FeedHalle und Petersburg berufen
GeschichteBrockhaus 1882

Halle und Petersburg berufen, vom König von England zum Staatsrat und Leibarzt ernannt und 1745 von seiner Vaterstadt als Mitglied in den Großen Rat aufgenommen. Letztere Auszeichnung veranlaßte ihn hauptsächlich, 1753 seine Amter, mit Ausnahme der Präsidentschaft der königl. Societät, niederzulegen und sich nach Bern zurückzuziehen, wo er zum Rathaus-Ammann erwählt wurde. Er nahm teil an den Staatsgeschäften, indem er die Einrichtung der Salzwerke zu Ber und Aigle, die Anstalten der Akademie zu Lausanne und die mediz. Polizei verbesserte, den Ackerbau beförderte, das Waisenhaus zu Bern v Walis ue die Grenzstreitigkeiten zwischen Bern und Wallis s chlichtete u. s. w. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten in dieser Zeit sind seine epochemachenden Beobachtungen über die Entwickelung des tierischen Keims im Ei, über das Wachstum der Knochen, besonders seine Elementa physiologiae corporis humanio (8 Bde., Lausanne 1757—66), und von seinen belletristischen Produktionen seine drei Romane KUsongo (Bern 1771), «Alfrede (Gött. u. Bern 1773) und Fabius und Catov (Gött. u. Bern 1774) über die despotische, monarchische und republikanisch-aristokratische Regierungsform zu erwähnen. Außerdem erschienen von ihm mehrere Werke, zu denen er seit langer Zeit gesammelt hatte, die Bibliotheca botanica (2 Bde., Zür. 1771 — 72), K«Bibliotheca anatomicay (2 Bde., Zür. 1774—77), (Bibliotheca chirurgicay (2 Bde., Bas. 1774 — 75) und der Anfang der «Bibliotheca medicinae Practicac (4 Bde., Bas. 1776—87). Von den gegen 2000 Recensionen, die er in die Göttinger gelehrten Anzeigeno schrieb, wurden die wichtigern mitgeteilt in „Sammlung kleiner H.scher Schriften » (2. Aufl., Bde. Bern 1772). Seit 1773 fortwährend kräntlich und schwermütig, starb er 12. Dez. 1777. Die Hel und die Naturwissenschaft verdanken H. sehr viel, namentlich aber sind es die Botanik und die Physiologie in ihrem ganzen Umfange, welche er mit rastlosem Eifer durchforschte. In der Physiologie machte er Epoche durch seine Lehre von der Irritabilität. Außer den bereits angeführten sind von seinen größern Werken noch zu erwähnen: «Icones anatomicaes (Gött. 1743), Primae lineae physiologiae o (2. Aufl., Gött. 1765), Boerhaaves «Methodus studii medicio (2 Bde., Amsterd. 1751), De functionibus corporis humani praecipuarum partiumv (4 Bde., Bern 1777—78). Als Dichter ist H. durch den Enthusiasmus mancher seiner Verehrer wohl zu hoch gestellt worden; doch läßt sich nicht leugnen, daß er zu dem hohen Aufschwunge, den die deutsche Poesie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. nahm, bedeutend beigetragen hat. Besonders zeichnete ihn der männliche Ernst der Gesinnung auch als Dichter vorteilhaft aus. Seine elegischen und seine reflektierenden Poesien stehen dichten ueb während in den «Alpeno und andern Gedichten neben kühnen und feurigen Ideen noch die Unbiegsamkeit der deutschen Sprache zu Tage tritt. H.s (Gedichtes, die zuerst ohne seinen Namen erschienen (12. Ausg. von Wyß, Bern 1828; Auswahl, Aarau 1860. kritische Ausgabe mit umfassender Biographie von L. Hirzel, Frauenfeld 1882), wurden in fast alle neuern Sprachen übersetzt. Vgl. Zimmermann, Das Leben des von H.» (Zür. 1755); Sennebier, Eloge historique d'Albert de H.t (Bas. 1778)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 736Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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