FeedAntagonismus (grch.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Antagonismus (grch.), d. h. Gegenwirkung, nennt man diejenigen Einrichtungen im lebenden Körper, vermöge deren die Thätigkeit eines Organs derjenigen eines andern entgegenwirkt und sie sogar mehr oder minder vollständig aufhebt. Am deutlichsten ist dies im Muskelsystem ausgesprochen, wo einzelne Muskeln einander geradezu entgegenwirken und daher Antagonisten Heien. So beugen die Beugemuskeln das Glied, die Streckmuskeln strecken es wieder. Zuweilen kann die Gegenwirkung auch durch einfach mechan. Einrichtung bedingt werden, wie z. B. bei den Muscheln, wo die Schließung der Schalen durch willkürlich bewegte Schließmuskeln, die Offnung aber durch die Clasticität des wie eine Feder wirkenden Schloßbandes herbeigeführt wird. Im Nervensystem bieten die sog. Hemmungsnerven ein deutliches Beispiel. So werden die Schläge des Herzens durch den sympathischen Nerven beschleunigt, durch einen andern Nerven (nervus vagus) verlangsamt; dasselbe Resultat zeigt sich auch, wenn die Stellen des Rückenmarks und des verlängerten Marks, von welchen ahrschemlich hangt abgehen, affiziert werden. Wahrscheinlich hängt von der Einwirkung auf solche Centralstellen des Nervensystems auch der A. in der Wirkung gewisser Gifte ab, deren eins das andere aufhebt. So fängt das durch Schwammgift (Muskarin) gelähmte Herz eines Hant de wieder zu schlagen an, sobald unter die aut des Tiers gebrachtes Atropin aufgesaugt ist. Sehr unrichtig hat man das Wort A. auch für diejenigen Erscheinungen gebraucht, wo durch Ablenkung der organischen Thätigkeit dieselbe an andern Punkten weniger hervortritt. So existiert ebenso wenig ein A. zwischen Darmschleimhaut und äußerer Haut, oder zwischen Niere und Haut, weil bei Beförderung der Sekretion auf dem einen Organ die Sekretion des andern abnimmt, noch zwischen der äußern Haut und den innern Organen, weil z. B. bei Kongestionen nach innen die Bethätigung der Cirkulation in der Haut Erleichterung vershaf. Es wird hier nur ein bestimmtes Quantum von Thätigkeit von einem Organ auf das andere abgeleitet. (S. Ableitung.) Ebenso spricht man in ungerechtfertigter Weise von A. besonders bei nervösen Erscheinungen, wo das Sensorium fast ausschließlich in Anspruch genommen ist und z. B. durch tiefes Nachdenken, heftige Gemütsbewegungen u. s. w. Schmerzen nicht mehr empfunden oder Bewegungen gehemmt werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 699Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6