FeedFrank (Joh. Peter)
HeilkundeBrockhaus 1882

Frank (Joh. Peter), Begründer der mediz. Polizeiwissenschaft, geb. 19. März 1745 zu Rothalben im Badischen, widmete sich zu Heidelberg und Straßburg mediz. Studien und praktizierte als Arzt erst zu Bitsch in Lothringen, dann zu Baden-Baden. Im J. 1769 ging er als Hofmedikus des Mark⸗ „grafen von Baden nach Rastatt, dann als Stadt- und Landphysikus nach Bruchsal, wo er sehr bald „Leibarzt des Fürstbischofs von Speier wurde. So⸗ „dann folgte er 1784 einem Rufe als Professor der „Philosophie und mediz. Polizei nach Göttingen; doch vertauschte er schon im folgenden Jahre diese Stellung mit der Professur der Klinik zu Pavia, wo er nicht nur die mediz. Lehranstalten, sondern auch das ganze Medizinalwesen der Lombardei reformierte. Im J. 1795 wurde er Direktor des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, 1804 Professor an der Universität zu Wilna, und im folgenden Jahre Leibarzt des Kaisers Alexander in Petersburg. Nachdem er sich auch vielfach um die Verbesserung des russ. Medizinalwesens verdient emacht, kehrte er 1808 nach Wien zurück. F. lebte seitdem der ärztlichen Praxis und seiner Wissenschaft, bis er 24. April 1821 zu Wien starb. F. war einer der berühmtesten Arzte seiner Zeit. Unter seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben das klassische «System einer vollständigen mediz. Polizein (6 Bde., Mannh., 590 u. Wien 1784— 1819; Supplemente, 3 Bde., Stuttg. u. Lpz. 1812 —27), welches ins Italienische und Holländische übersetzt wurde, und das unvollendete Werk „De curandis hominum morbis o (6 Bde. Tuteut u. Wien 1792—1800), das ebenfalls mehrfache übertragungen ins Italienische und Deutsche (unter andern von Sobernheim, 10 Bde., Berl. 1830— 34, 3. Aufl., 2 Bde., 1840—41) erfuhr. Seine De medicina elinica opera omnia minora gab Sachs (2 Bde., Berl. 1844), die «Opuscula posthuma v (Wien 1824) sein Sohn, Joseph F., heraus. Letzterer, geb. 23. Dez. 1771 zu Rastatt, widmete sich ebenfalls der Medizin und wirkte neben seinem Vater erst zu Pavia und Wien, dann auch seit 1804 als Professor der Pathologie zu Wilna. Im J. 1824 wegen eines Augenübels zur Aufgabe dieses Wirkungskreises genötigt, wandte er sich 1826 nach Como, wo er 18. Dez. 1842 starb. F. Brownfrüher unter die bedeutendsten Anhänger der Brownschen Erregungstheorie und legte seine Ansichten darüber in mehrern Schriften, besonders in dem „Grundriß der Pathologie nach den Gesetzen der Erregungstheoriev (Wien 1803) nieder. Unter seinen übrigen Werken sind noch die Praxeos medicae universae praecepta (3 Tle. in 13 Abteil., Lpz. 1826—41; 2. Aufl. 1826—43), welche mehrfach ins Französische und von Voigt (9 Bde., Lpz. 1828—43) ins Deutsche übersetzt wurden, zu nennen. F. hat über sich und seinen Vater interessante Denkwürdigkeiten in franz. Sprache hinterlassen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 69Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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