Hameln, Kreisstadt im preuß. Landdrosteibezirke Hannover, 40 km südwestlich von der Stadt Hannover, an der Hamel und Weser, über welche eine Kettenbrücke führt, und an den Linien Hannover-Altenbeken und Vienenburg-Löhne der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, Kreisamts, Amts und einer Oberförsterei, hat vier Kirchen, darunter das 1872 restaurierte Münster, ein städtisches Gymnasium mit Realschule, eine höhere Töchterschule, eine Privattöchterschule, eine internationale Privatlehranstalt, ein 1862 erbautes Invalidenstift, ein Hospital mit Armen⸗ und Waisenhaus und ein Bezirksgefängnis und zählt (1880) 10924 meist prot. E., die eine Maschinenbauanstalt, zwei große Mühlen, Spinnereien und Brennereien unterhalten, Ackerbau, hrt tenbe namentlich Lachsfang, und Weserschiffahrt treiben, welche letztere durch die 1734 angelegte, 1872 restaurierte und für Dampfschiffe passierbar gemachte Schleuse nicht mehr von dem gefährlichen Hameler Loch gehemmt ist. Durch Dampfboote steht H. mit Karlshafen und Münden in Verbindung. Die überreste der alten Ringmauern mit einigen Warttürmen und viele alte Häuser mit eigentümlicher Bauart Dewar der Stadt ihren mittelalterlichen Charakter ewahrt. — H. verdankt dem Stift St. Bonifaz seinen Ursprung. Karl d. Gr. übergab das Stift im Weltlichen dem Abt von Fulda, im Geistlichen dem Bischof von Minden; die Grafen von Eberstein hatten die Schutzvogtei. Bereits im 11. Jahrh. war H. als Stadt vorhanden, und später erscheint es als Mitglied der Hansa; 1259 wurde die Stadt von Fulda an den Bischof von Minden verkauft, und als über diesen Kauf eine acht de Fehde entstand, in welcher durch die Schlacht bei Sedemünder (28. Juli 1259), zwischen Springe und Altenhagen, viele Bürger das Leben verloren, kam sie an das Haus dannt pütgd Die Stadt ist kriegsgeschichtlich bekannt durch die Schlacht der Schweden gegen die Kaiserlichen 1633, durch ihre ehemalige Festung, deren Werke besonders seit dem Siebenjährigen Kriege angelegt, aber 1807 gänzlich abgetragen wurden, sowie durch verschiedene Kapitulationen von 1757, 1803 und 1806. An die Stadt knüpft sich auch die alte Sage vom Rattenfänger von Hameln, durch Jul. Wolff 9. Aufl., Berl. 1883) poetisch, als Oper von Victor Reßler (1879) bearbeitet. Am 26. Aug. 1259 soll nämlich ein Zauberer mittels einer 12 WWe alle Ratten der Stadt und der Umgegend in die Weser geführt, aber, als die Hameler den ihm versprochenen Lohn nicht zahlten, eine andere Weise geblasen haben, worauf ihm sogleich alle Kinder nach dem Koppelberge in der Nähe der Stadt gefolgt seien. Dieser habe sich aufgethan und nachdem Mann und Kinder hineingegangen, wieder geschlossen. Nur ein einziges Kind, das sich verspätet, blieb zurück und erzählte die Begebenheit. Nach einiger Zeit läßt die Sage die Verschwundenen in Siebenbürgen wieder zum Vorschein kommen und dort eine deutsche Kolonie begründen. Vgl. Sprenger, «Geschichte der Stadt H. (Hannov. 1826; 2. Aufl., bearbeitet von Reitzenstein, Hameln 1861); (H. und Bad Pyrmontꝰ (Hameln 1883). Der Kreis Hameln zählt auf 640 qkm (1880) 52260 E.