FeedHämatoxylin
NaturlehreBrockhaus 1882

Hämatoxylin, CI6 HI406, ist der Farbstoff gebende Körper des Blau⸗ oder uun wirdie es (s. Hämatoxylon). Zur Darstellung wird käufliches mehrlach wt mit Sand verrieben und die Masse mehrfach mit wasserhaltendem Ather erschöpft. Die ätherische Lösung liefert beim Verdunsten einen sirupartigen Rückstand, der, mit etwas Wasser vermischt, nach einigen Tagen zu einer Krystallmasse von unreinem H. erstarrt. Diese wird mit kaltem Wasser abgewaschen und aus heißem Wasser, dem etwas schweflige Säure zugesetzt ist, umkrystallisiert. Je nach der Konzentration der Lösung, aus welcher das H. sich abgeschieden hat, enthält es 1 oder 3 Moleküle Krystallwasser. Die letztere Verbindung verliert an trockener Luft 2 Moleküle Wasser. Bei 100—120 getrocknet, bleibt wasserfreies H. zurück. H. bildet in reinem Zustande farblose Krystalle von süßlichem Geschmack, schwer löslich in kaltem, leichter in heißem Wasser, löslich in Alkohol und Ather. Manche Salze, der Iel Lösung zugefügt, veranlassen die Umwandlung des H. in eine amorphe Form die auch nach dem Lösen in heißem Wasser si wieder amorph abscheidet, auf Zusatz der geringsten Menge irgend einer Säure aber krystallinis wird. Ammoniak enthaltender Luft ausgesetzt, färbt H. sich rot, 91 Zusatz von Alkali werden seine Lösungen blau, Eisenoxydsalze geben schwarze, Hederschld rosenrote, Kupfersalze grünlichgraue Niederschläge, Alaun fällt die Lösung nicht, färbt sie aber hellrot, in alkalischer Lösung mit Thonerde-Natron versetzt, gibt H. einen unlöslichen Lack. Haematoxylon, d. h. Blutholz, nannte Linne den im tropischen Südamerika wachsenden Campecheholzbaum (H. Campechianum), weil dessen Holz, welches unter dem Namen Lignum Cam⸗- pechiannm, Blau- oder Blutholz in den Handel kommt, einen blutroten Farbestoff enthält. Dieser zur Deune, der Leguminosen gehörende Baum hat efiederte, aus drei bis vier Paaren verkehrt-herzförmiger Blättchen Wudten. . Blätter und traubig angeordnete Blüten. (S. 2 Farbepflanzen, dil 4.) Die Frucht ist eine zweisamige, an beiden Enden verschmälerte Hülse, welche zuletzt auf der Mitte der Klappen unregelmäßig zerreißt. Das Holz des 12—16 m bae Baums kommt, von der Rinde und vom Splint befreit, in großen, auswendig blauschwarzen, innen rotbraunen Blöcken von grobfaseriger Textur und bedeutender Schwere und Härte in den Handel. Es nimmt eine gute Politur an, hat einen herben, süßlichen Geschmack und einen schwachen, eigentümlichen Geruch. Es wird (früher als offizinell) geraspelt in den Apotheken vorrätig gehalten, vorüglich aber zum Blaufärben und überhaupt in der Furberei benutzt. Das Blauholz enthält einen braunroten Gerbstoff und eine eigentümliche Substanz, das Hämatoxylin (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 747Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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