wurde er von Kaiser Franz I. in den Adelstand erhoben, nach Utrecht, Orford, Berlin,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 735Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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